» Krimi

4. Juni 2008

„Ein verlockendes Spiel“ - “Leatherheads“

Darauf hat die Frauenwelt sicher gewartet – wieder ein neuer Streifen mit George Clooney, der auch Regie geführt hat, zu bewundern. In der romantischen Komödie zu Zeiten der Goldenen Zwanziger Jahre und ist viel mehr als nur ein antiker Film. Es geht um einen begnadeten Footballspieler im Jahre 1925, der alles hat, was man sich nur wünschen kann. In dem Film spielt ebenso Renée Zellweger, eine Reporterin verkörpert und über die sportlichen Highlights berichtet.
Die beiden Hauptdarsteller liefern sich einen amüsant verbalen Schlagabtausch und verleihen dem Film eine spezielle Note, denn sonst würde es wahrscheinlich eher wie ein antiker Sportfilm erscheinen. Der smarte Schauspieler George Clooney sorgt sicher für zahlreiche Kinobesucher.


„Cassandras Traum“ - “Cassandras Dream“

In dem neuen Woody Allen Film agieren Colin Farrell und Ewan McGregor als Brüder und sind die netten Jungs von nebenan. Der Regisseur hat den Schauplatz des Geschehens erneut nach London gelegt, was ihm mit bisherigen dort gedrehten Filmen Glück gebracht hatte.
Es ist die Geschichte zweier Männer die sich ein besseres Leben erhoffen, nur der Preis des Aufstiegs kann ihnen zum Verhängnis werden. „Cassandras Traum“ bezieht sich auf die antike griechische Seherin und ihre Visionen, die auch sie selbst ins Verderben stürzten. Die Brüder haben ihrem Segelboot eben genau diesen antiken Namen gegeben und ahnen nicht, was das für Folgen haben könnte.
Der Krimi von Woody Allen verspricht viel Tiefgang und brilliert durch seine Schauspieler.


“Lenin kam nur bis Lüdenscheid”

Mal kein großer Hollywood Streifen, sondern deutsche Handwerkskunst. Die Kindheitserinnerungen von Richard David Precht werden zum Mittelpunkt des Film und beschreiben, wie sie eine Familie aus Solingen an die damalige Zeit erinnert. Wie sich die Menschen aus Lüdenscheid das Leben im Osten vorgestellt haben und liefert ein etwas anderen Blick auf die ehemalige DDR – aus Sicht von „außerhalb“. Der Dokumentarfilm von Richard David Precht zeigt mit teils ironischen Ansichten das Leben in Lüdenscheid und lässt die Geschichte in dokumentarischer Weise Revue passieren. Eine sehr gelungene Arbeit, die bei vielen sicher auch ein paar Erinnerungen weckt, ob nun aus Sicht von „Ost oder West“.


19. Februar 2008

… gesteht Umberto Eco in seiner “Nachschrift zum Namen der Rose” - das sei sein Motiv gewesen, seinen Roman zu schreiben.

Jean-Jacques Annauds Adaption von Umberto Ecos Bestseller gehört zu den gelungensten Literaturverfilmungen, die es auf die großen Leinwände geschafft haben. Zwar kann der Film freilich nicht die Collage-Techniken des brillanten Romans übernehmen; und die vielgepriesene Intertextualität bleibt auf der Strecke - aber dergleichen könnte ein Film wohl kaum leisten. Stattdessen besinnt sich Annaud auf die Tugenden des Kinos und erschafft eine düstere, unheilschwangere Atmosphäre und unvergessliche Bilder. Im (auf der DVD enthaltenen) Making-Of verrät der Regisseur, er habe bei der Wahl der Schauspieler besonders solche gesucht, deren Physiognomie “mittelalterlich” wirke. Das ist ihm wunderbar gelungen: Ein derart hässliches, schmutziges Mittelalter hat man auf der Leinwand noch nicht gesehen. “Der Name der Rose” ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt; neben Sean Connery und Christian Slater sowie F. Murry Abraham als deren Gegenspieler glänzen beispielsweise Helmut Qualtinger und Ron Perlman als ehemalige Ketzer, die in der geheimnisumwitterten Abtei an der ligurischen Küste Zuflucht gefunden haben. Keine besonders sichere Zuflucht, versteht sich.

