Beatniks leben für den Moment, schreiben den Moment und experimentieren mit dem ‘Hier und Jetzt’ entgegen der Konventionen. In James Francos neustem Film wird auf experimentelle Weise ein Beatnik-Kunstwerk kreiert.

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1957 wurde Laurence Ferlinghetti angeklagt, weil er unter seinem Buchverlag City Lights Bookstore Allan Ginsbergs „Howl“ veröffentlicht hatte. Dieses Manifest der Beat Generation enthielt Obszönitäten, Drogen und andere angeblich die Moral schädigenden Inhalte. Aber wie soll man sonst die gesellschaftlichen Umstände beschreiben, wenn man ihre dunklen Seiten nicht thematisieren darf?

Diese Anklage dient als Rahmenhandlung, um Allan Ginsberg (James Franco), sein Leben und sein großartiges Gedicht vor zu stellen. Neben experimentellen Visualisierungen der lebendigen Verse wird auch Ginsbergs erstmalige öffentliche Rezitation im Jahre 1955 nachgedreht, so dass der Film selbst zu einem Collage-artigen Beatnik-Werk wird.

Genau darin liegt aber auch die nicht allzu euphorische Reaktion des Publikums begraben, denn dem Beat gleich springt „Howl“ von einer Szene zur nächsten, wirkt wie ein Puzzle der eigentlichen Geschichte, dessen Teile wild aufeinander geworfen wurden. Wer sich mit Literaturwissenschaften auskennt, der wird eben diese künstlerischen Mittel zu schätzen wissen und daher auch den Film als Literaturanalyse an sich erkennen, für den Normalzuschauer könnte „Howl“ jedoch streckenweise zu sprunghaft sein.

Empfehlen kann man das Werk als die etwas andere Zeitdokumentation dennoch, zumal die musikalische Untermalung zusammen mit dem kompletten Meisterwerk Ginsbergs eine runde Liebeserklärung an die Beat Generation abgibt.

Ab dem 6.1.2011 im Kino.

Regie: Rob Epstein, Jeffrey Friedman

Drehbuch: Rob Epstein, Jeffrey Friedman

Darsteller: James Franco, Jon Hamm, Mary-Louise Parker, Jon Prescott

Musik: Carter Burwell