Kino, neue Filme & Schauspieler

Archiv für "Thriller"

Russischer Rupfkuchen

Autor: Christophe Braun 0 Kommentare

Viggo Mortensen und David Cronenberg sind eines der besten Paare, die sich vor (bzw., vor und hinter) der Leinwand zusammengefunden haben. Demenstprechend fantastisch ist ihr - nach “A History of Violence” zweites - gemeinsames Werk “Eastern Promises”, zu deutsch “Tödliche Versprechen”.

Der Film, im Prinzip ein konventioneller Thriller, spielt im Milieu der russischen Mafia in London. Als das Kind einer minderjährigen Zwangsprostituierten geboren wird, stellt die Hebamme (Naomi Watts) Nachforschungen an - und landet bei einem undurchsichtigen Restaurantbesitzer (Armin Mueller-Stahl), dessen Sohn (Vincent Kassel) und dem Fahrer (Viggo Mortensen). Aber die Herren sind (versteht sich) durchaus nicht das, wofür sie sich ausgeben…

Während “A History of Violence” noch in einer relativ episodenhaften Erzählweise verhaftet war, gelingt Cronenberg mit “Eastern Promises” ein epischer, gelassener, zynischer Gangsterfilm, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hat.

Der Film scheut sich nicht vor drastischen Bildern, aber insgesamt dominiert ein ruhiger, selbstbewusster Duktus; eine Moll-Tonart, die den Darstellern viel Freiraum für eigene Improvisationen lässt. Einer der reifsten, selbstsichersten Cronenberg-Filme insgesamt. Mortensen hätte den Oscar ruhig mit heimnehmen dürfen …

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Die innere Unsicherheit

Autor: Fin 1 Kommentar

Spike Lees “Inside Man”

Wenn der Vorspann “a Spike Lee Joint” verkündet, weiß der geneigte Filmkenner, worauf er sich einstellen muss. Nicht unbedingt inhaltlich - da ist Mister Lee äußerst wandlungsfähig (”Summer of Sam”, “Malcolm X”); wohl aber, was die Spannungskurve betrifft: Denn langweilig sind die Filme des einstigen Independent-Helden nie.

Inside Man” ist die ironische Geschichte eines perfekten Banküberfalls, der in eine Geiselnahme mündet; und die Geschichte zweier Männer, die einander gegenüberstehen: Der Cop (Denzel Washington) und der Gangster (Clive Owen). Spike Lee erweist sich als Meister geschickter Thrillerinszenierung. Die Schauspieler sind mit sichtlicher Freude an ihren Rollen dabei - besonders Washingtons cooler Polizist ist einfach nur … lässig.

Unglücklicherweise für den Autor dieser Zeilen hieße den raffinierten Plot auch nur ansatzweise zu verraten gleichzeitig dem Leser den Film zu verderben. Darum berichte ich von den Nebenschauplätzen: Jodie Foster ist als grandios-kaltblütige Rechtsanwältin irgendwie nebenbesetzt, schlägt sich aber trotzdem mit Bravour. Bloß ist der klassische Jodie-Foster-Part halt doch irgendwie der Underdog, und es wirkt merkwürdig, wie sie in “Inside Man” die Superreichen bedient. Christopher Plummer spielt mehr oder weniger dieselbe Rolle wie üblich; manchmal frage ich mich, ob Plummer und Max von Sydow sich ihre Gagen teilen, dermaßen identisch, wie beide inzwischen sind - sowohl was Rollenbesetzung, als auch patriarchalisch-weise-böses Gesicht betrifft… ;-)

“Inside Man” ist ein intelligentes, ironisches Dialogfeuerwerk, kurzum: Perfektes Unterhaltungskino. Und Spike Lee beweist mit dem Film, dass er auch die vermeintlich schlichteren Geschichten grandios zu inszenieren weiß.

