Viel ist im Voraus geschrieben worden über das neue Abenteuer des Mannes mit dem Hut – und groß scheint die Enttäuschung im Nachhinein. Aber ganz so schlecht, wie es die Feuilletons glauben machen wollen, ist “Indiana Jones 4” auch wieder nicht.

Angesichts der gewaltigen medialen Resonanz, die dem Film zuteil wurde, scheint es gerechtfertigt, ihn in einer anderen Kategorie anzusiedeln als die Sequels des vergangenen Jahres – “Die Hard 4.0”, “Rocky V” und “John Rambo”: Die waren zwar insgesamt ganz erfolgreich, zogen aber weit weniger Aufmerksamkeit auf sich als das neueste Abenteuer des peitscheschwingenden Archäologen.

Warum? Ganz einfach: Dr. Henry Jones jr. alias Indiana ist mit seinem ersten Leinwandauftritt – “Jäger des verlorenenen Schatzes”, 1981 – unmittelbar zum Zentrum eines popkulturellen Mikrokosmos geworden. Um die – im Übrigen von George Lucas und Steven Spielberg auf einem gemeinsamen Hawaiurlaub ersonnene – Figur des tollpatschigen Abenteurers entstand ein ganzes Universum aus Filmen (neben den drei Harrison-Ford-Streifen auch die erfolgreiche “Young Indiana Jones”-Serie mit River Phoenix), Computerspielen, Comics und Romanen, deren Beliebtheit auch knapp dreißig Jahre nach Entstehung der Figur nicht abzureißen scheint.

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Kein Wunder also, dass das mediale Interesse am Popkultur-Phänomen Indiana Jones höher ist als an dem verkrachten Vietnam-Veteranen mit der gruseligen Frisur. Kein Wunder ebenfalls, dass die Herren Lucas und Spielberg es nochmal wissen wollten und, 19 Jahre nach Indies letztem Leinwandauftritt, mit “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” versuchen, die Deutungshoheit über ihre cocktailgeborene Jugendfantasie wiederzugewinnen.

“George Lucas, hör auf uns wehzutun!”, soll ein Kritiker gestöhnt haben, als er die Vorführung in Cannes in der vergangenen Woche verfrüht verließ. Tatsächlich leistet sich der Film ein paar unverzeihliche Fehler – etwa Indies vermeintlichen Sohn, der als Identifikationsfigur “für die ganze Familie” (arrrgghh!) eingebaut wurde und sich mal eben als fleischgewordene Tarzan-Imitation lianenweise durch den Dschungel zu schwingen versteht – da wünscht man sich den diabolischen Khali-Hohepriester aus dem “Tempel des Todes”, auf dass er mit dieser familientauglichen Unterhaltung ein für allemal Schluss mache. Herr Spielberg wird auf seine alten Tage immer lauer. Auch nicht überzeugender ist der Dialogwitz – es gibt keinen. Oder, praktisch keinen: Keren Ann als Marian sorgt immerhin für einen komödiantischen Lichtblick; aber ihre Szenen sind viel zu kurz.

Das waren die Kritikpunkte. Als eingefleischter Indiana-Jones-Fan kann ich mich aber nicht überwinden, den Film jetzt einfach für schlecht zu erklären. Schlecht ist er nämlich nicht; er ist nur ein bisschen … unbeholfen. Das Computerspiel wird besser!

Und, so grausam und blasphemisch das klingen mag: Es hätte womöglich gutgetan, wenn Spielberg und Lucas sich zurückgehalten hätten; denn nicht alles, was sie anfassen, wird (Kassen-)gold.

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