Als Drehbuchschreiber von Komödien hat Kevin Smith sich einen großen Namen gemacht, mit Red State – seinem ersten Versuch, einen ernsten Horrorfilm zu drehen – hat er erstmal eher Furore gemacht.

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Drei Jungs wollen nach der Schule zu einer “leichten Dame” fahren, die ihnen Online versprochen hat, sexuelle Gelüste zu stillen. Kaum in ihrem Trailer angelangt, werden sie auf Drogen gesetzt und wachen in der Gemeindekirche einiger religiöser Fanatiker auf. Als wäre das nicht schon schlimm genug, verlaufen die Interventionsversuche der Polizei katastrophal.

Nach langer Zeit kehrt Kevin Smith zurück, dieses Mal jedoch nicht mit einer lockeren Komödie, sondern einem Mix aus Horror und…ja, was überhaupt? Der große Makel von Red State ist die Konzeptlosigkeit, da der Film mehrere Male die Richtung wechselt und so weder Fisch noch Fleisch ist. Horror oder Sozialdrama, Anklage gegen religiöse Wahnsinnige (Vorbild war Fred Phelps und seine Gemeinde) oder gegen die Polizeigewalt? Alles zusammen?
Wundervoll gedreht und geschnitten ist es Smiths eigentliches Talent für lange Monologe, das dieses Mal etliche Längen erzeugt, so wird eine Hasspredigt so lange hingezogen, dass sie nicht mehr provokativ, sondern nur noch übertrieben wirkt, fast so, als würde Smith es dem Zuschauer nicht zutrauen, den Punkt bereits in den ersten 5 Minuten verstanden zu haben. Stattdessen wirken viele Dinge gerade durch die Monologe wie polemische Tiraden, der Mangel an Charakteren, mit denen man sich identifizieren kann sorgt zudem dafür, dass man als Zuschauer auch immer das bleibt: ein Beobachter der Ereignisse. Die Botschaft am Ende des Films – ausführlich in einer Metapher ausformuliert – lässt einen dabei leider etwas kalt.
Dass Smith doch eigentlich zu einer cleveren Auseinandersetzung mit Religion fähig ist, zeigte Dogma, wo beide Seiten genügend Spielraum bekamen, Red State ist leider so einseitig wie ermüdend, weshalb wohl selbst Befürworter am Ende ein wenig gelangweilt sein werden.

Bei der Cannes-Prämiere von Red State kam es zum Eklat, eigentlich hatte Smith versprochen, den Film an den Höchstbietenden Vertreiber zu verkaufen (da er sich mit der Weinstein Company im Streit trennte, hat er derzeit kein Studio, das seine Filme vertreibt), nachdem der Film abgelaufen war, stritt er sich jedoch lautstark vor dem Publikum mit Weinstein und kaufte sein Werk dann für 20$ selbst.

Kevin Smith am Ende? Viele Kritiker gehen davon aus, laut Smith selbst soll es nach Red State nur noch einen Film geben, dann will er sich zurückziehen, von den Gerüchten über seinen Mariuahana-Verbrauch wollen wir gar nicht erst anfangen.

Über Smiths eigenem Label SModcast Pictures wird der Film in den Kinos vertrieben, man kann daher davon ausgehen, dass das europäische Publikum sich die DVD über Lionsgate besorgen kann, nicht jedoch in den Genuß einer Kinovorstellung kommt. Allzu schlimm ist das jedoch nicht, denn ein Kinogang wäre bei Red State eventuell etwas enttäuschend.

Regie und Drehbuch und Musik: Kevin Smith
Darsteller: Michael Parks, Kyle Gallner, John Goodman, Melissa Leo, Kevin Pollack