„Unter dir die Stadt“ heißt das neue Drama von Regisseur Christoph Hochhäusler. In sorgfältig durchkomponierten Bildern erzählt er von Begierde, von Verrat, von einer Romanze, die so nicht sein darf. Und nimmt ganz nebenbei noch die Mächtigen der Finanzwelt ins Visier.

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„Unter dir die Stadt“ zelebriert auf den ersten Blick den Formalismus, setzt seine Schauplätze ebenso in Szene wie seine Figuren, die ständige Konzentration auf die Optik gipfelt manchmal fast in absoluter Starre. Doch irgendwie hat es Hochhäusler trotzdem geschafft, eine Geschichte in dem optischen Konstrukt unterzubringen. Auf verschiedenen Festivals wurde er dafür bereits gefeiert. Nun steht der Start in den deutschen Kinos an und der Film muss sich dem kritischen Auge des deutschen Publikums stellen.

Unter dir die Stadt: alte Romanze in neuem Gewand

Inspiration fand Christoph Hochhäusler nach eigenen Angaben in der biblischen Geschichte von König David, dem es nach Batseba verlangte und der ihren Mann in den Krieg schickte, um freie Bahn zu haben. Die Frage, die Hochhäusler aus dieser in seiner Kindheit gehörten Geschichte in Erinnerung blieb, war die nach der Rechtfertigung einer schlechten Tat aus gutem Grund heraus. Kann man das Elend, das ein Mensch einem anderen aus egoistischen Gründen zufügt, irgendwie entschuldigen?

Hochäusler übertrug das antike Konzept in die moderne Welt. Aus dem König wurde der Chef eine Bank, aus dem Fußsoldat einer seiner zahlreichen Angestellten – ein junger, aufstrebender Banker, der zwar nicht an die Front, sondern nur in eine ausländische Filiale versetzt wird, dort aber den Platz seines gewaltsam getöteten Vorgängers einnehmen und mit ungewohnten Schwierigkeiten kämpfen muss. Im Vergleich zum biblischen Vorbild ist alles nun etwas abstrakter, auf Hochglanz poliert und doch merkwürdig ähnlich. Der Schweizer Schauspieler Robert Hunger-Bühler verkörpert den Frankfurter Banker, der seinen Untergebenen nach Indonesien versetzt, nachdem er sich in dessen Frau, gespielt von Nicolette Krebitz, verguckt hat.

In seinem dritten Spielfilm erzählt Regisseur Christoph Hochhäusler in 110 Minuten eine Geschichte von Liebe und Verlangen, Ehrlichkeit und Betrug, Selbstaufgabe und beruflichem Ergeiz. „Unter dir die Stadt“ ist Liebesfilm, Sozialdrama und kritische Auseinandersetzung mit dem Bankensystem zugleich. Viele Details bleiben ungeklärt, diverse der aufgeworfenen Fragen muss der Zuschauer für sich selbst beantworten. Genau darum geht es: für sich selbst zu entscheiden, wo Moral und Ethik den Vorrang haben, wo sie an ihre Grenzen stoßen und wo das negative Verhalten eines Menschen gegenüber einem anderen nachvollziehbar bleibt und wo nicht.

Seine Uraufführung feierte der Film im Mai 2010 bei den Filmfestspielen in Cannes, auf dem sommerlichen Filmfest in München erhielt er den Förderpreis Deutscher Film für das beste Drehbuch und im September 2010 stellte Hauptdarstellerin Nicolette Krebitz „Unter dir die Stadt“ dann als Eröffnungsfilm beim 17. Internationalen Filmfest Oldenburg vor. Ob Krebitz auch mit ihrer Figur im Film einen so erstaunlich sicheren Stand hat wie in den mörderischen High Heels, die sie auf dem roten Teppich in Oldenburg trug, kann jeder Cineast ab dem 31. März 2011 für sich selbst entscheiden, denn dann startet Christoph Hochhäuslers Banker-Drama in den deutschen Kinos.