“Hinter seiner Brille verbarg sich die mühsam gezügelte sexuelle Energie einer Dschungelkatze.”

Manhattan” ist in mancher Hinsicht Woody Allens Meisterwerk: Ein leichter, melancholischer Film, der einige Episoden aus dem Leben des Schrifstellers Isaac (Allen) erzählt. Die Eingangssequenz ist in die Filmgeschichte eingegangen; eine Montage aus über 40 Einstellungen auf New York, unterlegt von Gershwins “Rhapsody in Blue”, und darüber mehrere Versionen des ersten Kapitels eines Romans, den der verkrachte Allen-Charakter zu schreiben versucht; freilich erfolglos. Als schreibfreudig dagegen erweist sich seine lesbische Ex-Frau (Meryl Streep), die in ihrer Autobiografie darstellt, wie Isaac sie und ihre Geliebte überfahren wollte. Der Gescholtene sucht die Liebe einer Anderen (Diane Keaton), aber spätestens, als deren Psychiater sie auf einem Drogentrip anruft, beginnt auch diese Beziehung zu bröckeln…

Angesichts seines Gesamtwerks hat der Film fast archteypische Qualitäten: Alle Themen – Existenzangst und die Frage nach Gott, Psychoanalyse, Sex und warum er lustig ist, Intellektuelle und ihre merkwürdigen Sorgen, Jazz, Kafka, Bergman, Freud – werden behandelt; stellenweise erweckt “Manhattan” den Verdacht, Allen habe ihn nur gemacht, um den eigenen Charakter auf Celluloid zu prägen. Zum Beispiel in der vorletzten Szene, wenn der verhinderte Schriftsteller Isaac auf seiner Couch liegt und sich ins Tonbandgerät Gründe diktiert, “warum das Leben lebenswert ist”: Mozart, Cézanne, Groucho Marx …

Die Filme des großen New-York-Regisseurs Woody Allen wären ein weiterer Grund für Isaacs Kassette.