Nora Tschirner mal nicht als süße, weibliche Nebenrolle, sondern als Protagonistin eines Gangster-Roadmovies. Leider hat sie sich dafür nicht das beste Drehbuch heraus gesucht, denn „Offroad“ ist leider ein wenig daneben geraten.

Meike Pelzer lebt ein beschauliches Leben in einem kleinen Vorort, ist glücklich in einer Beziehung und baldige Erbin des Rasenmäherauffangsack-Imperiums ihres Vaters. Doch irgendwie ist sie nicht glücklich und wünscht sich mehr vom Leben. Als sie einen rassigen Geländewagen auf einer Polizeiauktion ersteht, scheint dies der Beginn ihres Wunsches zu sein, der jedoch schnell in kriminellen Machenschaften, liebsamen Bekanntschaften in Form von Silam und weniger liebsamen Bekanntschaften in Form eines Gaunertrios ausartet.

Es ist sehr schwer, Nora Tschirner nicht zu mögen, aber „Offroad“ macht es einem nicht leicht, sie in der Rolle der anstrengend „eigenen“ Meike sympathisch zu finden, denn Meike hat bis auf Schmollmund und große Augen kaum einen Moment, in dem sie etwas mehr Persönlichkeit zeigt, vieles, was Meike macht, ergibt keinen Sinn oder ist so spontan, dass man sich fragen muss, ob da nicht etwas zu sehr konstruiert wurde, um dem weniger gelungenen Guy Ritchie Abklatsch mehr Pepp zu verleihen. Ähnlich geht es den anderen Personen im Film, allesamt von einigermaßen kompetenten Schauspielern gespielt, bleiben sie nicht mehr als Cartoon-Figuren, denen es an wirklichen Persönlichkeiten fehlt.

Hinzu kommt, dass die Story als auch die Drehweise merkwürdig altbacken wirkt, so als wäre man über einen Fernsehfilm der 80er gestoßen, nicht einmal die Garderobe wirkt modern, wüsste man nicht, dass Nora Tschirner in den 80ern noch ein kleiner Knirps war, müsste man annehmen, dass der Film seitdem auf der Halde lag.

Aber dem ist (leider) nicht so, denn was man in den 80ern, vielleicht noch in den 90ern in den Kinos begrüßt hätte, wirkt heutzutage leider gezwungen und plakativ, dass man auch realistische Dialoge in Kinofilme einbauen kann, hat uns doch unlängst Judd Apatow gezeigt, aber nein, Meike und Co stelzen sich angestrengt durch gewollt-kecke Unterhaltungen, die an eine Armenversion der Gillmore Girls erinnern. Dass die Chemie zwischen Meike und Salim (gespielt von Elyas M’Barek) einfach nicht existiert, macht die Sache auch nicht besser.

Und so bleibt „Offroad“ irgendwie verwaschen und altmodisch auf der Strecke, ins Kino muss man dafür wirklich nicht, für den DVD Abend dürfte es gerade so reichen. Für die allergrößten Tschirner Fans mag es vielleicht noch einen Gang wert sein, alle anderen sollten sich weit von diesem etwas traurigen Roadmovieversuch fern halten und sich doch lieber „Bube, Dame, König Gras“ ansehen.