Das große Verdienst Mike Leighs ist es, in seinen Filmen behutsam, aber eindringlich daran zu erinnern, dass die soziale Frage noch längst nicht beantwortet worden ist

“Happy-Go-Lucky” ist das “Amélie”-ähnlichste, wozu Leigh imstande ist: Ein im Prinzip realistischer Film,  aber grellbunt und unverschämt gut gelaunt. Der Film berauscht sich an seiner Protagonistin, die es mit ihrer fabelhaften Weltentrücktheit schafft, ihre Umgebung zu verzaubern – obwohl dazu meistens durchaus kein Anlass besteht. Man geht ins Kino und erwartet das Portrait einer Irren – und kommt heraus mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Vielleicht hat Poppy gar nicht mal Unrecht …

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Poppy ist einfach ständig gut drauf. Und: Sie lässt sich ihre famose Laune auch durchaus von niemandem vermiesen. Als ihr das Fahrrad gestohlen wird, bedauert sie nur, dass sie sich nicht richtig verabschieden konnte. Ihr Optimismus ist freilich eine Art, das Leben erträglicher zu machen: Poppy ist Grundschullehrerin in einem Londoner Arbeiterviertel, und – im Gegensatz zu Jean-Pierre Jeunets Pariser Kellnerin – sieht sie alles andere als bloß die Zuckerseite des Lebens. Aber irgendwie schafft sie es, jeder Situation das Beste abzugewinnen. Im Gegensatz etwa zu ihrem cholerischen Fahrlehrer, der sich längst aufgegeben hat.

Poppy-Darstellerin Sally Hawkins erhielt für ihr grandioses Spiel zu Recht den Silbernen Bären. “Happy-Go-Lucky”, den die Kinoprospekte ein Feel-Good-Movie nennen, ist genau das – für Realisten. Alle andern schauen Amélie.