Clint Eastwoods 26. Regiearbeit: “Mystic River”, ein düsteres Krimidrama mit Sean Penn (Oscar als bester Hauptdarsteller), Tim Robbins (Oscar als bester Nebendarsteller) und Kevin Bacon.

Vor dreißig Jahren waren Sean (Bacon), Jimmy (Penn) und Davey (Robbins) befreundet – bis Davey eines Tages von zwei Männern, die sich als Polizisten ausgaben, entführt und tagelang missbraucht wurde. Er konnte entkommen, aber das traumatische Ereignis trieb einen Keil zwischen die Freunde. Als Erwachsene leben sie noch in derselben Stadt, haben aber kaum mehr Kontakt. Bis Jimmys neunzehnjährige Tochter ermordet aufgefunden wird. Manches scheint auf den labilen Davey zu deuten – aber ist er eines Mordes fähig? Sean, inzwischen Polizist, nimmt die Ermittlungen auf.

Clint Eastwoods unaufgeregte Regie nähert sich behutsam menschlichen Abgründen. Das Drama gewinnt seine Tiefe gerade aus der Ruhe, mit der die Geschichte entfaltet wird. Einer griechischen Tragödie ähnlich, liegt die Katastrophe im Wesen der ungleichen Männer begründet, und ist unvermeidbar. Sie mögen handeln wie freie Menschen, aber letztlich sind sie Marionetten ihres gemeinsamen Schicksals, das mit der Entführung Daveys seinen Anfang nahm. Nicht von ungefähr fragen sich die Freunde immer wieder, wie ihre Leben ausgesehen hätten, wäre damals nicht einer von ihnen in das Auto der Pädophilen gestiegen.

Eastwood gelingt es, den Zuschauer zu fesseln; und das, obwohl keine der Figuren in “Mystic River” zur Identifikation einlädt, im Gegenteil: Gerade ihre innere Zerrissenheit, ihre in Trümmern liegenden Biografien und der (vermeintliche) Determinismus ihres Handelns entwickelt eine faszinierende Sogkraft.

Wenn dann nach zwei Stunden der Abspann vorüberzieht, erwacht der Zuschauer aus einem dreißigjährigen Alptraum, und begreift, dass ein einzelnes Ereignis das Leben dreier Menschen dauerhaft zerschlagen kann. Wie in seinem fünffach Oscar-prämierten Meisterwerk “Million Dollar Baby” erweist sich Eastwood als ein großer Humanist des amerikanischen Erzählkinos.