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8. August 2010

Die Metalszene - obwohl eine der wohl stärksten Musikszenen in der Popkultur - ist immer noch ein rotes Tuch für Medien und Konservative, die gerne verantwortlich für das Übel jugendlicher Gewaltakte gemacht wird. Die Dokumentation will Aufschluss über die Hintergründe der kontroversen Black Metal Szene in Norwegen geben.

In den frühen 90er Jahren entstanden aus dem normalen Metalgenre eine Reihe Subgenres, die schnell ein Eigenleben entwickelten. In Norwegen kam es soweit, dass Black Metal Gruppen mehr und mehr mit Gewalttaten, Brandstiftung an Kirchen und dementsprechend Satanismus in Verbindung gebracht und somit von den Medien bis heute als jugendgefährdend stigmatisiert wurden. Aaron Aites und Audrey Ewell wollen mit ihrer Dokumentation „Until the light takes us“ einen Blick auf die Szene, die Geschehnisse der damaligen Zeit und den persönlich damit verbundenen Schicksalen geben. Weiterlesen »


12. Juni 2010

Eigentlich herrscht ja zur Zeit ein absoluter Beatles-Hype mit mehreren Filmen im Anlauf, beziehungsweise im Gespräch. Schön, dass man sich etwas Ablenkung mit dieser großartigen Dokumentation gönnen kann.

Erzählt von Johnny Depp zeigt die Doku bisher unveröffentlichtes Material der Band von den Anfängen 1965, bis zum mysteriösen Tod Morrissons 1974. Vor allem das Zusammenleben und -Wirken der Band wird in den Aufnahmen deutlich gemacht, deren kreatives Schaffen nicht allein durch Jim Morrisson bestimmt wurde, sondern durch die Zusammenarbeit aller Bandmitglieder.
Selbst Aufnahmen aus der Filmschule in der sich Morrisson und Keyboarder Ray Manzarek (der übrigens den Hit “Light my Fire” schrieb) befinden sich im Filmmaterial und geben so einen intimen Einblick in eine der wichtigsten Bands der Rock’n Roll Geschichte wieder. Weiterlesen »


6. November 2009

Als liberal denkender Mensch weiß man wirklich nicht, was man mit Michael Moore machen soll. Obwohl seine Botschaften sehr wohl Sinn ergeben und man seiner Meinung ist, sind die Mittel, mit denen er sie rüber bringt, so fragwürdig und unglaubwürdig, wie die der Opposition.

Mit “Roger & Me” startete Michael Moore seinen Feldzug gegen große Firmen, die dunkle Seite des Finanzmarktes und die Schicksale der Arbeiterklasse. Mit seiner neusten Dokumentation will er dort weiter machen, wo er damals aufgehört hat.
Im Rahmen der Finanzkrise seit 2007 arbeitet sich Moore durch Familien, die aus ihren Häusern geschmissen werden, weil sie ihre Kredite nicht zahlen konnten, die Rolle der Wall-Street und “private” Gefängnisse.
Dabei ist er wie gewohnt amüsant, informativ und sehr eklektisch, mit etlichen Filmclips, Interviews und einem besorgt aussehenden Michael Moore alle paar Minuten.
Natürlich ist es gut, dass Leute wie Michael Moore existieren, da ihre simplifizierte Erklärung von offensichtlichen, aber oftmals komplizierten Problemen gerade für Leute, die nicht den Einblick in Finanzen, Politik und Wirtschaft haben, geeignet ist. Aber wenn man seine Dokumentationen kennt, dann wird es auch schnell ermüdend, wie wenig Fakten Moore benutzt und stattdessen weinende Muttis und Kinder, sarkastische und äußerst subjektive Geschichten und lustige Videoclips verwendet, um die Leute von seiner Meinung zu überzeugen. Weiterlesen »


18. November 2008

Werner Herzog pendelt immer wieder zwischen Spielfilm, Autorenkino und Dokumentation. Sein neuestes Werk wurde jetzt in die Shortlist für die Oscar-Nominierungen aufgenommen.

