Paul Rudd ist mittlerweile Kult, der Improv-König glänzt in dieser Komödie als verstrahlter Hippie unter drei angestrengten Schwestern.

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Ned (Paul Rudd) ist zu gut für die Welt, bei einer nicht gerade versteckten Undercover Aktion gesteht er einem Polizisten, dass er Hanf anbaut und landet im Gefängnis. Als er zurück in das Bauernhaus kommt, das er mit seiner Freundin teilt, schmeißt sie ihn raus und behält auch noch seinen Hund.

Ned kommt vorerst bei seiner Familie unter und versucht, seinen Schwestern (Natalie/Zooey Deschanel, Miranda/Elizabeth Banks, Liz/Emily Mortimer) zu helfen, die gestresst und angespannt sind und Ned eher als Ballast sehen.

Es klingt wie der typische Klischee Plot des „nerviger Verwandter fällt in die Familienidylle ein und bringt allen den Sinn der Familie bei“-Films, hat jedoch neben einer doch recht unüblichen Storyline ein paar interessante Charaktere und vor allem Paul Rudd, der als naiver Ned einfach nur liebenswert ist.

Peretz Geschwister schrieben und drehten “Our Idiot Brother”

Geschrieben wurde „Our Idiot Brother“ von Evgenia Peretz, gedreht hat das ganze ihr Bruder Jesse, der früher mal in der Band The Lemonheads spielte, deren einziger großer Hit das Paul&Simon Cover „Mrs Robinson“ war. Peretz drehte später jedoch auch Musikvideos für Jack Black, die Foo Fighters und die Breeders, das sieht man dem Film jedoch nicht an, denn der strahlt sonnig vor sich hin und ergießt sich in lebensbejahenden Grundfarben.

Was positiv auffällt, ist die starke Charakterzeichnung. Zwar finden sich Ansätze der typischen Stereotype wieder (die Businessfrau, die gestresste und unerfüllte Hausfrau und die chaotische Schwester, die nicht mit dem Leben klar kommt), allerdings werden sie auch durch Ned und ihre Umgebung runder gezeichnet als in manch anderen Filmen und erleben die große, moralische Kehrtwendung so schmerzvoll langsam, wie es auch im wahren Leben passiert.

Auch die Nebenrollen sind grandios besetzt, ob nun T.J. Miller als leicht dümmlicher Freund von Neds Ex oder aber die feiste, wunderbare Rashida Jones als Partnerin von Natalie, keine Rolle dient hier nur als Mittel, um den Plot voran zu treiben, sondern jede bekommt eine eigene Identität.

Paul Rudd ist umwerfend charmant

Der Hauptgrund, warum „Our Idiot Brother“ jedoch nicht einknickt und in Adam Sandler Tiefen abdriftet, ist Paul Rudd, der Ned zu einem Klischee hätte machen können, ihm stattdessen aber eine so liebevolle Ehrlichkeit und gute Laune verpasst hat, dass man sich ein wenig wünscht, so wie Ned zu sein.

Der einfache Weg wäre sicherlich gewesen, ihn enervierend und aufdringlich zu spielen, doch genau das passiert mit Rudd nicht, vielmehr fühlt man auch die emotionale Tiefe von Ned, der eigentlich auch anders könnte, aber es für moralisch besser hält, das Gute im Menschen zu sehen.

Wer ein wenig gute Laune zum Frühling braucht, der ist mit „Our Idiot Brother“ sicher beraten. Und da die Peretz Geschwister sich mit Musik auskennen, punktet der Soundtrack zusätzlich mit Nathan Larson (A Camp) und Eric D. Johnson (Fruit Bats) und vielen, blumigen Melodien.

Ab dem 26.4. im Kino

Regie: Jesse Peretz

Drehbuch: Evgenia Peretz, David Schisgall

Darsteller: Paul Rudd, Elizabeth Banks, Zooey Deschanel, Emily Mortimer

Musik: Eric D. Johnson, Nathan Larson