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“Die Muppets” im Kino: it’s time to play the music

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Die Muppets sind zurück auf der Kinoleinwand und das kann man feiern, wenn man einfach mal so tut, als würde es die deutsche Synchronisation nicht geben. Abgesehen davon, ist es ein wunderbar bunter Start ins neue Kinojahr.

Walter ist von Geburt an eng mit seinem Bruder Gary (Jason Segel) befreundet und träumt sehnlichst davon, zusammen mit ihm nach LA zu fahren und die Muppet Studios zu besuchen. Als Gary mit seiner Liebsten Mary (Amy Adams) einen Jubiläumstrip macht, laden sie Walter ein, doch der wird bitter überrascht, als er mitbekommt, dass die Muppets in der ganzen Welt verstreut sind und das Studio kurz vorm Abriss steht. Für eine Reunion kann allerdings nur einer sorgen: Kermit!

Von der ersten Musical Nummer bis zum kultigen Abspann, “Die Muppets” verkörpert genau die Wärme, den Witz und das halsbrecherische Tempo der frühen Filme und schafft es dabei gekonnt, Kinder als auch jung-gebliebene Fans der damaligen Show gleichermaßen zu begeistern.

Die Muppets sind zurück!

Von den gut platzierten Cameos (von denen wir hier mal keine verraten werden), bis hin zu vielen schönen Details, etwa, wenn in Kermits Büro das berühmte Foto mit ihm und Jim Henson hängt oder Gary im Pep-Talk mit Walter den Song “just one person” referenziert, “die Muppets” macht einfach nur Spaß und kann glücklicherweise die Ängste, dass es sich wieder um ein Desaster a la “Der Zauberer von Oz” handeln würde, in Explosionen, Musical Nummern und viel Filz begraben.

Dafür darf man nicht zuletzt Jason Segel danken, der ja bereits in “Forgetting Sarah Marshall” seine Liebe zu der einzigartigen Musikpuppenshow deklariert hatte, indem er ein Muppet-Dracula-Musical entwarf. Zusammen mit seinem Schreibkollegen und besten Kumpel Nicholas Stoller schrieb er das Drehbuch, musste aber lange warten, bis das Konzept und damit auch der Film endlich in Angriff genommen wurde.

Frühe Muppets Puppenspieler kritisierten den Film

Auch wenn es im Vorfeld von einigen früheren Puppeteers (also den Menschen, die hinter den Muppets stecken) etwas Kritik gab was die Prämisse des Films angeht (Frank Oz hatte sich bitterlich darüber beschwert, dass die Muppets sich niemals einfach so trennen würden), muss man sich keine Sorgen machen, seine Lieblingsfiguren nicht mehr wieder zu erkennen.

Denn Segels und Stollers Charakterzeichnung ist hervorragend, von ein paar goldenen Momenten mit Fozzis schlechten (aber gar nicht so schlechten) Witzen, bis hin zu einzelnen Dialogzeilen und Momenten, die absolut ins Schwarze treffen (etwa der zynische Floyd, bis hin zum mit Muppets vollgestopften Auto, das liebevoll an die ersten Filme erinnert). Segel und Stoller haben einen Liebesbrief an die Muppets geschrieben, diejenigen, die mit den Muppets groß geworden sind, werden sich in Walter wiederfinden, der voller Staunen in das bunte Treiben eingeführt wird und auch Neuankömmlinge werden mit einer eigenen, finalen, fast 20-minütigen Muppet Show im klassischen Stil belohnt, die das Studio retten soll.
Man muss sich daher schon fragen, ob Oz und Co denselben Film wie wir gesehen haben, oder einfach nur eingeschnappt sind, dass Segel und Stollers Drehbuch zuerst angenommen wurde.

Nicht zuletzt schaffen es auch Amy Adams, Jason Segel und Chris Cooper als Bösewicht des Stückes, mit wunderbar überzogenen Darstellungen eine kleine Märchenwelt zu kreieren, in der keine Gags über die Köpfe der Kinder hinweg ziehen, sondern der Humor auf allen Ebenen funktioniert und gerade daher tatsächlich großartig ist.

Deutsche Synchronisation lässt zu wünschen übrig

Der einzige Haken lässt sich dann glücklicherweise auch nur in der deutschen Version nennen: die Synchronisation ist nachlässig und schlecht ausgeführt, während Jason Segel mehrmals bewiesen hat, dass er kein Sänger ist und gerade dadurch charmant durch seine Songs stolpert, hat man in der deutschen Version einen schnulzigen Popsänger ans Mikro gelassen, der zusammen mit der leider nicht halb an Amy Adams reichenden weiblichen Synchronstimme nicht verstanden zu haben scheint, dass die Musicalnummern vor allem durch ihre überzogene Dramatik witzig sein sollen und nicht durch gesangliche Höhepunkte.
Dass die deutschen Muppetstimmen größtenteils die sind, die man auch aus der Show von damals kennt, kann man dem Team jedoch hoch anrechnen, da es bei den Muppets auch nicht so sehr auf die Mund-Bewegungen ankommt, fällt bei ihnen daher auch nicht die doch sehr schlecht gehandhabte “Synchronisation” auf, die bei den Schauspielern fast schon ablenkend wirkt (vor allem beim Gesang).

Wer also die Gelegenheit hat, der sollte unbedingt auf die deutsche Version verzichten und sich die Originalversion ansehen, aber auch wenn man mit den Kindern oder alleine in die synchronisierte Fassung geht, der Plot, das Drehbuch und die visuellen Gags sind allemal genug, um den Film dennoch vollends zu genießen und sehnsüchtig an die Zeit zu denken, als sie noch im Fernsehen liefen.

Was wohl der Urvater der Muppets dazu sagen würde? Ich hoffe, dass er genauso glücklich mit dem Film wäre, wie ich und wahrscheinlich ein riesiger Haufen anderer Fans es sind.

Die Muppets laufen ab dem 19.1.2012 im Kino.

Regie: James Bobin
Drehbuch: Jason Segel, Nicholas Stoller
Darsteller: Amy Adams, Jason Segel, Chris Cooper, Walter, die Muppets

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Kategorie: Sneak Preview

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