Das Schöne am Internet ist, dass es ein urdemokratisches Medium ist: Hier kann jeder – aber wirklich jeder – seine Meinung kundtun. Es soll Menschen geben, die das Leben ihres Haustiers bloggen. Filmfans stellen einen nicht unbeträchtlichen Teil derer, die sich im World Wide Web publizierend betätigen. Und natürlich geht es auf den entsprechenden Seiten, Blogs etc. hoch her; denn der Lieblingsfilm des Einen (“Susi und Strolch”) ist der absolute Hassfilm des Anderen, der ausschließlich schwedische Dogma-Produktionen mag. Und so weiter, und so fort. Ich habe zwar den Eindruck, dass das Genre des Splatterfilms sich im Internet der größten Aufmerksamkeit erfreut. Aber da könnten mich meine eigenen Vorlieben täuschen … trotzdem, logisch wäre es: Denn das Internet bietet, als quasi zensur-freies Medium, die besten Möglichkeiten, sich gerade über jene Filme, die immer an der Geschmacks- und Verbotsgrenze entlangfuhren, ausführlich zu verbreiten.

Summa summarum: Es ist an der Zeit, dass auch ich polemisch tätig werde, und eine Bestenliste veröffentliche. Wie alle Bestenlisten, ist auch diese absolut und unanfechtbar, etwa so wie der Papst, und kann einzig und allein von der nächsten Bestenliste abgelöst werden. Die könne aber schon heute Nachmittag kommen … Viel Spaß beim Aufregen!

20 Filme, die man gesehen haben muss:

1.) “Nosferatu – eine Symphonie des Grauens”, F.W. Murnau, 1922

Ein visuelles Meisterwerk. Murnau, leider viel zu früh verstorben, ist einer der beeindruckendsten Expressionisten des deutschen Stummfilms. Die neu vertonte und kolorierte Fassung seines Dracula-Films – der übrigens nur nicht “Dracula” heißt, weil die Witwe Bram Stokers die Rechte nicht verkaufen wollte – ist übrigens auch sehr sehenswert.

2.) “M – eine Stadt sucht einen Möder”, Fritz Lang, 1931

Der erste Großstadt-Thriller schlechthin. Von “Angst über der Stadt” bis “Seven” verdanken letztlich alle Killer-Thriller ihre Existenz Fritz Langs Klassiker.

3.) “Die Marx Brothers in der Oper”, Sam Wood, 1935

Während andere Leinwandikonen der Zeit – etwa Chaplin oder Buster Keaton – noch heute fast jedem ein Begriff sind, geraten die Marx Brothers leider allmählich in die Vergessenheit. Was, um das mal ganz klar zu sagen, eine Schande ist.

4.) “Citizen Kane”, Orson Welles, 1941

Keine Worte.

5.) “La Strada”, Federico Fellini, 1954

Fellini hat den europäischen Film geprägt wie kein anderer. Seine surreale, bisweilen traum-hafte Erzählweise hat zahllose Filmemacher beeinflusst.

6.) “Plan 9 from Outer Space”, Ed Wood, 1958

Dieser Film findet hier Erwähnung stellvertretend für all die wunderbar schlechten Filme, mit denen man einen verregneten Sonntagnachmittag totschlagen kann, ohne anschließend zu glauben, man hätte etwas Sinnvolles getan. Wobei “Plan 9…” dermaßen absurd ist, dass er schon wieder gut wird.

7.) “Frühstück bei Tiffany”, Blake Edwars, 1961

Audrey Hebpurn ist eine der Filmlegenden des zwanzigsten Jahrhunderts. Zwar ist “Roman Holiday” witziger – aber “Breakfast at Tiffany’s” hat (vielleicht wegen der phantastischen Sonnenbrille?) einen Kultstatus erlangt, der Miss Hebpurn auf immer und ewig mit der Figur der Holly Golightly verschmelzen lässt.

8.) “Easy Rider”, Dennis Hopper, 1969

Jack Nicholson in seiner ersten großen Rolle; später in Cannes. Dennis Hopper. Peter Fonda. Und die Motorräder. Und die Frauen. Und die Drogen. Und Steppenwolf …

9.) “Uhrwerk Orange“, Stanley Kubrick, 1971

Die Anfangseinstellung ist eine der beeindruckendsten der gesamten Filmgeschichte. Kubrick hat es auf kongeniale Weise verstanden, aus Burgess’ Roman eine bittere, grelle, boshafte Satire zu machen.

10.) “Der Pate”, Francis Ford Coppola, 1971

Der Mafiafilm. Marlon Brando und Al Pacino spielen sich gegenseitig an die Wand. Für den ersten Teil bekam Brando den Oscar, für die Fortsetzung Pacino.

11.) “Der letzte Tango in Paris”, Bernardo Bertolucci, 1972

Und wieder Marlon Brando; diesmal in einer bis dato ungesehen freizügigen Inszenierung des jungen Bertolucci – ein schonungsloser, grandioser, melancholischer Film.

12.) “Taxi Driver”, Martin Scorsese, 1976

Jodie Foster als 13jähriger Prostituierte. Und Travis Bickle (Robert de Niro) vor dem Spiegel: “Are you talking to me?”

13.) “Manhattan“, Woody Allen, 1978

14.) “Jäger des Verlorenen Schatzes”, Steven Spielberg, 1981

Die ersten Empörungsschreie wird meine Nichtbeachtung der “Star Wars”-Filme ausgelöst haben, aber hiermit räume ich George Lucas, der das Popcorn-Kino mit seinem Freund Spielberg überhaupt erst erfunden hat, seinen Platz ein: Indiana Jones ist der Abenteurer der Achtziger, eine grandiose Figur; und um Längen besser als die krude Sternenmythologie.

15.) “E.T.”, Steven Spielberg, 1982

Spielberg macht Kassenerfolge mit Moral. Gar nicht mal einfach. Aber dem Mann gelingt (fast?) alles.

16.) “Edward mit den Scherenhänden”, Tim Burton, 1990

Eine Weile hatte Tim Burton als Zeichner für Disney gearbeitet, aber lange hielt er es beim Mickey-Mouse-Konzern nicht aus. Auf eigene Faust – und mit dem noch TV-Darsteller Johnny Depp – drehte er das bizarrste Märchen aller Zeiten.

17.)”Das Schweigen der Lämmer”, Jonathan Demme, 1992

Stephen King hat mal erklärt, dass Hannibal Lecter der Graf Dracula unserer Zeit sei. Noch Fragen?

18.) “Schindlers Liste”, Steven Spielberg, 1993

In den Neunzigern wendete Spielberg sich vermehrt ernsthaften Themen zu. “Schindlers Liste” und “Saving Private Ryan” zeigen, aus verschiedenen Blickwinkeln, den Zweiten Weltkrieg und die Auswirkungen des Nazi-Terrors; “A.I.” stellt in beeindruckender Weise die Frage nach der vermeintlichen “Künstlichkeit” artifizieller Wesen.

19.) “American Beauty”, Sam Mendes, 1999

Die Geschichte des Lester Burnahm entlarvt den (nicht nur) amerikanischen Vorstadt-Mythos als bizarre, traurige, komische Farce. Und Kevin Spacey bringt die Leistung seines Lebens.

20.) “The Hours“, Stephen Daldry, 2002