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Charlotte Gainsbourg gruselt sich mit Lemmingen

Autor: Fin
3 Mrz
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Alain (Laurent Lucas) und Benedicte (Charlotte Gainsbourg) sind das junge, angepasste, erfolgreiche Paar schlechthin. Einer neuen Stelle für Alain wegen gerade in den Süden Frankreichs gezogen, gerät die Welt der beiden aus den Fugen, als sie Alains Chef (André Dussollier) und dessen Frau (Charlotte Rampling) zum Abendessen einladen…

Lemming” variiert eines der Lieblingsthemen des französischen Films: Die Bourgeoisie; diesmal werden thrillerhafte Elemente à la Haneke mit Gruselfilmanleihen à la de Palma kombiniert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, reicht aber an die Vorbilder nicht unbedingt heran.

Nichtdestotrotz empfiehlt sich “Lemming” als intelligenter, spannender Thriller für einen verregneten Sonntagnachmittag.

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Der Letzte macht das Licht aus.

Autor: Fin 0 Kommentare

Anne (Isabelle Huppert) fährt mit ihrem Mann und ihren Kindern aufs Land. Aber ihr Haus ist bereits von einer anderen Familie besetzt. Die “Wolfzeit” ist ausgebrochen, die Endzeit, in der jeder für sich selbst Sorge zu tragen hat. Als er protestiert, wird Annes Mann von den Hausbesetzern erschossen. Mit nicht mehr als einem klapprigen, alten Fahrrad irrt Anne mit ihren Kindern durch eine kalte, trostlose Welt.

Hominus homini lupus est - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf: Michael Hanekes Apokalypse wirkt so beängstigend, gerade weil der Zuschauer nie erfährt, wodurch die “Wolfzeit” ausgebrochen ist. In einem Interview erklärte der Regisseur, dass ihn die Ursachen einer Apokalypse - ein Atomkrieg, Umweltzerstörung, etc. - weit weniger interessierten, als die unmittelbaren Konsequenzen für den Umgang der Menschen miteinander.

In diesem Sinn ähnelt der Film den negativen Erziehungsromanen der Aufklärung (”Justine”); er treibt seine naiven Protagonisten von einer Katastrophe in die nächste. Eines Nachts, sie schlafen in einem kleinen Heuschuppen, verschwindet Annes Sohn Ben (Lucas Biscombe). In einer quälend langen Einstellung zeigt Haneke die verzweifelte Mutter, die - ohne Licht - immer wieder den Schein ihres kleinen Heufeuers verlässt, um das Kind zu suchen - vergeblich. Am nächsten Morgen kehrt er zurück, stumm; für den Rest des Films wird er es bleiben.

Natürlich verzichtet Haneke nicht auf die gängigen Endzeit-Typen: Im Verlauf ihrer Odyssee treffen Anne und die Kinder auf einen verwahrlosten Jungen, dem nur an seinem eigenen Heil liegt (der Anarchist), und, später, auf eine zusammengerottete Gruppe von Flüchtlingen, die an einem Bahnhof auf die sporadisch vorüberkommenden Züge warten. Sie werden von strengen, gewalttätigen Männern kontrolliert (die Faschisten). Solche Typen, die sich politisch interpretieren lassen, verwendete schon George Romero, der große Kino-Apokalyptiker, in “Dawn of the Dead”(1978). Die Züge verkörpern die Hoffnung - die Haneke seinen Protagonisten konsquent verweigert. Gelegentlich ist die Rede von religiösen Fanatikern, die in der “Wolfzeit” eine Strafe sehen, für die Buße getan werden muss - spätestens hier können Parallelen zu Ingmar Bergmanns Klassiker “Das Siebente Siegel” (1957) gezogen werden.

“Wolfzeit” wurde von der Kritik gefeiert und gleichzeitig - es ist eben ein Haneke-Film - vom Publikum größtenteils verschmäht. Er lässt sich kaum einem Genre zuordnen, aber die minimalistische und konzentrierte Inszenierung weiß zu beeindrucken. Haneke hat seinen bislang berühmtesten Film, den Thriller “Funny Games” (1998) gerade in den Vereinigten Staaten neu verfilmt als “Funny Games US” (2008).

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Cronenbergs lakonische Gangsterballade

Autor: Fin 0 Kommentare

Was “A Clockwork Orange“, “Natural Born Killers” und “Funny Games” in Ausschnitten beleuchteten, fasst David Cronenberg in seiner nüchternen “History of Violence” zusammen - Mit Erfolg.

