Das Internet und insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook bestimmen unseren Alltag und haben ihren anfänglichen Reiz eingebüßt. Kann Star-Regisseur David Fincher dem Thema neue Seiten abgewinnen?

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Das Who-is-Who Hollywoods hatte sich eingefunden, um einen mehr oder weniger biographischen Film über die Entstehung des weltweit größten sozialen Netzwerks zu drehen. Regisseur David Fincher (Sieben, Der seltsame Fall des Benjamin Button), Drehbuchautor und Emmy-Preisträger Aaron Sorkin (The West Wing: Im Zentrum der Macht), Nine Inch Nails-Frontmann Trent Reznor und eine beeindruckende Riege talentierter Jungstars kamen zusammen, um Facebook ein kritisch angehauchtes Hollywood-Denkmal zu setzen. Gelungen ist ihnen ein unterhaltsamer, technisch perfekter Film mit viel Wortwitz und Dramatik, dem man gewünscht hätte, dass das eigentliche Thema ein wenig interesanter wäre.

Facebook gehört mittlerweile zum Leben von unzähligen Menschen auf dem ganzen Globus wie die Zeitung zum Frühstück oder die Milch in den Kaffee. Wie dramatisiert man also ein Thema, das naturgemäß nicht viel Dramatik besitzt? Man muss Fincher, Sorkin und Co. hoch anrechnen, was sie geleistet haben: kaum ein Hollywoodfilm dieses Jahres besitzt ähnlich viel Schwung und technische Rafinesse. Jesse Eisenberg glänzt als beinahe autistisch wirkender Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, untersützt vom digital duplizierten Armie Hammer in einer Doppelrolle als Geschäftsrivalen-Zwillingspaar. Popstar Justin Timberlake stiehlt die Show als Zuckerbergs Mentor und Geschäftspartner Sean Parker. Der treibende Elektro-Soundtrack und bissige Wortgefechte lassen selbst die Internet-Nerds erscheinen wie exzentrische und zuweilen gar coole Helden des digitalen Zeitalters.

Dennoch ist The Social Network nur mit Mühe einer Spielfilmlaufzeit von knapp zwei Stunden gewachsen. Das liegt weniger am allseits bekannten Ausgang der Story (Facebook ist mit mehr als 500 Millionen Mitgliedern und einem Marktwert von circa $25 Milliarden das weltweit größte soziale Netzwerk), sondern vielmehr an der Gewöhnlichkeit des Themas. Wir atmen, essen, leben einen großen Teil unserer Leben online, nicht zuletzt dank Facebook, studiVZ und MySpace. Viele potentielle Kinogänger werden sich daher überlegen, ob sie einen ganzen Abend der Geschichte einer Handvoll recht unsympathischer, jugendlicher Programmierer widmen, deren innovativer aber wenig aufregender Beitrag zu unser aller Alltag sie zu Milliardären machte.

Verdient hätte es der Film, der vielleicht gerade wegen dieses Dilemmas bisher nicht besonders erfolgreich an den US-Kinokassen ist. Wer sich für die Gründungstage der sozialen Vernetzung im Internet interessiert, sollte sich den Film auf keinen Fall entgehen lassen. Für alle anderen bleiben zwei Stunden gute Unterhaltung, die aufgrund technischer, künstlerischer und schauspielerischer Perfektion den Intellekt überzeugt, auch wenn die Geschichte selbst des Herz kaum berührt.