Mit “No Country for Old Men“, der Verfilmung eines Cormac-McCarthy-Romans, haben die Coen-Brüder (“Fargo”, “The Big Lebowski”) ihr Meisterwerk geschaffen – einen nihilistischen, lakonischen Thriller über Gier und Gewalt.

Ein arbeitsloser Mittvierziger stößt bei der Antilopenjagd irgendwo an der texanisch-mexikanischen Grenze auf die Überreste eines geplatzten Drogengeschäfts: Trucks, Kokain, und jede Menge Leichen. Dass einer der Männer noch atmet, interessiert den von Josh Brolin dargestellten Antihelden gar nicht – wohl aber der Koffer voller Geld, den er auf einer Leiche findet. Er nimmt ihn kurzerhand mit; aber nachts regt sich sein Gewissen, und er bricht auf, um dem Verwundeten in der Wüste Wasser zu bringen – ein denkbar schlechter Entschluss, denn dort wird er von Gangstern gefunden, und eine gnadenlose Jagd nimmt ihren Lauf …

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Im Prinzip die Geschichte eines beliebigen B-Movies. Was “No Country for Old Men” so faszinierend macht, ist die Philosophie hinter dem Plot: Joel und Ethan Coen erzählen von einer Welt, in der es kaum noch Gute gibt (eine Ausnahme ist vielleicht der von Tommy Lee Jones dargestellte Sheriff), dafür aber jede Menge Böse. Moral? Fehlanzeige: Hominus Hominum Lupus est. Ein Film, ein Lehrstück Hobbes’scher Philosophie. Ob sich daraus Rückschlüsse über den derzeitigen Zustand Amerikas machen lassen? Sicherlich: Nicht von irgendwo wurde “No Country for Old Men” mit vier Oscars – darunter die wichtigen Kategorien bester Film und beste Regie – ausgezeichnet. Der Film zeigt eine trostlose, boshafte Welt. Nicht der schlechteste Spiegel für den Westen im ersten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Besonders beeindruckend ist der von Javier Bardem gespielte Killer – ein absolut nihilistischer, wahnsinniger Mensch mit einem gewissen Hang zum Sadismus. Die Selbstverständlichkeit, mit der er tötet (oder auch nicht) ist verstörend.

“No Country for Old Men” läuft leider nur noch in wenigen Kinos; darf aber getrost als einer der wichtigsten Filme des laufenden Kinojahres betrachtet werden.