Kino, neue Filme & Schauspieler

Archiv für "Horror"

Cloverfield gestartet

Autor: Fin 1 Kommentar

J. J. Abrams’ letzter Streich, der Monsterstreifen “Cloverfield”, hat am Wochenende mal eben 41 Millionen US-Dollar eingespielt.

Da dieser Artikel in einer halben Stunde auch noch lesenswert und aktuell sein soll, verzichte ich auf eine Umrechnung in Euro. Das Einspielergebnis des amerikanischen “Godzilla” ist insofern bemerkenswert, als es der erfolgreichste Januar-Start seit 1997 ist: Damals kamen die überarbeiteten “Star Wars”-Filme in die Säle.

Cloverfield” handelt vom Angriff eines urzeitlichen Monsters - das im Vorfeld des Öfteren mit Lovecraft-Kreaturen verglichen wurde - auf die Stadt New York. Wie in “The Blair Witch Project” wird die ganze Handlung in den verwackelten, pseudo-dokumentarischen Bildern einer Handkamera erzählt.

Der Hype um den Film wurde in den vergangenen Monaten durch eine komplexe, virale Marketingkampagne angespornt; die ersten Kritiken legen nahe, dass die Filmemacher den PR-Strategen ebenbürtig sind… Sobald er in Deutschland startet (31.1.), folgt hier eine ausführliche Besprechung.

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George Romero

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“Night of the living dead” (1968) ist zunächst und vor Allem brachialer, kompromissloser Horror. Eine politische Allegorie verbirgt sich in der düsteren Idee freilich auch; aber das war zunächst gar nicht entscheidend. Als der Film herauskam, 1968, war er in seiner Unmittelbarkeit, seinem Pessimismus und seiner Brutalität beispiellos. Moderne Rezensenten legen großen Wert darauf, ihn als düstere Kritik am Vietnam-Krieg und am amerikanischen Rassismus der 50er zu sehen, aber ich kann mir nicht unbedingt vorstellen, dass er damals sofort - und: in erster Linie - als solche gesehen wurde. Zunächst war es eben ein Horrorfilm, und zwar ein ganz neuer, frischer, unverbrauchter Typus. “Horror” war bis dato oft Grusel gewesen, meistens Romantik - von “Nosferatu” (1922) über “White Zombie” (1932) bis zu den Dracula-Filmen der Hammer-Studios aus den Fünfzigern. Mit Romeros Zombies kam ein nackter, realistischer Terror ins Kino, der die alten Schreckgespenster ins Reich der Märchen verbannte.

Das beeindruckte. Und inspirierte viele Filmemacher. Natürlich hat Romero nicht das Rad neu erfunden; die klaustrophobische Grundsituation gab es beispielsweise schon in “Gangster in Key Largo” (1948). Aber die Radikalität und der Realismus, mit denen er seine Geschichte ausstattet, waren ungesehen. Deshalb kann man, denke ich, mit Fug und Recht sagen, dass er ein ganzes Genre begründet hat. Ein Genre freilich, das bis heute von seinen Filmen lebt. Denn Romeros Zombiefilme sind über die Jahre jung geblieben; sie haben sich - bis auf, hin und wieder, der dritte Teil “Day of the Dead” - dem Zeitgeist kaum angepasst. Die Helden, die Situationen, Bedrohungen und Ängste sind archaisch; sie lassen sich in jeder Zeit und jeder Gesellschaft denken. Das ist der enorme Vorteil des Horror-Klassikers Romero, der immer auch politisch war; bloß, dass man’s nicht sah, wenn man’s nicht sehen wollte. Es ist zugleich sein Kreuz: Denn jenseits vom Horror hat er wenig gemacht. Dabei darf man, angesichts der Konflikte, denen er beispielsweise in “Zombie” viel Platz einräumt, von seinen Qualitäten als Chronist zwischenmenschlicher Tragödien ausgehen. Sein intensivster Film ist denn auch keiner der Zombie-Streifen, sondern der alptraumhafte, psychotische “Martin”, in dem die Frage nach Horror und Realität direkt gestellt wird: Martin denkt, er sei ein Vampir, oder vielleicht hat er, von seinem fanatischen Großvater beeinflusst, gelernt, es zu denken. Der Film zeigt, wie er Menschen mit Rasiermessern aufschlitzt und ihr Blut trinkt - ein klassischer Vampir, mit spitzen Eckzähnen und Umhang, ist das nicht. Ist er ein Vampir, oder nicht? Romero hat den Horror, der vorher der Zerstreuung diente, Spaß machen sollte, in den Alltag gebracht und gezeigt, dass er authentisch sein kann, unmittelbar, und bedenkenswert. Die wenigsten seiner Filme waren kommerziell erfolgreich; stilprägend waren sie allemal.

