Der Balanceakt ist schwer, wenn man versucht, das Leben eines übergewichtigen Teenagers in einer Komödie so rüber zu bringen, dass keine billigen Witze und Stereotype dabei heraus kommen. Unter der Regie von Azazel Jacobs scheint es jedoch ein Kinderspiel zu sein.

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Terri lebt zusammen mit seinem Onkel (toll gespielt von Creed Batton), der an Alzheimer erkrankt ist und nur selten lichte Momente hat. In der Schule fällt er durch seine Apathie und ständiges zu spät kommen auf. Als sich der Beratungslehrer Mr. Fitzgerald Terris annimmt, scheint es endlich eine Bezugsperson in seinem Leben zu geben, doch Vertrauen lässt sich nur schwer aufbauen.

Hauptdarsteller Jacob Wysocki kennt man in Amerika aus diversen Nebenrollen, sowie einer prominenten Rolle in einer Serie über ein Camp übergewichtiger Kinder, die jedoch vorwiegend an Teenager gerichtet ist. In “Terri” ist der angeschlagene Ton durchweg ernst dahingehend, dass keiner der Charaktere einseitig oder überzogen dargestellt wird, selbst Comedy Genie John C. Reilly als unkonventioneller Pädagoge schafft es, sich soweit zurück zu nehmen, dass der Film niemals ins alberne Genre abdriftet. Stattdessen ist es eine interessante Charakterstudie, die mit den Problemen der Außenseiter in High Schools umgeht, die eher unsichtbar durch die Flure wandern und lediglich den Lehrern als “Problemschüler” bekannt sind. Dass hinter diesen exzentrischen Kindern, die sicher jeder aus seiner Schulzeit kennt, auch echte Menschen stecken, wird langsam, mit großartigen Kameraeinstellungen und einem wunderschönen Soundtrack ausgerollt.

Im Original aus einer Kurzgeschichtensammlung von Patrick DeWitt entstanden, ist Terri keine typische Coming of Age Story, keine Erzählung a la Junge trifft Mädchen. Vielmehr ist die Naivität und Unschuld Terris verantwortlich dafür, dass der Film das Klischee nicht bedient und damit die andere, wahrscheinlich sehr viel realistischere Seite wiedergibt, die von Teenagern durchlebt wird, täglich und überall.

Noch steht kein fester Kinotermin, wollen wir hoffen, dass es nicht nur zur DVD kommt, es wäre schade.

Regie: Azazel Jackobs
Drehbuch: Patrick DeWitt
Darsteller: John C. Reilly, Jacob Wysocki, Bridger Zadina, Creed Bratton