Die dänische Filmbranche ist bekannt dafür, in unregelmäßigen Abständen immer wieder Erstaunliches abzuliefern. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist Lars von Trier. In Cannes und bei den Oscars geehrt, ist er ein Ausnahmekünstler, der weit über die Grenzen seines Heimatlandes bekannt ist.

Als einer der größten Filmregisseure Dänemarks ist der Name Lars von Trier (eigentlich nur Lars Trier, das “von” ist eine Hommage an die Regisseure Erich von Stroheim und Josef von Sternberg), untrennbar verbunden mit dem Dogma 95. In diesem Manifest wurden zehn Punkte festgelegt, die durch Einschränkungen in der Produktionsweise die Suche nach Reinheit und Wahrheit im Film unterstützen sollten. Auch wenn sich nur sein Film “Die Idioten” (1998) vollständig an das “Keuschheitsgelübde” des Künstlerzusammenschlusses hielt, ist von Trier dieser Suche treu geblieben und dabei sehr experimentierfreudig.

Nach seiner Europa-Trilogie, in der er den gesellschaftlichen Verfall des Kontinents thematisiert, drehte er für das dänische Fernsehen 1994 und 1997 die beiden Staffeln der Serie “Geister”, in der er Elemente aus Horrorfilmen und Arztserien miteinander vermischt. Trotz der wenig massentauglichen Handkameraaufnahmen erwies sich die Serie als ausgesprochen erfolgreich und lief etliche Male auch im deutschen TV.

Trotz zugkräftigen Schauspielern – mit Björk drehte von Trier im Jahr 2000 “Dancer in the Dark” und mit Nicole Kidman “Dogville” (2003) – verwehren sich seine Filme der Massenkompatibilität. Für die bisher erschienenen ersten beiden Teile seiner USA-Trilogie benutzte er eine Soundstage komplett ohne Set, was den Filmen die Optik fürs Fernsehen abgefilmter Theaterstücke gibt. Auch geht er im Umgang mit seinen Schauspielern oft an die Grenzen und läßt sie stundenlang in ihrem Charakter bleiben.

Lars von Trier ist ein Regisseur, der es immer wieder schafft, die Gemüter zu erregen – sowohl positiv als auch negativ – und wird damit für das Kinopublikum fernab des Mainstreams auf lange Sicht interessant bleiben.