Vielmehr Drama als Horror wird in der mexikanischen Produktion geboten, die für den Horrorfan teilweise etwas anstrengend werden kann, allerdings eine gute Brücke zwischen Kunst- und Popkino schlägt.

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Als das Oberhaupt einer armen, fünfköpfigen Familie in einer Mall tot zusammenbricht, müssen die Kinder dafür sorgen, dass die Familie weiter über die Runden kommt. Anfangs verschanzt sich die Mutter noch in ihrem Zimmer, aber als der älteste Sohn das Zepter übernimmt, um die Aufgaben des Vaters zu erledigen, bricht ein psychologischer Kampf aus. Gleichzeitig findet die Polizei im Magen des verstorbenen Unbekannten Reste von Menschenfleisch.

Der Film nimmt sich viel Zeit, verzichtet vorwiegend auf eine musikalische Untermalung, so dass die einzeln gesetzten Themen überraschend tief gehen. Besonders die ruhige Kameraarbeit, die auch gerne einmal auf den Charakteren verweilt, sowie die starken Performances beeindrucken. Allerdings ist “Wir sind, was wir sind” einer dieser Horrorfilme, der letzten Endes zu sehr an der ruhigen Kühlheit krankt, denn weder die Charaktere, noch die Dialoge selbst werden tief genug gezeichnet, als dass man mit ihnen mitfühlen könnte (selbst wenn die Schauspieler allesamt großartig sind). Schade, denn die Auswirkungen des Todes des Ernährers in der Familie und die damit einhergehende Existenzangst ist auf beklemmende Art und Weise verarbeitet worden, schafft nur nicht die Intensität, mangels der Empathie für die Charaktere. Ein so starkes Filmerlebnis wie bei “So finster die Nacht” lässt sich daher nicht erreichen, zumal der Film trotz weniger als 90 Minuten gestreckter wirkt, als das zweistündige, schwedische Meisterwerk.

Dennoch, für den Fan der Kunstfilme wird sich “Wir sind, was wir sind” dennoch als eindrucksvoller Film ausmachen, nur der Genrefan dürfte sich etwas ärgern, da das Potential nicht ganz ausgeschöpft wurde.

Ab dem 2.6.2011 im Kino.

Regie und Drehbuch: Jorge Michel Grau
Darsteller: Adrián Aguirre, Miriam Balderas, Francisco Berreiro, Paulina Gaitan
Musik: Enrico Chapela