Tom Stall (Viggo Mortensen) führt ein kleines Diner in einer idyllischen, fast zu gewöhnlichen, amerikanischen Kleinstadt. Mit seiner Frau (Maria Bello), die Anwältin ist, und seinen beiden Kindern wohnt er in einem großen, schönen Haus etwas außerhalb der Stadt. Bis “Stall’s Diner” von zwei Gangstern überfallen wird. Im Angesicht der Bedrohung wächst der unscheinbare, schüchterne Tom über sich hinaus; überwältigt und erschießt die Angreifer. Am nächsten Tag feiern ihn die Medien als lokalen Helden - und mit seiner plötzlichen Berühmtheit kommen auch ein paar undurchsichtige Besucher aus Philadelphia, die ihn unter einem anderen Namen kennen wollen, und beteuern, dass er vor fast zwanzig Jahren einer von ihnen war …

David Cronenbergs differenzierte Gewaltstudie nach der gleichnamigen Graphic Novel von John Wagner und Vince Locke gehört zu den besten Filmen des kanadischen Regisseurs, der mit “Die Fliege” (1986) und “Scanners” (1981) seine größten Erfolge feierte. Im Gewand eines gewöhnlichen Thrillers daherkommend, entpuppt sich “A History of Violence” als ein unerschöpflicher Reigen der Gewalt, der - neben verschiedenen Arten der Gewalt - auch die erzählerischen Blickwinkel reflektiert: Mal nüchtern (in der Eingangssequenz), dann empathisch (wenn Tom seine Familie verteidigt), später grotesk (im Finale). Eine konsequente “History of Violence” eben.

Cronenbergs neuer Film, “Eastern Promises” (deutsch: “Tödliche Versprechen”), läuft seit dem 27. Dezember in deutschen Kinos, ich bin aber bislang noch nicht dazu gekommen, ihn zu sehen - eine Nachlässigkeit, die ich so bald wie möglich nachholen werde. Dann findet sich hier auch eine entsprechende Würdigung… ;-)

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Sweeney Todd - Opening Titles

Autor: Fin 0 Kommentare

Jüngst wurden die Opening Titles von Tim Burtons “Sweeney Todd”-Adaption online gestellt. Ich muss gestehen, anfangs hatte ich so meine Bedenken, als es hieß, dass Johnny Depp singen würde. Aber die Bilder sind so glibberig-eklig, die Musik so düster und schwülstig, und überhaupt - von mir aus kann’s losgehen. Sieht so aus, als würde der desginierte WeihnachtsfilmDer Goldene Kompass” dieses Jahr von einer Musical-Kannibalen-Mär ausgestochen.

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Gucci und Gedärme

Autor: Fin 0 Kommentare

… sowie Kettensägen, Visitenkarten und Huey Lewis: Willkommen in der Welt des “American Psycho”!

Wenn die Presse sich vorab echauffiert, dieses oder jenes Buch sei “unverfilmbar”, sollte man aufhorchen: Die Verfilmungen sind oft sehr gelungen. Peter Jackson hielt nicht viel von dem hässlichen kleinen Adjektiv und machte den “Herrn der Ringe”. Auch Mary Harron (”I shot Andy Warhol”) ließ sich nicht abschrecken und wagte eine Verfilmung des Romans von Bret Easton Ellis. Der war verschiedentlich durch seine nicht eben zimperlichen Gewaltszenen aufgefallen.

Erzählt wird, in lakonischer, banaler Sprache, die an Markennamen nicht geizt, von Patrick Bateman, einem lebens-müden, depressiven, leeren Yuppie, der sich im New York der Achtziger von einem Mord zum nächsten träumt. Elke Heidenreichs Kommentar zu “American Psycho” - sie vergleicht das Buch mal eben mit Picassos “Guernica” - wird bis heute auf der hinteren Klappe der deutschen Taschenbuchausgabe abgedruckt.

