Als ich zum ersten Mal einen Film mit dem amerikanischen Schauspieler Roy Scheider sah, hatte dieser den Zenit seiner Karriere längst überschritten: Irgendwann Mitte der Neunziger muss ich im Fernsehen “Das Fliegende Auge” gesehen haben. Der Film wird heute noch gerne gezeigt, er war zwischendurch der typische Pro7-Freitagabend-Film, inzwischen ist er vielleicht schon ins Sonntagnachmittagsprogramm verbannt. Was nicht heißen soll, dass er schlecht ist - höchstens ein wenig angestaubt. Im Gegensatz zu anderen Achtzigerfilmen wie “Tron” oder “RoboCop” kommt er allerdings tricktechnisch recht klassisch, um nicht zu sagen: bescheiden, daher. Aber wer sich nicht übernimmt, kann nicht viel falsch machen. Roy Scheider war damals der Held. Sein kantiges, glattes Gesicht und die kleinen, konzentrierten Augen verhießen Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Männlichkeit, überhaupt “-keit”. Und aus irgendeinem Grund blieben mir der Film, und - mehr noch - der Schauspieler im Gedächtnis. Dabei war Roy Scheider beileibe kein besonders guter Darsteller; er war ordentlich, im besten Sinn. Eine Projektionsfläche, ein Handwerker, kaum ein Künstler. Trotzdem. Später sah ich “Der Marathon Mann”, in welchem Scheiders Part deutlich düsterer ist, und noch später zwangsläufig auch mal “Der Weiße Hai”, dem wir es langfristig zu verdanken haben, dass es heute Hobbitfiguren in Kinderüberraschungseiern gibt. Beide Filme rissen mich nicht mit, obwohl die einhellige Meinung von Kritik (und Publikum) zu sein scheint, dass sie weit besser sind als, ja, “Das Fliegende Auge”. Roy Scheider war für mich ohne den Helikopter kaum mehr vorstellbar. Einzig den Part des Bösewichts in “Romeo is Bleeding” nahm ich ihm ab, aber das ist überhaupt ein ziemlich beeindruckender Film. Scheiders letzte Arbeiten habe ich alle nicht gesehen. Besonders gut scheinen sie nicht gewesen zu sein; was nicht verwundert: Roy Scheider war ein Schauspieler der Siebziger und Achtziger; sein Gesicht gehört in diese Zeit wie “Dallas” und Tina Turner. Gestern wurde bekannt, dass der Schauspieler 75-jährig an den Folgen einer Blutkrebserkrankung verstorben ist.
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