Braucht die Welt eine weitere Verfilmung eines britischen Literaturklassikers? Nun, nicht wirklich, aber wenn das niemand einsieht, dann wenigstens mit so viel Qualität, wie die neuste Interpretation.

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Waise Jane Eyre wird von der Schwester ihrer Mutter aufgenommen, doch das Selbstbewusstsein der jungen Eyre verärgert die despotische Adelige und sie schiebt das Mädchen in ein strenges Arbeitsinternat ab. Nach Jahren wird sie endlich entlassen und erhält Arbeit im abgelegenen Anwesen von Edward Rochester, der meistens auf Reisen ist und dessen mutterloses Kind eine Gouvernante braucht. Schnell merkt der zurück gezogene Rochester, dass Jane etwas besonderes ist, doch ein dunkles Geheimnis trennt die Beiden von ihrem Glück.

Es ist ja schier unmöglich, die Geschichte um Jane Eyre nicht zu kennen, wenn man schon nicht im Unterricht die Zwangsliteratur über sich hat ergehen lassen, oder sogar freiwillig die melancholischen, aber hochwertigen Bronte-Werke gelesen hat, dann doch sicher durch eine der insgesamt 15 Verfilmungen des Klassikers.
Doch so redundant Fukunagas Werk erscheint, Mia Wasikowska als Jane Eyre und Michael Fassbender als Rochester überzeugen vollends, Wasikowska kann sogar als eine der wenigen Eyres genannt werden, die die innere Stärke der Protagonistin ohne Unterbrechung präsentiert und auch die Freiheit genießt, im eigentlich kargen Anwesen sie selbst sein zu können und von den Misshandlungen ihrer Kindheit Abstand nehmen zu können. In vielen Verfilmungen erscheint Janes Schicksal auf dem Anwesen als verlassen und grausam, doch vielmehr fühlt sie sich frei und genießt die desolate Ruhe der nebligen Umgebung.
Kamera und Schnitt lassen den kühl gehaltenen Bildern Zeit, auf den Gesichtern der Charaktere zu verweilen, so dass der Zuschauer einen Eindruck von dem ruhigen, ja quasi ereignislosen Leben am Gut von Rochester bekommt. Das wiederrum verstärkt die Unruhe und den Tumult, den er regelmäßig in das Leben seiner Angestellten bringt, sobald er von seinen Reisen zurück kehrt und führt wirkungsvoll zu dem tragischen Geheimnis um seine verschwiegene Gestalt.

Die Antwort auf die anfangs gestellte Frage lässt sich leicht beantworten: Nein, die Welt braucht eigentlich keine neue Verfilmung, aber wer das Werk noch nicht kennt, der ist eingeladen, sich großartige Schauspieler in einem ästhetisch hochwertigen Film an zu sehen, denn qualitativ dürfte diese Jane eine der Besten sein.

Passend zur Winterzeit ab dem 1.12.2011 im Kino.

Regie: Chary Fukunaga
Drehbuch: Moira Buffini
Darsteller: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Jamie Bell, Judi Dench
Musik: Dario Marianelli