Werner Herzog Oscar © Flickr/erinc salorAus 94 Dokumentarfilmen wurden am Montag, den 17. November 15 Filme ausgewählt, aus denen die fünf Nominierungen in der Kategorie “Documentary Feature” bei den 81. Academy Awards (”Oscar”) 2009 hervorgehen werden. Die Oscar-Verleihung wird am 22. Februar 2009 stattfinden, genau einen Monat vorher werden die fünf Kandidaten bekannt gegeben.

Sich gegen so viele Mitbewerber durchzusetzen ist keine leichte Aufgabe, doch zeichnen sich Herzogs Dokumentationen durch ihre eigensinnige Erzählstruktur und gerade auch durch den subjektiven Blick des Regisseurs aus. Diese spezifischen Merkmale könnten ihm helfen, sich von den anderen potentiell nomierten Filmen abzusetzen. Sie könnten aber auch die Hoffnung auf den begehrten Preis durch ihre Eigenwilligkeit zerstören.

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29. Juli 2008

Heute gilt zwei Filmen ein besonderes Augenmerk, die aus der Riege der Neustarts im Kino herausstechen: Animals in Love und 39,90.

Animals in Love

Animals in Love oder auch das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Tiere in der Paarungszeit ist ein faszinierender Dokumentarfilm, in dem hemmungslos gebalzt, geschnäbelt, geträllert und geturtelt wird. Dabei sind Tiere wahre Paarungsstrategen, die in ihrer eigenwilligen Art und Weise balzen, erobern und lieben. Laurent Charbonnier bringt genau diese eigenwilligen Liebesspiele zahlreicher Säugetiere, Amphibien, Insekten und Vögel in einer sehr unterhaltenden Dokumentation auf Zelluloid. Dabei sind die Tiere in ihrer Suche nach einem Sexualpartner nicht nur sehr einfallsreich, sondern manchmal auch recht ungestüm. Animals in Love ist eine komische und ironische Dokumentation des tierischen Liebeslebens. Und der Mensch kann sich hierbei noch so einiges abschauen.

39,90

Die bitterböse Satire des Regisseurs Jan Kounen gibt tiefe Einblicke in eine Welt, die verlogener und irrealer nicht sein kann. Das ist die Werbewelt, in der alles käuflich ist. Und Octave Parango gehört dieser Welt an. Er arbeitet für eine der weltgrößten Werbeagenturen und ist einer der kreativsten und genialsten Texter der Werbebranche. Octave Parango scheint alles zu haben: Talent, Geld, Frauen. Arrogant und egoistisch, führt er ein exzessives Leben aus Kokain, Alkohol und Frauen. Doch als er seiner großen Liebe Sophie begegnet, und wieder verliert, beginnt er an seinem oberflächlichen Leben und der scheinheiligen Werbewelt zu zweifeln. Und daher will er sich aus der zynischen Werbewelt auf seine eigene Art und Weise befreien. Die schwarze Komödie, die auf dem gleichnamigen Beststeller von Frédéric Beigbeder basiert, ist ebenso wenig subtil wie die Werbung selbst. Die Heuchelei und der Zynismus der Werbewelt sind zwar überspitzt dargestellt, sind jedoch die Realität.


4. Juni 2008

„Ein verlockendes Spiel“ - “Leatherheads“

Darauf hat die Frauenwelt sicher gewartet – wieder ein neuer Streifen mit George Clooney, der auch Regie geführt hat, zu bewundern. In der romantischen Komödie zu Zeiten der Goldenen Zwanziger Jahre und ist viel mehr als nur ein antiker Film. Es geht um einen begnadeten Footballspieler im Jahre 1925, der alles hat, was man sich nur wünschen kann. In dem Film spielt ebenso Renée Zellweger, eine Reporterin verkörpert und über die sportlichen Highlights berichtet.
Die beiden Hauptdarsteller liefern sich einen amüsant verbalen Schlagabtausch und verleihen dem Film eine spezielle Note, denn sonst würde es wahrscheinlich eher wie ein antiker Sportfilm erscheinen. Der smarte Schauspieler George Clooney sorgt sicher für zahlreiche Kinobesucher.


