» Krieg
Filme, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen sind in inzwischen Legion. Geschichten über den aktiven Widerstand der jüdischen Bevölkerung gegen die Besatzungstruppen der Nazis finden sich hingegen selten in den Archiven Hollywoods.
Am 23. April startet mit Unbeugsam – Defiance eine dieser seltenen Ausnahmen in den deutschen Kinos. Und diese Geschichte ist tatsächlich noch nie oder nur sehr selten erzählt worden, und dass, obwohl sie wahr ist.
Der Film handelt von den drei Bielski-Brüdern, die 1941 in Polen vor den Besatzungstruppen der Nazis in die Wälder fliehen und eine Partisanengruppe gründen. Schnell wird aus der Widerstandszelle eine Zuflucht für die wenigen Überlebenden des Nazi-Terrors unter der jüdischen Bevölkerung Polens.
Die Bielski-Brüder selber haben ihre Taten nie an die Öffentlichkeit getragen
Weder Tuvia (Daniel Craig) noch Zus (Liev Schreiber) oder Asael (Jamie Bell) haben sich Zeit ihres Lebens mit ihren Taten während er dunkelsten Jahre des 20. Jahrhunderts gerühmt. Dies mag man als wahre Größe anerkennen. Und doch war es längst überfällig, diese Geschichte zu erzählen.
Als sich die drei Brüder nun nach der Zerstörung ihres Dorfes in den Wald flüchten, schließen sich ihnen nicht nur weitere Partisanen an, es treffen auch bald jüdische Flüchtlinge Schutz suchend aus den nahen Ortschaften ein. Weiterlesen »
Das neueste Projekt von Kultregisseur Quentin Tarantino ist der Kriegsfilm „Inglorious Bastards“. Unter den Hauptrollen sind neben Superstar Brad Pitt auch die Deutschen Til Schweiger, Daniel Brühl und Diane Kruger. Kinostart soll im Juni diesen Jahres sein.
Die deutsche Vergangenheit scheint aktuell ein sehr beliebtes Thema in Hollywood zu sein. Derzeit läuft „Operation Wallküre“ mit Tom Cruise in den deutschen Kinos und im Sommer soll ein weiterer Kriegsfilm in die Kinos kommen. Weiterlesen »
Operation Walküre - das Stauffenberg Attentat
Im Vorfeld hat Bryan Singers neuer Film “Operation Walküre” für einige Spekulationen gesorgt. Im Januar kommt er in die deutschen Kinos.
Der New Yorker Regisseur von “Die üblichen Verdächtigen”, “Der Musterschüler” und den “X-Men” hat sich des missglückten Attentats am 20. Juli 1944 auf Hitler angenommen. Für die Hauptrolle des Claus Schenk Graf von Stauffenberg hat er Tom Cruise gewinnen können, was zumindest in Deutschland für einigen Diskussionsstoff sorgte. Denn gerade bei diesem sensiblen Thema empfanden manche des Schauspielers Engagement für Scientology für nicht zuträglich und auch die Drehgenehmigungen an den historischen Orten erwies sich für die Filmcrew als Hürde, die letztlich doch genommen werden konnte.
Ungeachtet der Kontroversen im Vorfeld ist der Film nun abgeschlossen und wurde im Dezember in den USA uraufgeführt. Die Kritiker sind sich im wesentlichen einig: Der Film sieht gut aus und kann mit einer gewissen Spannung punkten, weist aber Defizite in der Zeichnung der Charaktere und dem dramatischen Aspekt auf. Ebenso werden die neben Cruise agierenden Schauspieler (unter anderem Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Eddie Izzard und Terence Stamp) gelobt, während die Leistung des Hauptdarstellers ein wenig untergeht.
Der Rote Baron
“Der Rote Baron” startet morgen, am 9. April, in den deutschen Kinos.
Der Film soll das Leben des deutschen Flieger-Asses Manfred von Richthofen zeigen. Die deutsch-britische Koproduktion unter der Regie von Nikki Müllerschön wurde bereits 2007 heftig beworben, hat es jedoch erst in diesem Jahr in die offiziellen Kinosäle geschafft.
Premiere feierte der Film auf der Berlinale, das Echo der Presse war ernüchternd. Ich persönlich hatte nach “Keinohrhasen”, dem letzten Film, in dem Schweiger und Schweighöfer zusammen vertreten waren, endlich mal auf eine gute deutsche Weltkriegsadaption gehofft.
Die Kritiken des Films verderben einem leider durchweg die Lust auf den Streifen. Von Richthofen werde als Pazifist dargestellt (Wie bitte?) und bekomme eine durchweg kitschige Liebesgeschichte spendiert. Außerdem sei der Krieg viel zu sauber und konfliktfrei dargestellt, was gerade bei der Nachstellung des ersten Weltkrieges wie ein schlechter Witz anmutet. Offensichtlich ist da in der Bemühung, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, bei Authentizität und Atmosphäre geschlampt worden, zugunsten einer Extrapackung Drama.
Schade eigentlich, ein guter Doppeldecker-Film mit ordentlichen Dogfights und markanten Flieger-Sprüchen wäre schön gewesen. Wer trotzdem Lust hat, reinzugehen, hier ist der Trailer.
Keira liebt Oscar
Der Roman “Abbitte” wurde bei seinem Erscheinen vor fünf Jahren von Kritik und Lesern euphorisch gefeiert.
