Julie Delpy ist Einem noch am Ehesten als Filmpartnerin Ethan Hawkes in “Before Sunrise” (1995) und “Before Sunset” (2004) bekannt, filmgewordenen Wien- bzw. Paris-Postkarten, die sich mit tiefgründigen Dialogen schmückten und doch wenig mehr waren als glitzernde Seifenblasen für die Kinoleinwände; das, was man “Feelgood-Movies” nennt. Anders “Zwei Tage Paris“: In dieser sarkastischen Komödie scheint Delpy, die das Drehbuch geschrieben, inszeniert und die Hauptrolle übernommen hat, ihre berühmten “Before”-Filme parodieren zu wollen.

Was ihr hervorragend gelingt: “Zwei Tage Paris” handelt von einem jungen Paar – sie (Delpy) französische Fotografin, die in New York lebt, er (Adam Goldberg) waschechter New Yorker -, das nach einem Venedigurlaub 48 Stunden in Paris verbringen möchte. Natürlich bei den Eltern Marions, die Delpy kurzerhand mit ihren eigenen Eltern besetzt hat. Maman und Papa sind die komödiantischen Glanzlichter des Films: Wunderbar albern geben sie die alternden 68er; beispielsweise in einer Szene, in der Marions Mutter dem Freund ihrer Tochter in brüchigem Englisch gesteht, sie habe mal mit Jim Morrison “sex-fun” gehabt.

Der Film wirkt so locker und spielerisch inszeniert wie die besten Woody-Allen-Streifen – an die er übrigens in mancher Hinsicht erinnert: Die Figuren ergehen sich in ähnlich neurotischen Dialogen; die Spannweite des Humors reicht von richtig albern (Marion sammelt Fotos ihrer nackten Ex-Liebhaber mit um den Penis gebundenen Luftballons) bis geistreich, und den Schauspielern merkt man das Vergnügen an ihren Rollen deutlich an. Deplatziert wirkt höchstens Daniel Brühl, der irgendwie so gar nicht in das heitere Pandaemonium von Delpys Figuren passen will. Macht nichts, er ist bald wieder weg. Kurzum: “Zwei Tage Paris” ist bestes Entertainment in der Tradition kleiner, geistreicher Dialogkomödien.

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