„Cassandras Traum“ - “Cassandras Dream“

In dem neuen Woody Allen Film agieren Colin Farrell und Ewan McGregor als Brüder und sind die netten Jungs von nebenan. Der Regisseur hat den Schauplatz des Geschehens erneut nach London gelegt, was ihm mit bisherigen dort gedrehten Filmen Glück gebracht hatte.
Es ist die Geschichte zweier Männer die sich ein besseres Leben erhoffen, nur der Preis des Aufstiegs kann ihnen zum Verhängnis werden. „Cassandras Traum“ bezieht sich auf die antike griechische Seherin und ihre Visionen, die auch sie selbst ins Verderben stürzten. Die Brüder haben ihrem Segelboot eben genau diesen antiken Namen gegeben und ahnen nicht, was das für Folgen haben könnte.
Der Krimi von Woody Allen verspricht viel Tiefgang und brilliert durch seine Schauspieler.


“Lenin kam nur bis Lüdenscheid”

Mal kein großer Hollywood Streifen, sondern deutsche Handwerkskunst. Die Kindheitserinnerungen von Richard David Precht werden zum Mittelpunkt des Film und beschreiben, wie sie eine Familie aus Solingen an die damalige Zeit erinnert. Wie sich die Menschen aus Lüdenscheid das Leben im Osten vorgestellt haben und liefert ein etwas anderen Blick auf die ehemalige DDR – aus Sicht von „außerhalb“. Der Dokumentarfilm von Richard David Precht zeigt mit teils ironischen Ansichten das Leben in Lüdenscheid und lässt die Geschichte in dokumentarischer Weise Revue passieren. Eine sehr gelungene Arbeit, die bei vielen sicher auch ein paar Erinnerungen weckt, ob nun aus Sicht von „Ost oder West“.


29. März 2008

Eine wachsende Zahl von US-Amerikanern gehört einer evangelikalischen Gemeinschaft an; auch Präsident George Bush. Evangelikale nehmen die Bibel wörtlich, leugnen die Evolution, hetzen gegen Schwule und Abtreibung. Ich will ihnen nicht unterstellen, dass sie bewußt boshaft wären, aber naiv sind sie allemal. Problematisch wird diese kuriose Erscheinung aufgrund ihres wachsenden politischen Potenzials.

Wie alle anderen - die Pfadfinder etwa, die Katholiken, die Protestanten, die Fußballer etc. - veranstalten auch die Evangelikalen idyllische Sommerlager für ihre Kinder. Der Dokumentarfilm “Jesus Camp” von Heidi Ewing und Rachel Grady begleitet die Predigerin Becky Fisher, die seit 2001 in North Dakota das “Kids on Fire”-Camp veranstaltet. Naja: Veranstaltet hat. Denn seit “Jesus Camp” in den USA Furore gemacht hat, hat das Sommerlager nicht mehr stattgefunden.

Warum? Sehen Sie sich den Film an. Er bietet einen vorzügliche Anleitung zur Indoktrination von Kindern. Die rhetorisch geschickten Prediger schaffen es, die Kinder (die zumeist im Hausunterricht lernen) voll und ganz auf ihre Linie einzustimmen. An einer Stelle des rund neunzigminütigen Films rechtfertigt Fisher ihre Strategie: Die “Feinde” des Christentums machen es ja genauso - bloß, dass man in deren Ferienlagern den Kindern das Schießen mit Schnellfeuergewehren und das Werfen von Handgranaten beibringt. Ein paar Minuten später erklären zwei bestenfalls zehnjährige Kinder, wie toll sie es finden, dass christliche Soldaten ganz ohne Angst den Märtyrertod sterben können.

Wie klein die Welt doch ist.

Freilich, einen nüchternen Dokumentarfilm haben Ewing und Grady nicht gedreht. Dennoch ist er unbedingt sehenswert - gerade in einem Jahrzehnt, da immer wieder davor gewarnt wird, das einundzwanzigste Jahrhundert könnte noch einmal ein Jahrhundert der religiösen Kriege werden. Ekkehard Knörrer nennt den Film “gesellschaftlich relevant” - und hat völlig recht. Denn auch Europa ist keine Bastion des aufgeklärten Humanismus.


26. Februar 2008

Knut geht schwimmen ©Andrea&Stefan

Die Fans des Berliner Eisbären Knut können es kaum noch erwarten. Ab dem 16. März erobert der weiße Bär, der schon lange nicht mehr so klein und knuddelig ist, die Leinwände in den deutschen Kinos.