Klar, dass eine Verfilmung nahelag. Nun läuft sie im Kino, mit Keira Knightley und James McAvoy in den Hauptrollen. Regie führte Joe Wright, der vor zwei Jahren mit “Stolz und Vorurteil” - ebenfalls mit Knightley - bewies, dass er sich auf Literaturverfilmungen versteht. Seine Hauptdarstellerin wurde damals für den Oscar nominiert.
Aber die Zäsur, die dem Roman eine merkwürdige Spannung verlieh, schadet dem Film beträchtlich. Das liegt letztlich an McEwans Geschichte, die sich in ihrer Komplexität - ständig wechseln die Perspektiven und Schauplätze; er schildert die britische Klassengesellschaft der Vorkriegsjahre, danach den Krieg selbst, und reflektiert nicht zuletzt über das Schreiben - gegen eine Leinwandadaption sträubt. Deshalb ist “Abbitte” kein schlechter Film, bloß, an das Buch reicht er nicht heran. Gewiss, werden Sie sagen, das ist ein alter Gemeinplatz: “Die Filme sind nie so gut wie das Buch!”, aber den teile ich nicht. Lesen Sie mal “Das Schweigen der Lämmer” oder “Dracula”. Es gibt sie, und gar nicht so selten, die Filme, die ihre Vorlangen übertreffen. Im vorliegenden Fall war das nur schwer möglich. Dennoch beeindrucken Schauspieler, Musik, Kamera, Ausstattung. In vielerlei Hinsicht ist “Abbitte” sehr gelungen; und der erste Teil fängt die schwüle, dekadente Landhausatmosphäre des Buches hervorragend ein. Er entfaltet sich langsam, zäh, und schnappt umso gemeiner zu - ein boshaftes Kammerspiel mit schlechtem Ausgang. Die Tragödie ist absehbar, und doch nicht vermeidbar - Erotik und Zerstörung liegen bei McEwan dicht beieinander (”Der Trost von Fremden“, “Der Zementgarten”); und auch der Film hat hier seine Stärke. Danach werden die Charaktere durch den Krieg getrennt, und gezwungenermaßen beschreibt Wright den Krieg in Frankreich und die Evakuierung von Dünkirchen, zugleich das Schicksal der Krankenschwestern, die im umkämpften London Verwundete pflegen müssen. Manches wirkt obligatorisch; etwa die massakrierten Nonnen. Anderes ist ehrlich, unmittelbar, und schön. Aber insgesamt kann dieser Film, leider, dem Buch nicht das Wasser reichen. Darf ja auch mal sein, oder?
Das Grauen … Das Grauen …
Die Rezension von Coppolas “Apocalypse Now“ (1979) bedarf eines Größenwahns, über den ich nicht verfüge. “Apocalypse Now”, soviel sei gesagt, ist einer der wenigen Filme, die ich wieder und wieder anschauen kann. Coppola hat das Kino im Alleingang neu erfunden. Gestern Abend veranstaltete die Englische Philologie der Freien Universität eine kleine Vorführung, da die Erstsemester gerade Conrads “Heart of Darkness” lesen. Ich bin freilich kein Student; meine Freundin nahm mich mit. Im Folgenden ein paar Anmerkungen zu dem Film, zu Marlon Brando, Gekicher und Englisch-Dozenten.
1. “Saigon” ist das erste gesprochene Wort in “Apocalypse Now”, kurz darauf: “Shit”. Bisher hatte ich den Film nur auf Deutsch gesehen. Ehrlich gesagt, die deutsche Synchronstimme von Martin Sheen macht, finde ich, einen besseren Job als das Original. Sie ist heiser & erschöpft & resigniert, während - wenigstens für meine, nicht-englischen, Ohren - Sheen selbst seine Stimme relativ neutral temperiert. Klar, kann auch an mir liegen.
2. Irgendwo, ziemlich am Anfang von “Heart of Darkness”, wird der Schädel des Elfenbeinhändlers Kurtz verglichen mit einer blankpolierten Billardkugel. Die ersten Einstellungen, in denen Brando gezeigt wird, zitieren diese Stelle so deutlich, dass die Glatze von Col. Kurtz und die Idee der Billardkugel eins zu werden scheinen: Lässig.
3. Die Studenten, das heißt, mehrheitlich waren es Studentinnen, haben sich vermutlich für das Fach entschieden, weil ihnen in der zehnten Klasse “About a Boy”, “Gilmore Girls” oder die Alben von Green Day besonders gut gefallen haben. Jetzt haben sie ein Buch gelesen, für die Uni und so, und als Brando zum “The Horror, the horror” ansetzte, ging ein verschwörerisches Kichern durch die Reihen wie ein Schulterklopfen. Man fühlt sich fast ein bisschen als Verräter, wenn man dann eingestehen muss, das Buch zuhause, in der Badewanne, weniger der Bildung, als der Unterhaltung wegen gelesen zu haben.
4. Schön war ein Zitat des Drehbuchautors, das der Dozent vorlas: “Apocalypse Now” sei kein Antikriegsfilm, weil es dergleichen nicht geben kann - genausowenig könne man eine Film gegen den Regen machen.
Insgesamt ein interessanter Abend, der ein paar neue Erkentnisse brachte; und die Gewissheit, dass man diesen Film lieber nicht rezensieren sollte. Ich kann den nächsten Filmabend, zu dem auch Nicht-Studierende eingeladen werden, kaum erwarten. ![]()