Mary Harron spart die Gewalt nicht völlig aus, reduziert sie aber beträchtlich - und macht aus der irgendwie tragischen Satire eine boshafte schwarze Komödie. Christian Bale als Patrick Bateman hat (bislang) nicht wieder so gut gespielt; und Reese Witherspoon als seine oberflächliche Freundin ist gleichzeitg komisch und zum Heulen. Der Film legt großen Wert darauf, die Epoche, besonders in modischer Hinsicht, exakt abzubilden; die Liebe zum Detail sieht man ihm an. Der Soundtrack ist eine ironische Best-of-80s, und sogar Willem Dafoe als Detektiv ist ausnahmsweise cool. Übrigens ist “American Psycho” auch hinsichtlich perfekter männlicher Körperpflege äußerst lehrreich.

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The Dark Knight

Autor: Fin 0 Kommentare

Noch ist ein Trailer online … ;-)

Ein hübsches Poster zur “Batman Begins”-Fortsetzung “The Dark Knight“, angekündigt für Sommer 2008. Ist eigentlich ein Teaser-Poster, und es gibt inzwischen die offiziellen - aber dieses hier ist einfach das coolste. Mit dabei sind wieder Christian Bale und Michael Caine, ferner Maggie Gyllenhall (”Secretary”, “Stranger than Fiction”), Jason Reitman (”Thank you for smoking”) und, als Joker, Heath Ledger (”Brokeback Mountain”). Sieht so aus, als hätten die Maskenbilder einiges zu tun gehabt. Ledger hat sich damit was vorgenommen - der Letzte, der den Joker mimte, war Jack Nicholson in Tim Burtons “Batman”; und sein Spiel war, nun - merk-würdig. Mal schau’n, was der Cowboy unserer Herzen draus macht.

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Funny Games - Remake

Autor: Fin
3 Dez
1 Kommentar

Michael Haneke hat seine kompromisslose Gewaltstudie “Funny Games” (1997) neu verfilmt.

Wieso, ist mir nicht ganz klar. Der Film ist - auch im Ausland - bekannt geworden. Haneke hat zuletzt mit “Caché” (2005) einen grandiosen Thriller abgeliefert. Der Trailer zum Remake wirkt wie eine 1:1-Kopie des Thrillers mit Ulrich Mühe und Susanne Lothar, bloß, dass sie jetzt Tim Roth und Naomi Watts heißen. Der Film wird vermarktet wie aufregender Horror à la “Saw” oder “Hostel”.

Haneke selbst, vor zehn Jahren: “Ich versuche, Wege zu finden, um Gewalt als das darzustellen, was sie immer ist - als nicht konsumierbar.”

Tja.

Hoffentlich hat er sich das mit dem Remake gut überlegt.

Zum direkten Vergleich stelle ich mal beide Trailer nebeneinander. Wenn Sie sie halbwegs zeitgleich abspielen, werden Sie feststellen, dass die Filme fast identisch montiert sind. Ich hoffe, das gilt nicht für den Streifen insgesamt.

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War da was?

Autor: Fin 0 Kommentare

Alle sind Sünder, ausnahmslos: Billy Bob Thornton, die Erste.

Gerechtigkeit gibt’s nicht. Und wenn der apathische, kettenrauchende Friseur (Billy Bob Thornton) die erstbeste Gelegenheit ergreift, um seinem trostlosen Dasein zu entfliehen, dann steht am Ende unweigerlich der Tod. Die Coen-Brüder haben schon mit ihrem Debüt “Blood Simple” (1984) bewiesen, dass sie brillante Krimis in Noir-Tradition inszenieren können. “The Man who wasn’t there” ist klassisches amerikanisches Erzählkino der 40er-Jahre, manche Stellen könnten von John Ford sein, andere von Huston oder Hitchcock. In brillantem Schwarz-Weiß, das zunehmend düsterer wird, verfolgt der Film seine tragischen Charakter, und wäre da nicht Thorntons lakonischer Kommentar aus dem Off, die Inszenierung würde zuweilen an eine Versuchsanordnung erinnern: Man nehme einen Haufen kaputter Charaktere, zu gleichen Teilen Geld und Sex, und ein paar Stücke von Beethoven. Was dabei rauskommt? Einer der besten Filme der letzten Jahre. Wer sich für die Romane von Jim Thompson oder Dashiell Hammett begeistern kann, wird “The Man who wasn’t there” lieben.

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