Die einzigartige Geschichte vom Eisbärenbaby Knut begann am 5. Dezember 2006. Die Mutter des kleinen Fellknäuels, Tosca, brachte zwei männliche Jungtiere zur Welt, verweigerte aber die Annahme der beiden Bären. Eines der beiden Tiere verstarb nach nur vier Tagen und die Tierpfleger des Zoologischen Gartens in Berlin standen vor der Entscheidung, Knut und Thomas Dörflein ©Andrea&Stefanden süßen und tapsigen Eisbären verhungern zu lassen oder ihn mit der Flasche groß zu ziehen. Das Schicksal des kleinen Knut wurde zunächst von den Berlinern und später weltweit mit Spannung verfolgt.

Um das Überleben des Eisbären zu sichern, bauten die Pfleger für Knut einen Brutkasten. Dort verbrachte er die ersten 44 Tage seines Lebens und wurde dabei dauerhaft von seinem „Ziehvater“ Thomas Dörflein überwacht. Dieser verschrieb sich voll und ganz dem Leben des kleinen Knuts und bezog eigens für die Aufzucht eine eigene Wohnung im Zoologischen Garten. Am 23. März 2007 wurde Knut dann der Öffentlichkeit vorgestellt und der kleine Schelm eroberte die Herzen der Besucher im Sturm. Schon bei seiner Präsentation verfolgten Tausende von Besucher die ersten Schritte des niedlichen Eisbären in seinem Gehege. Die Auftritte und Spieleinheiten von Knut und seinem „Papa“ wurden zu einem täglichen Highlight im Zoo. Fast täglich berichteten Zeitungen, Radiostationen und Fernsehen über den Alltag von Knut. Weltweite Aufmerksamkeit genoss das neue Berliner Idol - jeder wollte wissen, wie es weiter geht im Leben des kleinen Eisbären.Knut tollt herum ©dags 1974 Jeder Schritt von Knut wurde dabei von einer Kamera festgehalten – das erste Herumtollen, das erste Schwimmen sowie das Entdecken der eigenen Welt. Dieses Filmmaterial bildet nun die Basis für den neuen Kinofilm.

Der Rummel um Knut kam aber nicht nur ihm zu Gute, auch zahlreiche andere Tiere profitierten von der Beliebtheit des Eisbären. Die Zuschauer entdeckten den Berliner Zoo völlig neu, der im vergangenen Jahr Rekordbesucherzahlen vermelden konnte und das gewonnene Geld in die Pflege der Tiere investierte.

Neben der Geschichte des kleinen Knuts wird im Film auch auf das Schicksal anderer Bärenkinder aufmerksam gemacht. Zur gleichen Zeit wie unser Eisbär wachsen in der wundervollen Naturlandschafts Weißrusslands die beiden Braunbärenkinder Masha und Pasha auch ohne Mutter auf. Deren Abenteuer, ihre Geschwisterliebe sowie die Gefahren, in welche sich beide Bären begeben, werden in „Knut und seine Freunde“ ebenfalls erzählt. Dass es den Eisbären in freier Wildbahn natürlich anders ergeht als unserem Knut, war den meisten Zuschauer sicherlich klar. Aber wie hart das Leben in der eisigen Umgebung sein kann, wird anhand einer Eisbärenfamilie in der Antarktis dokumentiert. Die stattliche Knut schläft ©trespassers williamEisbärin Maidu muss ihre gesamte Kraft aufwenden, um ihren kleinen Zöglinge Lasse und Linn das Überleben zu sichern. Die raue Welt der Antarktis erlaubt es den Eisbären nicht, so verspielt herum zu tollen, wie es Knut im Berliner Zoo so gerne tut.

So wird den Kinobesuchern in „Knut und seine Freunde“ auf anschauliche Art und Weise noch einmal die ersten Monate von Eisbär Knut und seinen Freunden in Freiheit näher gebracht. Nicht nur für Fans des kleinen Eisbären Knut ist der Film lohnenswert. Die Dokumentation über die Braunbär- und Eisbärenkinder ist eine sinnvolle Ergänzung und trägt wesentlich dazu bei, dass sich Kinder mit der Natur bewusster auseinandersetzen. Am Ende ist der Film aber vor allem ein toller Familienspaß!


