Hui, “The Texas Chainsaw Massacre”: Das Internet ist mit Berichten über diesen Film übersättigt.

Auffällig ist, das die meisten dieser Artikel (mit Ausnahme einiger weniger) verzweifelt darum bemüht sind, das “Kettensägenmassaker” von seinem miserablen Ruf zu befreien. Tatsächlich enthält der Horrorstreifen, der jahrelang auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stand, nur sehr wenige konkrete Gewaltszenen – das meiste wird angedeutet. Dass der Ruf des Films sich selbst produziert hat, etwa so, wie bei der “Stillen Post” eine Botschaft immer weiter und weiter bis zur völligen Unkenntlichkeit verändert wird – darauf will ich hier nicht eingehen.

Tobe Hoopers zweite Regiearbeit erzählt langsam, eigentlich träge. Zeitweise wirkt der Film wie ein Roadmovie; nur die (hervorragende) Kamerarbeit von Daniel Pearl verrät, wohin es geht: Ständig trostlos wirkende, öde Totalen, bizarre Perspektiven, und – immer wieder: Die Sonne, die Hitze, das Flimmern. Die Bildsprache ist beeindruckend, beklemmend, und kreiert eine bizarre Atmosphäre, zu der auch die (verhaltene) Musik beiträgt. Wenn der Film sein Monster dann auf die Jugendlichen (und auf den Zuschauer) loslässt, überrascht gerade dessen Unbeholfenheit: Leatherface ist bloß ein Mensch, wenn auch ein geistesgestörter. Er wird nicht in Szene gesetzt wie der Teufel in “Rosemarie’s Baby” (1967) oder die Blutsauger in “Blut für Dracula” (1966) – der Horror ist absolut real, fast schon linkisch. Leatherface ist nicht gerade ein Feinmotoriker, und hin und wieder mag der Zuschauer sich dabei ertappen, so etwas wie Mitleid mit dem Monster zu haben. Zumal seine Familie das pervertierte Ideal einer amerikanischen Arbeiterfamilie darstellt; alle haben sie früher in den Schlachthöfen gearbeitet, ehe das Töten maschinisiert wurde. Im Grunde genommen machen sie das, was sie immer getan haben: Töten, mit dem Hammer, der Säge; sie hängen ihre Opfer auf den Fleischerhaken oder legen sie in die Tiefkühltruhe. Bloß sind es jetzt keine Rinder mehr, sondern Menschen. In dieser Hinsicht stellt der Film also, man mag es kaum glauben, eine regelrecht gesellschaftskritische Frage: Was geschieht mit denen, die von der Moderne überrannt werden?

Daneben hat der Film, mit ein paar anderen (“Beim Sterben ist jeder der Erste”, 1972; “Southern Comfort”, 1981) ein kleines Subgenre begründet, das sich in den letzten Jahren wieder wachsender Beliebtheit erfreut: Der “Redneck-Horror”. Meint: Menschen aus der Stadt etc. kommen ins Hinterland, legen sich mit den dort hausenden Kerls an und werden von ihnen totgehauen. Wes Cravens “The Hills have Eyes” (1977) oder “Wolf Creek” (2005) bedienen sich dieses simplen Schemas. Ein wirkungsvoller, oft missverstandener Horrorfilm, der das Genre nachhaltig geprägt hat. Inzwischen ein halbwegs rehabilitierter Klassiker. Sehenswert.