Filmographie:

Night of the living dead (1968)

There’s always Vanilla (1971)

Seasons of the Witch (1972)

Crazies (19739

Martin (1977)

Zombie (1978)

Knightriders (1981)

Creepshow (1982)

Day of the Dead (1984)

Monkey Shines (1988)

Two Evil Eyes (1990)

Stephen King’s Stark (1993)

Bruiser (2000)

Land of the Dead (2005)

Diary of the Dead (2007)

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The terrible old Man

Autor: Fin 0 Kommentare

Der Vorleser ist irgendwie merkwürdig. Aber der kleine Amateur-Film nach einer Lovecraft-Geschichte macht Spaß - und ist um einiges besser als die vielen “richtigen” Verfilmungen wie “Dagon” (2001). Die einzigen Lovecraft-Adaptionen, die bisher halbwegs gut waren, sind Carpenters “Mächte des Wahnsinns” und “Re-Animator“, beides ziemlich freie Umsetzungen der ursprünglichen Geschichten. Aber es gibt Hoffnung: “Pans Labyrinth”-Regisseur Guillermo del Torro hat angekündigt, “Berge des Wahnsinns” zu verfilmen… :-)

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Ledergesicht, ein amerikanischer Mythos

Autor: Fin
1 Dez
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Hui, “The Texas Chainsaw Massacre”: Das Internet ist mit Berichten über diesen Film übersättigt.

Auffällig ist, das die meisten dieser Artikel (mit Ausnahme einiger weniger) verzweifelt darum bemüht sind, das “Kettensägenmassaker” von seinem miserablen Ruf zu befreien. Tatsächlich enthält der Horrorstreifen, der jahrelang auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stand, nur sehr wenige konkrete Gewaltszenen - das meiste wird angedeutet. Dass der Ruf des Films sich selbst produziert hat, etwa so, wie bei der “Stillen Post” eine Botschaft immer weiter und weiter bis zur völligen Unkenntlichkeit verändert wird - darauf will ich hier nicht eingehen.

Tobe Hoopers zweite Regiearbeit erzählt langsam, eigentlich träge. Zeitweise wirkt der Film wie ein Roadmovie; nur die (hervorragende) Kamerarbeit von Daniel Pearl verrät, wohin es geht: Ständig trostlos wirkende, öde Totalen, bizarre Perspektiven, und - immer wieder: Die Sonne, die Hitze, das Flimmern. Die Bildsprache ist beeindruckend, beklemmend, und kreiert eine bizarre Atmosphäre, zu der auch die (verhaltene) Musik beiträgt. Wenn der Film sein Monster dann auf die Jugendlichen (und auf den Zuschauer) loslässt, überrascht gerade dessen Unbeholfenheit: Leatherface ist bloß ein Mensch, wenn auch ein geistesgestörter. Er wird nicht in Szene gesetzt wie der Teufel in “Rosemarie’s Baby” (1967) oder die Blutsauger in “Blut für Dracula” (1966) - der Horror ist absolut real, fast schon linkisch. Leatherface ist nicht gerade ein Feinmotoriker, und hin und wieder mag der Zuschauer sich dabei ertappen, so etwas wie Mitleid mit dem Monster zu haben. Zumal seine Familie das pervertierte Ideal einer amerikanischen Arbeiterfamilie darstellt; alle haben sie früher in den Schlachthöfen gearbeitet, ehe das Töten maschinisiert wurde. Im Grunde genommen machen sie das, was sie immer getan haben: Töten, mit dem Hammer, der Säge; sie hängen ihre Opfer auf den Fleischerhaken oder legen sie in die Tiefkühltruhe. Bloß sind es jetzt keine Rinder mehr, sondern Menschen. In dieser Hinsicht stellt der Film also, man mag es kaum glauben, eine regelrecht gesellschaftskritische Frage: Was geschieht mit denen, die von der Moderne überrannt werden?

Daneben hat der Film, mit ein paar anderen (”Beim Sterben ist jeder der Erste”, 1972; “Southern Comfort“, 1981) ein kleines Subgenre begründet, das sich in den letzten Jahren wieder wachsender Beliebtheit erfreut: Der “Redneck-Horror”. Meint: Menschen aus der Stadt etc. kommen ins Hinterland, legen sich mit den dort hausenden Kerls an und werden von ihnen totgehauen. Wes Cravens “The Hills have Eyes” (1977) oder “Wolf Creek” (2005) bedienen sich dieses simplen Schemas. Ein wirkungsvoller, oft missverstandener Horrorfilm, der das Genre nachhaltig geprägt hat. Inzwischen ein halbwegs rehabilitierter Klassiker. Sehenswert.

