Der Abräumer der diesjährigen Oscars kommt endlich auch in die deutschen Kinos und verspricht harte Kost mit herausragenden und überraschenden Schauspieltalenten.

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Die gerade mal 16-jährige Precious (Gabourey Sidibe) lebt 1987 in einem Albtraum. Mehrmals wurde sie von ihrem Vater Carl missbraucht, das daraus resultierende Kind leidet am Down-Syndrom. Ihre Mutter Mary (Mo’nique) misshandelt sie auf alle erdenklichen Weisen und das einzige, was sie irgendwie am Leben hält, ist ihre Vorstellungskraft und die neue Lehrerin Miss Blu Rain (Paula Patton), dank der sie lesen lernt und langsam nach einem Sinn sucht. 
Der bittere Streifen hat bei den Oscarverleihungen die begehrtesten Preise für das beste Drehbuch, den besten Film und die beste Haupt-, sowie Nebendarstellerin einheimsen können, kein Wunder, die Verfilmung des Romans “Push” der amerikanischen Schriftstellerin Sapphire ist so gnadenlos ehrlich, dass es neben einem fast schon schmerzhaften Filmerlebnis vor allem ein Eindringliches ist, das den Zuschauer heraus fordert und an seine Grenzen bringt.
Die Qualität des Filmes lässt sich auch dadurch bestimmen, dass sogar Mariah Carey als Sozialarbeiterin einen durchweg überzeugenden Job macht, obwohl die Neuentdeckung Gabourey bei Weitem jeden an die Wand spielt und immer wieder das Thema des Missbrauchs, der Armut und der Diskriminierung in ihrem Gesicht trägt wie ein Mahnmal.
Für leichte Gemüter ist “Precious” sicher nichts, aber Kino ist nicht nur da, um zu unterhalten, sondern – in den besten Fällen – ein Medium, um die Dinge zu zeigen und den Menschen eine Stimme zu geben, die man sonst gerne verdrängt, weil es derartig schmerzt.
Ab dem 25.3.2010 im Kino.

Regie: Lee Daniels
Drehbuch: Geoffrey S. Fletcher, Sapphire (Romanvorlage)
Darsteller: Gabourey Sidibe, Mo’nique, Paula Patton, Mariah Carey, Lenny Kravitz
Musik: Maria Grigorov