Ganz grob kann man Filme in zwei Kategorien einteilen: Die, die man gesehen haben muss, und die anderen.

Jörg Buttgereits “Nekromantik” ist, was diese Unterscheidung betrifft, ein Wanderer zwischen den Welten. Wie in manch anderer Hinsicht auch.

Das inzwischen etwas betagte Independent-Perlchen von 1987 strahlt noch wie damals; wobei “strahlen” das falsche Wort ist: Nekromantik schimmelt, verwest, stinkt, zerfällt in seine Bestandteile: Das reißerisch-romantische Cover verspricht einen Sexfilm mit Leichen, der Film selbst mag solche Hoffnungen zerstören, entpuppt er sich doch als ruhiges, ein bisschen melancholisches Trauerspiel über einen jungen Mann und seine Geisteskrankheit. In diesem Sinne wäre er dem kaum älteren Vampirstreifen “Martin” von George Romero vergleichbar.

Zur Handlung: Rob arbeitet bei “Joes Säuberungsaktion” und beseitigt Leichen an Unfallschauplätzen. Mit seiner Freundin teilt er ein besonderes Faible für die Toten: Er ist nekrophil…

Buttgereit gelingt trotz des krassen Themas eine differenzierte, fast empathische Darstellung des nekrophilen Jungen; er beschreibt die Manie in elegischen Bildern, und auch die Musik wartet mit erstaunlich freudigen Motiven auf – man kann sagen, dass “Nekromantik” näher an Hoffmann und Poe liegt als an “Bad Taste” etc., neben denen die Kassette in der Regel in der Videothek steht.

Das Ende gewährt Rob die orgiastische, wilde, Leben und Tod in einer bizarren, unvergesslichen Einstellung vereinende Auflösung; den Sex mit einer Leiche, die er selbst ist …

Ein rabenschwarzer, nicht unbedingt leichtverdaulicher, aber allemal sehenswerter Film.