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Ein warmes Plätzchen

Autor: Fin 0 Kommentare

“Man is the warmest place to hide”

Als John Carpenter sein Remake des 50er-Horrorfilmchens “Das Ding aus einer anderen Welt” (USA, 1951) in die Kinos brachte, war er auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt: “Halloween - Die Nacht des Grauens” (1978) hatte ein Genre begründet; “The Fog” (1979) war ein handwerklich perfekter Gruselfilm; “Die Klapperschlange” (1980) wies dem angestaubten Actionkino neue Impulse. “The Thing” war Carpenters erster Film für ein großes Studio (Universal) - und floppte. Es gibt zwei denkbare Begründungen für den kommerziellen Misserfolg des Films. Zunächst ist “The Thing” ein relativ brutaler Streifen, die Splattereffekte sind für eine Mainstream-Produktion ungewöhnlich explizit. Und dann war da “E.T.” - Spielbergs Parabel vom freundlichen Außerirdischen kam zwei Wochen vor Carpenters boshaftem Horror in die Kinos. Vielleicht hatte man einfach keine Lust auf menschenfressende Aliens?

An der Qualität kann es jedenfalls nicht gelegen haben. “The Thing” ist einer der perfektesten Horrorfilme, die ich gesehen habe. Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird auf einer antarktischen Forschungsstation von einem außerirdischen Organismus angegriffen, der beliebig von einem Körper in den nächsten wandern kann. Die Geschichte bezieht ihre Spannung aus der Frage, wer “infiziert” ist und wer nicht. Das Original war ein Schaf im Wolfspelz: Die Science-Fiction-Story “Who goes there?” von John W. Campbell lieferte bloß einen Vorwand für eine antikommunistische Parabel und fügte sich politisch korrekt in die McCarthy-Ära. Carpenter steigert die Grundelemente der Geschichte - Klaustrophobie und Paranoia - bis an die Grenzen des Erträglichen. Die panische Atmosphäre sucht ihresgleichen. Von Anfang an ist klar, dass alle Wissenschaftler dem Tod geweiht sind. Hoffnung gewährt “The Thing”, im Gegensatz zu Kubricks “Shining” (1980), nicht. Die berüchtigten Splatterffekte von Rob Bottin ergänzen die Handlung gut; sie geraten nicht zum Selbstzweck, und Ennio Morricones reduzierte Synthesizerklänge tragen maßgeblich zur Spannung bei.

Carpenter hat mit “The Thing” bewiesen, dass er ein Meister der kleinen Plots ist: Die Handlung seiner besten Filme kann man auf einem Kaugummipapier zusammenfassen. Die Spannung, die “The Thing” aufbaut, sucht ihresgleichen. Ein weiterer Pluspunkt sind die - handgearbeiteten - Effekte. Im Gegensatz zu digitalen Effekten sieht man ihnen ihr Alter nicht an; sie wirken heute noch genauso intensiv wie 1982. Der Film wurde erst auf VHS (und später auf DVD) ein Erfolg und ist heute einer der beliebtesten Filme Carpenters. Inzwischen gibt’s sogar ein Lego-Remake.

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Maskenfresse reloaded

Autor: Fin 1 Kommentar

Rob Zombie hat den modernen Horrorfilm einfach nicht verstanden. Paradoxerweise waren seine pubertären Gewaltstreifen “House of 1.000 corpses” (2002) und “The Devil’s Rejects” (2005) aber so erfolgreich, dass man ihm das Remake von John CarpentersHalloween - Die Nacht des Grauens” (1978) antrug.

Angesichts dieses modernen Klassikers ließ der Regisseur, der eigentlich Rockmusiker ist, sich zu einer “Re-Imagination” hinreißen: Er verlegt die Handlung des Originals in die Gegenwart und verpasst dem wahnsinnigen Serienmörder Michael Myers eine Vorgeschichte. Letztlich hat Zombie also eine Mischung aus Prequel und Remake gemacht; keines von beidem funktioniert.

Umso fremder das Monster, desto gruseliger: Diese Faustregel beherzigen die modernen Horrorfilme, ob “Die Nacht der lebenden Toten” (1968), “Alien” (1979) oder “Das Schweigen der Lämmer” (1991). Wer dagegen Gründe liefert, macht den Horror verständlich, möglicherweise sogar nachvollziehbar. Und das raubt ihm jeden Effekt.

Rob Zombie lässt diese Regel außer acht, wie er sich überhaupt wenig um Spannungsaufbau schert. Das ist der große Fehler seines Films, mag er auch handwerklich einige gute Ansätze haben. Am Unheimlichsten ist noch das populärpsychologische Gebräu aus Tierquälerei, Missachtung und einer klischeetriefenden White-Trash-Familie, mit dem er Myers’ Kindheit anfüllt.

Leider ist der Film andererseits nicht so schlecht, dass mangelnde Qualität ihn schon wieder sehenswert macht, wie das bei Ed Woods “Plan 9 from Outer Space” der Fall ist. Insgesamt vertane Zeit.

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