Anlässlich eines Disputs zwischen Gesandten der Franziskaner und einer päpstlichen Delegation begibt sich William von Baskerville (Sean Connery) mit seinem Novizen Adson von Melk (Christian Slater) im Jahr 1327 in die düstere, aus der kargen Landschaft hervorstechende Cluniazenserabtei, deren Bibliothek weit über die Grenzen Liguriens bekannt ist. Ehe sich alle Parteien zum theologischen Disput eingefunden haben, suchen mysteriöse Todesfälle die Mönche heim; manche meinen, der Teufel gehe um … William, ein erstaunlich aufgeklärter Franziskaner, macht sich daran, die Umstände der Tragödien zu untersuchen.

Ein “Palimpsest” des Romans, so bezeichnet sich der Film im Vorspann. Und das trifft es: Reduziert auf die Krimihandlung und eine abgründige Darstellung mittelalterlichen Lebens in und um eine Landabtei, zeichnet der Film ein bedrückendes Zeitbild. “Der Name der Rose” ist gewiss eine der besseren Produktionen Bernd Eichingers; und ein großartig finsterer Ausflug in eine Welt, in der Bücher töten können …


12. Januar 2008

Clint Eastwoods 26. Regiearbeit: “Mystic River”, ein düsteres Krimidrama mit Sean Penn (Oscar als bester Hauptdarsteller), Tim Robbins (Oscar als bester Nebendarsteller) und Kevin Bacon.

Vor dreißig Jahren waren Sean (Bacon), Jimmy (Penn) und Davey (Robbins) befreundet - bis Davey eines Tages von zwei Männern, die sich als Polizisten ausgaben, entführt und tagelang missbraucht wurde. Er konnte entkommen, aber das traumatische Ereignis trieb einen Keil zwischen die Freunde. Als Erwachsene leben sie noch in derselben Stadt, haben aber kaum mehr Kontakt. Bis Jimmys neunzehnjährige Tochter ermordet aufgefunden wird. Manches scheint auf den labilen Davey zu deuten - aber ist er eines Mordes fähig? Sean, inzwischen Polizist, nimmt die Ermittlungen auf.

Clint Eastwoods unaufgeregte Regie nähert sich behutsam menschlichen Abgründen. Das Drama gewinnt seine Tiefe gerade aus der Ruhe, mit der die Geschichte entfaltet wird. Einer griechischen Tragödie ähnlich, liegt die Katastrophe im Wesen der ungleichen Männer begründet, und ist unvermeidbar. Sie mögen handeln wie freie Menschen, aber letztlich sind sie Marionetten ihres gemeinsamen Schicksals, das mit der Entführung Daveys seinen Anfang nahm. Nicht von ungefähr fragen sich die Freunde immer wieder, wie ihre Leben ausgesehen hätten, wäre damals nicht einer von ihnen in das Auto der Pädophilen gestiegen.

Eastwood gelingt es, den Zuschauer zu fesseln; und das, obwohl keine der Figuren in “Mystic River” zur Identifikation einlädt, im Gegenteil: Gerade ihre innere Zerrissenheit, ihre in Trümmern liegenden Biografien und der (vermeintliche) Determinismus ihres Handelns entwickelt eine faszinierende Sogkraft.

Wenn dann nach zwei Stunden der Abspann vorüberzieht, erwacht der Zuschauer aus einem dreißigjährigen Alptraum, und begreift, dass ein einzelnes Ereignis das Leben dreier Menschen dauerhaft zerschlagen kann. Wie in seinem fünffach Oscar-prämierten Meisterwerk “Million Dollar Baby” erweist sich Eastwood als ein großer Humanist des amerikanischen Erzählkinos.


3. Dezember 2007

“Die Nacht war schwarz wie eine Wagenladung Arschlöcher.”

Dieser Satz - er wurde in einem Aufsatz über Hard-boiled-Geschichten als besonders bizarre Stilblüte zitiert - fasst das Genre brillant zusammen: Schwarz, bitter, lakonisch. (Bitter & lakonisch ist auch meine Quellenangabe - ich hab’ vergessen, woher er stammt.)

