Das Konzept ist gut, die Umsetzung etwas grob, immerhin ist das Thema Religion eine delikate Angelegenheit, die in klobigen Händen sehr schnell gefährlich werden kann.

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Polizist Hollis Lucetti (Terrence Howard) wird zu einem Selbstmordversuch gerufen, ein junger Mann (Charlie Hunman) steht auf dem Vorsprung eines Hauses und ist bereit zu springen. Doch schnell merkt Hollis, dass Gavin ganz andere Motive für seinen Sprung in den Tod hat und dass es vielleicht noch Hoffnung gibt, ihn zu retten.

Diese Rahmenstory führt dann mitten in die eigentliche Geschichte hinein, die eine Dreiecksbeziehung zwischen Atheist Gavin, der schönen Shana (Liv Tyler) und ihrem konservativ-religiösen Ehemann Joe (Patrick Wilson, beeindruckend wie immer) aufrollt. Nach und nach wird die Beziehungskiste zu einem Duell zwischen Atheist und Christ, aber genau dort fängt der Film auch an, seine Schwäche zu zeigen. Zum einen kann er sich nicht genau entscheiden, ob es nun um das Mädchen geht, oder doch um die Auseinandersetzung zwischen Glauben und Atheismus. Das wäre an sich kein Problem, wenn die theologischen Gespräche nicht so unglaublich enervierend an der Oberfläche kratzen würden. Jeder Philosophie- und Theologiestudent wird genervt mit den Augen rollen, wenn er die Totschlag-Argumente der beiden Protagonisten zu hören bekommt. Nun kann man meinen, dass jeder Nicht-Philosoph und -Theologe ja vielleicht doch seinen Spaß daran haben könnte, aber hier werden keine neuen Seiten in der Debatte aufgezeigt, sondern reichlich polemisch Stellung bezogen. Das arg konstruierte Ende scheint da nur vorzeitig Schluß machen zu wollen, bevor man sich in der Debatte noch belesen müsste.

Selbst als Atheist kann ich keinen Gefallen daran finden, den konservativen Christen als verbort und pedantisch dargestellt zu sehen, denn eine richtige Auseinandersetzung kann erst dann gelingen, wenn man Zugang zu beiden Seiten finden kann, dass die weibliche Hauptrolle dabei durchweg so hilflos dargestellt wird, wie sonst nur in äußerst konservativen und religiösen Filmen, hilft dem atheistischen Standpunkt der Macher auch nicht weiter.

So bleibt The Ledge ein mäßig interessanter Thriller, der allein wegen der guten schauspielerischen Performances lohnt, aber das Versprechen eines hochphilosophischen Films selbst mit gutem Willen nicht einhalten kann.

Der deutsche Kinostart folgt, sobald bekannt gegeben.

Regie und Drehbuch: Matthew Chapman
Darsteller: Charlie Hunman, Terrence Howard, Liv Tyler, Patrick Wilson
Musik: Nathan Barr