Nachdem er 1996 mit “Alle sagen: I love you” ein vielfach unterschätztes Musical abgeliefert hatte, ging Woody Allen im Folgejahr in seinem 26. Film daran, ein Art Bilanz zu ziehen: “Deconstructing Harry” ist eine wirre, urkomische Collage aus Allen-Geschichten und Zitaten; dabei so pointiert und bitter, wie Allen sich noch nicht gezeigt hatte. In gewisser Weise deutet sich in dem knappen, lakonischen Stil von “Harry außer sich” bereits der pessimistische, humorlose Grundton von “Match Point” (2005) oder “Cassandra’s Dream” (2007) an.

Dabei ist der Film, von der ersten Minute an: Eine Komödie; und die Gagdichte ist erstaunlich hoch. Harry Block, ergrauter Bestsellerautor, hat alle seine Beziehungen zu Romanen gemacht. Er ist ein erfolgreicher Autor, bloß: Alle Welt hasst ihn. Folgerichtig versucht eine seiner Verflossenen gleich in der zweiten Szene, ihn umzubringen. Als wären derlei Miseren nicht genug, leidet Harry auch noch an einer Schreibblockade. Und wird nach und nach von seiner eigenen Romanfiguren besucht …

Die Handlung ist wirr, aber nicht verwirrend, und erweist sich als Aneinanderreihung perfekter Episoden. Da verwundert es kaum, dass auch einige von Harrys Kurzgeschichten en passant erzählt werden. Wie üblich, hat der Regisseur eine beeindruckende Zahl bekannter Darsteller für seinen Film begeistern können: Neben Demi Moore treten Robin Williams, Tobey Maguire, Kristie Alley, Billy Crystal, Judie Davis, Jennifer Garner und Stanley Tucci auf.

Der Höhepunkt des Films aber ist Allen selbst, dessen stotterndes, depressives, verwirrtes, total überfordertes Alter Ego noch nie so gut gepasst hat wie in “Harry außer sich”, der, ehrlich gesagt, Allens bester Film in den Neunzigern ist – sagen wir, neben dem unvergleichlichen “Alle sagen: I love you” …