“Man is the warmest place to hide”

Als John Carpenter sein Remake des 50er-Horrorfilmchens “Das Ding aus einer anderen Welt” (USA, 1951) in die Kinos brachte, war er auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt: “Halloween – Die Nacht des Grauens” (1978) hatte ein Genre begründet; “The Fog” (1979) war ein handwerklich perfekter Gruselfilm; “Die Klapperschlange” (1980) wies dem angestaubten Actionkino neue Impulse. “The Thing” war Carpenters erster Film für ein großes Studio (Universal) – und floppte. Es gibt zwei denkbare Begründungen für den kommerziellen Misserfolg des Films. Zunächst ist “The Thing” ein relativ brutaler Streifen, die Splattereffekte sind für eine Mainstream-Produktion ungewöhnlich explizit. Und dann war da “E.T.” – Spielbergs Parabel vom freundlichen Außerirdischen kam zwei Wochen vor Carpenters boshaftem Horror in die Kinos. Vielleicht hatte man einfach keine Lust auf menschenfressende Aliens?

An der Qualität kann es jedenfalls nicht gelegen haben. “The Thing” ist einer der perfektesten Horrorfilme, die ich gesehen habe. Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird auf einer antarktischen Forschungsstation von einem außerirdischen Organismus angegriffen, der beliebig von einem Körper in den nächsten wandern kann. Die Geschichte bezieht ihre Spannung aus der Frage, wer “infiziert” ist und wer nicht. Das Original war ein Schaf im Wolfspelz: Die Science-Fiction-Story “Who goes there?” von John W. Campbell lieferte bloß einen Vorwand für eine antikommunistische Parabel und fügte sich politisch korrekt in die McCarthy-Ära. Carpenter steigert die Grundelemente der Geschichte – Klaustrophobie und Paranoia – bis an die Grenzen des Erträglichen. Die panische Atmosphäre sucht ihresgleichen. Von Anfang an ist klar, dass alle Wissenschaftler dem Tod geweiht sind. Hoffnung gewährt “The Thing”, im Gegensatz zu Kubricks “Shining” (1980), nicht. Die berüchtigten Splatterffekte von Rob Bottin ergänzen die Handlung gut; sie geraten nicht zum Selbstzweck, und Ennio Morricones reduzierte Synthesizerklänge tragen maßgeblich zur Spannung bei.

Carpenter hat mit “The Thing” bewiesen, dass er ein Meister der kleinen Plots ist: Die Handlung seiner besten Filme kann man auf einem Kaugummipapier zusammenfassen. Die Spannung, die “The Thing” aufbaut, sucht ihresgleichen. Ein weiterer Pluspunkt sind die – handgearbeiteten – Effekte. Im Gegensatz zu digitalen Effekten sieht man ihnen ihr Alter nicht an; sie wirken heute noch genauso intensiv wie 1982. Der Film wurde erst auf VHS (und später auf DVD) ein Erfolg und ist heute einer der beliebtesten Filme Carpenters. Inzwischen gibt’s sogar ein Lego-Remake.