“Night of the living dead” (1968) ist zunächst und vor Allem brachialer, kompromissloser Horror. Eine politische Allegorie verbirgt sich in der düsteren Idee freilich auch; aber das war zunächst gar nicht entscheidend. Als der Film herauskam, 1968, war er in seiner Unmittelbarkeit, seinem Pessimismus und seiner Brutalität beispiellos. Moderne Rezensenten legen großen Wert darauf, ihn als düstere Kritik am Vietnam-Krieg und am amerikanischen Rassismus der 50er zu sehen, aber ich kann mir nicht unbedingt vorstellen, dass er damals sofort – und: in erster Linie – als solche gesehen wurde. Zunächst war es eben ein Horrorfilm, und zwar ein ganz neuer, frischer, unverbrauchter Typus. “Horror” war bis dato oft Grusel gewesen, meistens Romantik – von “Nosferatu” (1922) über “White Zombie” (1932) bis zu den Dracula-Filmen der Hammer-Studios aus den Fünfzigern. Mit Romeros Zombies kam ein nackter, realistischer Terror ins Kino, der die alten Schreckgespenster ins Reich der Märchen verbannte.

Das beeindruckte. Und inspirierte viele Filmemacher. Natürlich hat Romero nicht das Rad neu erfunden; die klaustrophobische Grundsituation gab es beispielsweise schon in “Gangster in Key Largo” (1948). Aber die Radikalität und der Realismus, mit denen er seine Geschichte ausstattet, waren ungesehen. Deshalb kann man, denke ich, mit Fug und Recht sagen, dass er ein ganzes Genre begründet hat. Ein Genre freilich, das bis heute von seinen Filmen lebt. Denn Romeros Zombiefilme sind über die Jahre jung geblieben; sie haben sich – bis auf, hin und wieder, der dritte Teil “Day of the Dead” – dem Zeitgeist kaum angepasst. Die Helden, die Situationen, Bedrohungen und Ängste sind archaisch; sie lassen sich in jeder Zeit und jeder Gesellschaft denken. Das ist der enorme Vorteil des Horror-Klassikers Romero, der immer auch politisch war; bloß, dass man’s nicht sah, wenn man’s nicht sehen wollte. Es ist zugleich sein Kreuz: Denn jenseits vom Horror hat er wenig gemacht. Dabei darf man, angesichts der Konflikte, denen er beispielsweise in “Zombie” viel Platz einräumt, von seinen Qualitäten als Chronist zwischenmenschlicher Tragödien ausgehen. Sein intensivster Film ist denn auch keiner der Zombie-Streifen, sondern der alptraumhafte, psychotische “Martin”, in dem die Frage nach Horror und Realität direkt gestellt wird: Martin denkt, er sei ein Vampir, oder vielleicht hat er, von seinem fanatischen Großvater beeinflusst, gelernt, es zu denken. Der Film zeigt, wie er Menschen mit Rasiermessern aufschlitzt und ihr Blut trinkt – ein klassischer Vampir, mit spitzen Eckzähnen und Umhang, ist das nicht. Ist er ein Vampir, oder nicht? Romero hat den Horror, der vorher der Zerstreuung diente, Spaß machen sollte, in den Alltag gebracht und gezeigt, dass er authentisch sein kann, unmittelbar, und bedenkenswert. Die wenigsten seiner Filme waren kommerziell erfolgreich; stilprägend waren sie allemal.

Filmographie:

Night of the living dead (1968)

There’s always Vanilla (1971)

Seasons of the Witch (1972)

Crazies (19739

Martin (1977)

Zombie (1978)

Knightriders (1981)

Creepshow (1982)

Day of the Dead (1984)

Monkey Shines (1988)

Two Evil Eyes (1990)

Stephen King’s Stark (1993)

Bruiser (2000)

Land of the Dead (2005)

Diary of the Dead (2007)