Der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Almodóvar gilt heute als der wichtigste Vertreter des zeitgenössischen spanischen Kinos. Nach einer Kindheit in der Provinz und einer religiös geprägten Erziehung, die ihn zum Atheisten machte, zog er in jungen Jahren nach Madrid.

Nach mehreren Gelegenheitsjobs und zwölf Jahren als Büroangestellter bei einer Telefongesellschaft begann er, seine seit seiner Jugend bestehende Begeisterung fürs Kino in eigene Streifen umzusetzen. 2017 wurde er zum Jurypräsidenten der 70. Internationalen Filmfestspiele in Cannes gewählt.

Radikales Frühwerk

Sein erster FilmPepi, Luci, Bom und der Rest der Bande“ von 1980 spielt in der Madrider Jugendszene nach dem Fall Francos und erzählt in Punk-Ästhetik vom Leben und Treiben einer Clique junger Frauen in dieser Zeit. Exzessive Partys sind in diesem Filmdebüt ebenso Thema wie Sexualität und der Optimismus der Jugend. Der Film fand bei vielen Kritikern positiven Anklang, jedoch wurde ihm der Titel eines zeitlosen, großen Debütklassikers doch nicht zuteil.

Stierkampf und morbide Liebe

Der nächste bemerkenswerte Film des Regisseurs ist der im Jahr 1986 entstandene Streifen „Matador“. In ihm spielt der junge Antonio Banderas einen schüchternen jungen Mann namens Angel, der Matador werden möchte. Als er die Freundin seines morbiden Lehrmeisters Diego vergewaltigen will, um seine Männlichkeit zu beweisen, scheitert der Versuch. Da das Opfer ihn nicht anzeigt, gesteht er einige Morde, die er gar nicht begangen hat. Parallel erzählt die Story die tödliche Amour fou zwischen der jungen Anwältin Maria und dem alternden Matador Diego. Eine Parabel auf das Dunkle, die Macht und das Morbide in der Liebe, die in Zeiten öffentlicher Kritik am Stierkampf, der ständigen Veröffentlichung von Privatem in Netz oder kommerziellen Angeboten wie El Torero online etwas Staub angesetzt haben mag. Dennoch ist „Matador“ aufgrund der typischen erzählerischen Handschrift Almodóvars ein gutes Beispiel für das Frühwerk des Regisseurs.

Durchbruch Anfang der Neunziger

Dem internationalen Publikum wurde Almodóvar seit Ende der Achtzigerjahre ein fester Begriff. Dies lag an drei Filmen, die zwischen 1988 und 1991 anliefen: Der erste war die Tragikomödie „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“, eine temporeiche, überdrehte Story voller frivoler Situationskomik. Ihr folgte 1991 „Fessle mich!“, wieder eine Mischung aus Melodram und Komödie, für die Almodóvar zunehmend ein sicheres Händchen bewies. Allerdings provozierte der Film europaweit auch kritische Stimmen in Bezug auf das gezeigte Frauenbild. Mit diesem Film gelang Antonio Banderas als Hauptdarsteller endgültig der Sprung über den Teich nach Hollywood.

Das dritte Filmmelodram, das den Ruf Almodóvars untermauern sollte, war „High Heels“ von 1991. Die mit vielen abgründigen Charakteren versehene Story ist ein Mutter-Tochter-Konflikt, der 1992 als bester fremdsprachiger Film für den Golden Globe nominiert wurde. In Frankreich gewann „High Heels“ den Filmpreis als „Bester ausländischer Film“.

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