Derzeit stürmt er als Hawkeye mit Pfeil und Bogen bewaffnet mit den Avengers die Kinoleinwände, doch wirklich beweisen konnte sich Jeremy Renner mit seiner überzeugenden Darstellung eines der bekanntesten Serienmörder Amerikas.

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Jeffrey Dahmer ist einer der berühmtesten Serienkiller der Welt, mit 18 Jahren beging er seinen ersten Mord, mit 34 wurde er in Haft von einem Mithäftling erstochen, dazwischen brachte er maßgeblich mehr als 16 junge Männer um, bewahrte sie wochenlang in seiner Wohnung auf und schaffte es mehrmals, der Polizei zu entkommen.

Dahmer: Portrait eines Serienkillers

“Dahmer” ist kein Horrorfilm, zumindest nicht in dem Sinn, dass er die Gewalt feiert. Vielmehr sind es ruhige Bilder, Szenen die sich viel Zeit nehmen und den Zuschauer so langsam mit Jeffrey Dahmer (Jeremy Renner) bekannt machen.
In Flashbacks erleben wir seine Zeit als Teenager, während der er durch seine erwachende Sexualität, seine Gefühle für Männer und seine strenge Erziehung eine Persönlichkeit entwickelte, die verschlossen und wortkarg war, nicht zuletzt, weil im Inneren verstörende Fantasien brodelten.

Während viele Filme über Serienkiller die blutigen Abgründe in den Vordergrund rücken, muss der Zuschauer in “Dahmer” sehr wohl Geduld haben, denn es geht weniger um die Ausschlachtungen der grausamen Taten, sondern vielmehr einer faszinierten Charakterstudie, die durch Renners eindringliche Performance auch nach dem Abspann noch nachdenklich macht.
So sind es besonders Situationen in denen Dahmer beinahe von seiner Familie oder der Polizei für das entdeckt wird, was er getan hat, in denen Renner mit kalter Gelassenheit die Gefühlswelt Dahmers reflektiert, der scheinbar sein ganzes Leben hinweg in der Lage war, eine ruhige Maske aufrecht zu erhalten, die einen emotional aufgewühlten Menschen verbarg.

Mehr Innenschau als Freakshow

Grafisch sind einige Szenen dennoch, aber ergeben sich auch hier nicht der Freakshow, sondern wollen die Reaktionen Dahmers im Vergleich zu den grausamen Dingen, derer er fähig ist, für den Zuschauer einfangen.
Während die Momente als Teenager deutlich weicher und in helleren Lichtern getaucht aufzeigen, dass wir es hier nicht mit einem “Monster”, sondern einem zutiefst verstörten Jugendlichen zu tun haben, sind die späteren Szenen vorwiegend in Rot getaucht, der Schritt von der Psychose zur Tat wurde vollzogen, der Killer ist längst nicht mehr unschuldig.

“Dahmer” ist keine leichte Kost, erinnert dabei an ähnlich nüchterne Blicke auf die menschliche Psyche wie etwa “Snowtown” oder “We need to talk about Kevin”. Genau deshalb lohnt er sich jedoch, denn “Unterhaltung” ist das nicht mehr, vielmehr eine Reflektion auf einen Menschen, der zu einem unbestimmten Zeitpunkt in seinem Leben eine Entscheidung für seine Bedürfnisse und gegen moralische Standpunkte getroffen hat.

Regie und Drehbuch: David Jacobson
Darsteller: Jeremy Renner, Bruce Davison, Artel Kayaru, Matt Newton
Musik: Christina Agamanolis, Mariana Bernoski, Willow Williamson