Der Regisseur der sogenannten “Berliner Schule” präsentiert seinen bisher geradlinigsten und zugänglichsten Film der letzten Jahre.

Christian Petzold, bekannt geworden durch “Gespenster” und den preisgekrönten “Yella”, hat sich in seinem neuen Film “Jerichow” in eine kleine Stadt in Sachsen-Anhalt verirrt, um dort eine eindringliche Dreiecksgeschichte zu drehen.

Benno Fürmann spielt Thomas, soeben aus Afghanistan zurückgekehrt und im Begriff das Haus seiner kürzlich verschiedenen Mutter zu renovieren, der auf den Dönerbudenbesitzer Ali trifft, gespielt von Hilmi Sözer, der hier endlich einmal nach seinen Blödelnummern mit Tom Gerhardt zeigen kann, dass er ein richtiger Schauspieler ist. Ali ist durch seine Kette von Imbissen erstaunlich reich, Thomas hingegen im Prinzip völlig mittellos. Er wird von dem chronisch misstrauischen Ali als Fahrer eingestellt und ist bald der einzige, dem gegenüber Ali sich öffnet. Tragisch daran ist, dass sich Thomas ausgerechnet in Alis Frau Laura (Nina Hoss) verliebt und die beiden hinter Alis Rücken eine Affäre beginnen.

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Die Konstellation klingt im ersten Moment vertraut, in einem Interview bezieht sich Petzold auf die Filme “Ossessione” und “The Postman always rings twice”, die beide auf der gleichen Buchvorlage basieren. Und in der Tat scheint sich “Jerichow” stark an der Film-noir-Story zu orientieren. Dabei machen aber gerade Petzolds Charaktere, allen vorander mal cholerische, mal masochistische Ali, die Geschichte interessant. Da sich Petzold hauptsächlich um die drei Figuren kümmert, gelingt es ihm, weitaus linearer zu erzählen und dabei weniger zu verwirren. Dabei bleibt er jedoch gewohnt kühl und beobachtend. Mit cleveren, kameratechnischen Einfällen versteht es der Regisseur, die Aussichtslosigkeit der Beziehung und die Spannung des möglichen Entdecktwerdens einzufangen. Die dargestellte Tristheit der Region spiegelt die Hoffnungslosigkeit der Charaktere, die sich auch durch das immer wieder in den Mittelpunkt gerückte Geld nicht retten können.

Christian Petzold hat mit seinem neuen Film “Jerichow” ein dramatisches und beinahe tragisches Versteckspiel inszeniert, dass zu beeindrucken weiß.