In den letzten Jahren erlebt der Superheldenfilm eine Renaissance, mit der lange Zeit niemand gerechnet hätte. Zu verdanken ist das allen voran dem “Evil Dead”-Macher Sam Raimi, dessen “Spiderman”-Filme (angeblich) das Beste sind, was bis dato im Genre geschaffen wurde. Naja. Als der erste Teil herauskam, habe ich irgendwo gelesen, dass die Szene, in der Peter Parker sich im Spinnennetz-Schießen übt, auch allegorisch verstanden werden kann als das sexuelle Erwachen eines jungen Mannes.

Wow. Danke, Sam Raimi.

Jedenfalls, man kann es diesen Zeilen vielleicht entnehmen, stehe ich dem Superheldenfilm grundsätzlich etwas skeptisch gegenüber. Was aber gewiss nichts an dessen überragendem Erfolg ändern kann – wer hört denn auf mich? Nicht mal mein Meerschweinchen.

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Es war höchste Zeit, dass der letzte verbliebene Kassenmagnet Hollywoods (der Titel seines letzten Blockbusters, “I am legend”, deutete das ja schon an) sich mal in dem Genre versucht. Das Ergebnis heißt “Hancock”, und der Kerl schaut einen momentan von jeder zweiten Litfaßsäule aus missmutig an.

Will Smith ist eigentlich ein Clown, obwohl er in verblüffend wenig reinen Komödien mitgemacht hat. Dementsprechend ist das Konzept von “Hancock” ein komödiantisches: Der Superheld, der auf seinen vermeintlichen Auftrag pfeift und sich lieber volllaufen lässt, und zwar auf der erstbesten Parkbank. Kein Strahlemann wie Superman, kein düsterer Rächer wie Batman, sondern schlichtweg einer, dem all das gründlich am Arsch vorbeigeht. Für einen solchen wird er folgerichtig auch von den meisten Menschen gehalten – was im Übrigen mit den nicht geringen Kollateralschäden zusammenhängen mag, die seine gelegentlichen Einsätze verursachen.

Das Drehbuch will’s, dass dieser Hancock, den eigentlich keiner so richtig leiden mag, an einen PR-Berater gerät, und dieser macht es sich zur Aufgabe, das Image des Arschlochs aufzupolieren.

Soweit, so gut: Daraus könnte man doch eine fabelhafte Komödie machen. Leider dachte der Autor des Films, er müsste noch ein bisschen tragische Tiefe etc. einbauen, und so kommts, dass etwa ab der Mitte ein zweiter, ziemlich absurder Handlungsstrang beginnt, der die Dramaturgie gründlich verdirbt. Letzten Endes können weder die schlappen Dialoge noch die – offensichtlich entsetzlich teuren – Spezialeffekte den Film tragen: Aber die Schauspieler, und allen voran eben Mr. Smith.

Der Mann ist auf der Leinwand dermaßen präsent, dass er auch eine hanebüchene Geschichte mal eben über zwei Stunden Spielfilmlänge tragen kann. Und so scheint die Prognose, dass sich der alte Will-Smith-Fluch, der da heißt, dass ein Film, in dem der ehemalige Prinz von Bel Air mitspielt, unweigerlich zum Kassenerfolg werden wird, auch bei “Hancock” durchaus angebracht. Obwohl der Film, offengestanden, nicht mehr als durchschnittlich ist.

Comment List

  • KlingonE 15 / 07 / 2008

    Habe neulich einen Film mit Will Smith gesehen, der mal nicht lauwarm aufgebrühte Durchschnittskost war.
    “Das Leben – Ein Sechserpack” (“Six Degrees of Separation”). Der war lustig, intelligent und traurig – und Will Smith hat wahnsinnig gut gespielt!

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