The Maltese Falcon” war schon die dritte Verfilmung des 1930 erschienen Romans von Dashiell Hammett. Die Geschichte kommt mit einer Handvoll undurchsichtiger Figuren aus; im Zentrum steht der Privatdetektiv Sam Spade (Humphrey Bogart). Spade betreibt mit seinem Partner Archer ein kleines Detektivbüro. Eines Tages kreuzt die hübsche Miss Wonderly auf. Für 200$ beauftragt sie die Detektive, den Liebhaber ihrer Schwester zu beschatten. Archer übernimmt die Aufgabe - und ist in derselben Nacht tot. Spade gönnt sich daraufhin erstmal einen Drink; sodann macht er sich auf, den Tod seines Partners aufzuklären. Vorher beendet er noch schnell die Beziehung zu dessen Frau - die könnte der Polizei doch sehr verdächtig erscheinen - und lässt den Schriftzug auf der Bürotür von “Spade & Archer” in “Sam Spade” ändern.

Früher hätte man die Auflösung ruhig verraten können, weil jeder den “Malteser Falken” gelesen hatte; heute lässt man’s besser sein - sowohl Hammett, als auch die Filme des kongenialen John Huston, harren ihrer Wiederentdeckung. “The Maltese Falcon” brachte für Humphrey Bogart, der bis dahin auf Bösewichte abonniert war, den Durchbruch. Seine Darstellung Spades ist bis heute unübertroffen. Ein Jahr später, mit “Casablanca”, sollte Bogart den Typus des zynischen, aber moralisch integren Helden perfektionieren. Neben Bogarts lässigem Spiel zeichnet sich die Neuverfilmung des Stoffes durch eine Werktreue aus, die vorige Adaptionen nicht gerade aufwiesen: Huston übernimmt praktisch alle Dialoge wortwörtlich aus dem Buch. Die Wortwechsel sind schnell und pointiert; in manchen Szenen werfen sich die Darsteller die Bälle nur so zu. Dass dies möglich war, ist der knappen, spröden Sprache Hammetts (den manch Einer für den besseren Hemingway hielt) zu verdanken. Seinen größten Erfolg feierte der Schriftsteller übrigens nicht mit dem “Malteser Falken”, sondern mit dem “Dünnen Mann“, der ebenfalls sehr erfolgreich verfilmt wurde.

Ich habe den Film gerade, nach rund zehn Jahren, wieder gesehen; keine Ahnung, wie das passieren konnte. Jetzt wird er gekauft. Cooleres Kino gibt’s nicht.

PS. - Wer wissen möchte, wie Trailer anno 1941 aussahen, erfährt das hier.


Der Dünne Mann

Author: Fin
23. November 2007

Seit zwei Jahren gibt es eine der besten Krimi-Serien überhaupt auf DVD, und zu meiner Schande muss ich gestehen, ich hab’s nicht gemerkt. Aber was sind zwei läppische Jahre gegen 73, seit der erste Teil erschien? Na bitte.

Worum geht’s?

Der - von Dashiell Hammett erdachte - Privatdetektiv Nick Charles (William Powell) hat vor ein paar Jahren die steinreiche Nora (Myrna Loy) geehelicht. Seitdem hält er nicht mehr viel davon, seinen Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, und verbringt die Tage mit Frau, Mr. Asta (seinem Hund) und jeder Menge Cocktails. Trotzdem wird er immer wieder in Mordfälle verstrickt, deren Aufklärung ihm aber nicht mehr Schwierigkeiten bereitet als das Mixen eines anständigen Wodka Martini.

Welche Filme gibt’s?

  • Mordsache dünner Mann (1934)
  • Nach dem dünnen Mann (1936)
  • Noch ein dünner Mann (1939)
  • Der Schatten des dünnen Mannes (1941)
  • Der dünne Mann kehrt heim (1945)
  • Das Lied vom dünnen Mann (1947)

Warum sollte man sich die Dünner-Mann-Filme ansehen?

Der “Dünne Mann” ist klassisches, vergnügliches Hollywood-Kino der Dreißigerjahre; die Dialoge zwischen Nick und Nora sind köstlich; und - ich geb’s zu - auch das Mörderraten macht hier noch richtig Spaß. Meiner Meinung nach eine der lustigsten Filmserien überhaupt.