Stand mit Freunden in der Videothek. Wir hatten Bier eingekauft. Schwankten kurz zwischen Jet Li und Van Damme, landeten aber letztlich bei William Kaufmanns Regiedebüt “The Prodigy”, von dem das Cover versprach, dass es sich um nichts Geringeres als einen “Kultfilm” handele.

Naja. Das Wort “Kult” wird inzwischen ziemlich inflationär gebraucht – auf “The Prodigy” trifft es jedenfalls kaum zu. Der Film ist eine krude, ausgesprochen düstere Mischung aus Action- und Slasherstreifen, kann sich aber für keins von beidem so richtig entscheiden.

Truman Fisher ist ein kleiner Gangster, der einfach Pech hat: Eines Tages platzt ein Drogendeal, ein maskierter Killer taucht auf und Truman kann als Einziger das folgende Massaker überleben. Einen Monat später entführt derselbe Maskierte den Neffen von Trumans Boss … und Truman begibt sich auf die Jagd …

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Bloß: Warum? Warum entführt der Killer den Neffen? Warum taucht er bei dem Deal auf? Was sollen die merkwürdigen Anspielungen auf dem Cover, die verheißen, dass Truman an die Grenzen der Wirklichkeit geraten wird?

Der Film bleibt eine ganze Menge Antworten schuldig. Die Auflösung ist arg billig; aber immerhin nimmt man den Beteiligten ab, dass sie es ernst meinen: Hauptdarsteller Holt Boggs etwa hat auch am Drehbuch mitgeschrieben (vielleicht sollte er es mal als Kameramann versuchen? Oder als Cutter?), und überhaupt wiederholen sich im Abspann viele Namen, was bekanntlich ein untrügliches Indiz für eine Independet-Produktion ist.

Und jetzt kommen wir zur positiven Seite von “The Prodigy” – dem Handwerklichen. Dass es sich um eine Independent-Produktion handelt, sieht man dem Film nämlich gar nicht mal an … Die Gewaltdarstellung ist definitiv nichts für Zartbesaitete und teilweise schlicht übertrieben – aber gut gemacht. Insofern, Chapeau, Mr. Kaufmann. Das nächste Mal vielleicht mit professionellen Drehbuchautoren ..?