» Gainsbourg
Charlotte Gainsbourg gruselt sich mit Lemmingen
Alain (Laurent Lucas) und Benedicte (Charlotte Gainsbourg) sind das junge, angepasste, erfolgreiche Paar schlechthin. Einer neuen Stelle für Alain wegen gerade in den Süden Frankreichs gezogen, gerät die Welt der beiden aus den Fugen, als sie Alains Chef (André Dussollier) und dessen Frau (Charlotte Rampling) zum Abendessen einladen…
“Lemming” variiert eines der Lieblingsthemen des französischen Films: Die Bourgeoisie; diesmal werden thrillerhafte Elemente à la Haneke mit Gruselfilmanleihen à la de Palma kombiniert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, reicht aber an die Vorbilder nicht unbedingt heran.
Nichtdestotrotz empfiehlt sich “Lemming” als intelligenter, spannender Thriller für einen verregneten Sonntagnachmittag.
Der Bond-Bösewicht als Familienvater
“Happy End mit Hindernissen”
Der deutsche Titel ist mal wieder nicht besonders: “Ils se marièrent et eurent beaucoup d’enfants” (Original) und “…and they lived happilly ever after” drücken die Stimmung von Yvan Attals Erstling viel besser aus. Denn es handelt sich beileibe nicht um eine romantische Komödie à la “Wie werde ich ihn los …” etc. Der Film ist ebenso traurig wie komisch; aber keines von beidem überwiegt. Attal erzählt langsam und leichtmütig von einem kleinen Freundeskreis in Paris. Dabei bleiben alle Figuren schön authentisch. Man würde sich, nach Betrachten des Films, nicht wundern, Gabrielle oder Francois draußen auf der Straße zu begegnen.
Wie er das gemacht hat, bleibt wohl sein Geheimnis - aber für seine erste Regiearbeit konnte Attal (der übrigens den Bösewicht im nächsten Bond-Streifen geben wird) eine ganze Reihe namhafter Schauspieler gewinnen. Allen voran natürlich seine wunderbare Frau Charlotte Gainsbourg und den unglaublich komischen Alain Chabat. In einer Nebenrolle tritt Johnny Depp auf und beweist, dass er solides Französisch spricht. Ferner Anouk Aimée, Claude Berry, Emanuelle Seigner und Attal selbst.
Zentrum der Geschichte sind Gabrielle (Gainsbourg) und Francois (Attal), die einen siebenjährigen Sohn haben. Obwohl Gabrielle weiß, dass Francois sie betrügt, verlässt sie ihn nicht; und obwohl Francois Gabrielle betrügt, weiß er, dass er sie nicht verlassen kann. Das klingt tragischer, als es im Film tatsächlich ist. Die Figuren wirken sehr realistisch; komplex, und verweigern sich allzu einfachen Lösungen, die gewöhnliche Drehbücher wohl anbieten würden.
Ein sehr sehenswerter, schöner kleiner Film, womöglich der erste Schritt einer größeren Regiekarriere. Aber erst kommt wohl Bond… Der Trailer ist übrigens hier zu sehen.
Charlotte Gainsbourg
Jede Generation hat ein paar Schauspieler, die man einfach bewundern muss; weil sie ihre Rollen mit traumwandlerischer Sicherheit auswählen und eigentlich alles spielen können, weil sie irgendwie schon immer da waren und weil sie sich selbst überhaupt nicht ernst nehmen. Charlotte Gainsbourg ist so eine Schauspielerin. Die Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin wurde 1971 geboren und lebt mit dem Schauspieler und Regisseur Yvan Attal zusammen. Mehr muss man über ihr Privatleben nicht wissen. Sie arbeitet seit 20 Jahren als Schauspielerin, singt gelegentlich und bloggt seit Neuestem. Im Alter von 16 Jahren erhielt sie einen César für “L’Éffrontée” (1986). Seitdem ist sie aus dem europäischen Film nicht mehr wegzudenken - unter anderem in “Der Zementgarten” (1993) nach Ian McEwan, unter der Regie von Franco Zefirelli als “Jane Eyre” (1995), in Inarritus “21 Gramm” (2003) oder in Michel Gondrys “Science of Sleep” (2006). Zuletzt wirkte sie in dem hochgelobten Bob-Dylan-Film “I’m not there” (2007) mit, der am 31. Januar 2008 in den deutschen Kinos anläuft. Charlotte Gainsbourg ist eine der (wenigen) Schauspielerinnen, deren Filme man sich bedenkenlos anschauen kann - sie macht einfach nichts Schlechtes.