8. Februar 2008

Nicolas Vanier ist Abenteurer, Schriftsteller, Umweltaktivist. Sein Film “Der letzte Trapper” ist ein unglückseliger Zwitter.

Berühmt wurde der 1962 im Senegal geborene Franzose für seine Reisen durch arktisches Gebiet und Sibirien. Seine Bücher, die in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre erscheinen, reißen mit ebenso schöner Regelmäßigkeit Millionen Leser mit und sensibilisieren sie für die Probleme der nordischen Weltregionen. Mehrere von Vaniers Expeditionen wurden mit der Kamera dokumentiert; dabei sind einige sehenswerte Dokumentarfilme entstanden.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, ehe Vanier selbst das Filmemachen als adäquates Ausdrucksmittel seiner Passionen entdecken würde - immerhin war er von gewöhnlicher Reiseliteratur schon zum Roman und zum Dokumentarfilm (mit einem Abstecher ins Kinderbuch) gelangt.

Der letzte Trapper” ist das Ergebnis dieser ersten eigenständigen Filmarbeit Vaniers - und stellt sich als merkwüriger Hybrid dar: Vanier hat sich Norman Winther, einen Trapper aus dem Yukon-Gebiet unterhalb der Rocky Mountains, zum Thema gewählt. Aber statt einen Dokumentarfilm über Winthers Leben zu machen, lässt Vanier den Trapper, seine Lebensgefährtin und alle möglichen anderen - realen - Personen mehr oder weniger fiktive Szenen nachspielen. Wohlgemerkt: Er dreht nicht (wie, beispielsweise, der grandiose “City of God”) einen Spielfilm mit Laiendarstellern. Denn keine der auftretenden Personen spielt etwas anderes als sich selbst. Auch gelingt ihm kein eigenständiger Spielfilm, dessen Epizentrum die Natur selbst wäre - wie beispielsweise Sean Penns “Into the Wild“, der in den letzten Tagen in den deutschen Feuilletons frenetisch gefeiert wurde.

Diese Konstellation erzeugt beim Zuschauen ein leichtes Unwohlsein. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, welche Szenen sich wohl tatsächlich so abgespielt haben könnten, und welche Szenen vollständig dem Drehbuch Vaniers entstammen. Zum Großteil zeigt der Film alltägliche, unspektakuläre Dinge - den Bau einer Holzhütte, das Fallenlegen, die Jagd. Man könnte die pseudo-dokumentarische Herangehensweise hier verschmerzen; ein Dokumentarfilm wird ja auch dramaturgisch zurechtgeschnitten, und auf viel mehr würde es ja nicht herauslaufen. Vorausgesetzt, es bliebe bei den alltäglichen Szenen. Aber zwei Episoden haben so offensichtlich fiktiven Charakter, dass sie die Toleranz des Zuschauers arg in die Bredouille bringen: Einmal wird der Lieblingshund des Trappers überfahren, und die Szene ist so phantastisch zusammengeschnitten, dass es einfach überhaupt nicht mehr “echt” wirkt (und man sich unwillkürlich fragt: Starb denn ein Hund, oder nicht? Ist das wirklich der Hund des Trappers Norman Winther, oder ist es ein dressierter Hund? Ist diese Episode wahr, stellt sie eine wahre Episode nach, oder ist sie nur um der Dramturgie Willen eingefügt?) Ein andermal bricht der Trapper mit seinem Hundeschlitten auf einem zugefrorenen See ein und wird von den Hunden gerettet, wobei die Kamera ihm auch ins Eiswasser folgt.

Natürlich wusste Vanier, was er tat. Und natürlich wusste er um die Vor- und Nachteile des Dokumentar- wie des Spielfilms. Vermutlich würde er sagen, dass sein geskripteter Film mit den aufwändigen Kamerafahrten und der relativ einfachen Erzählweise die Zuschauer unmittelbarer anspricht, als ein Dokumentarfilm - gleichen Inhalts - das täte. Ich weiß es nicht.

Der letzte Trapper” ist deshalb trotzdem sehenswert; wer weiß, vielleicht hat er ja als Genrehybrid sogar filmgeschichtlichen Wert. Verzeihen Sie mir also, wenn ich ihn zwei Rubriken zuordne: Dokumentation, und, naja, Abenteuer eben.