“Die 12 Geschworenen”, ein Film geprägt von einer unheimlichen Intensität. Henry Fonda wird Teil der Aufklärung eines Mordfalles. Im Gegensatz zu den anderen Geschworenen, wagt er ein Blick auf die Details. Plötzlich scheint die Rechtsprechung nicht mehr augenscheinlich.

Schuld oder Unschuld. In “Die 12 Geschworenen” wird über die Zukunft eines 18 jährigen Puertoricaners entschieden. Hat er seinen gewalttätigen Vater erstochen oder nicht? Der Richter fordert eine Entscheidung, 12 Geschworene sind gefragt. 12 Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Charaktere, die kaum Ahnung von Justiz haben, dennoch über Gerechtigkeit befinden sollen.

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Sidney Lumets Die 12 Geschworenen: dramturgisches Meisterwerk

Die Hitze steht im Raum, das Denken fällt schwer. Die beste Kulisse, um sich voreilig einer Entscheidung über Leben und Tod hinzugeben. Dem Angeklagten droht nämlich im Falle eines Schuldspruchs die sichere Todesstrafe. 96 Minuten in der angespannten Atmosphäre eines Geschworenenzimmers, welches mit seiner optischen Erscheinung die Ausweglosigkeit der Situation weiter steigert. Die Dramaturgie des Films ist mit der eines Theaterstückes vergleichbar.

Es gibt eine Art Heldenfigur, Geschworener Nummer 8 Mr. Davis (Henry Fonda). Während sich alle anderen Geschworenen aus unterschiedlichen Gründen sicher sind, der Angeklagte sei schuldig, zweifelt er daran. Nur Mr. Davis sieht ein, dass man erst dann auch wirklich verurteilt werden kann, wenn eine Schuld zu 100% bewiesen ist. Nach und nach sammelt er Beweise, die für eine Unschuld des Puertoricaners sprechen. Stimmten bis auf weiteres alle Geschworenen außer Nummer 8 für schuldig, wird die Liste der Zweifler immer größer.

Henry Fonda leistet Überzeugungsarbeit im Kammerspiel

Die Kernaussage von “Die 12 Geschworenen” ist, dass berechtigtem Zweifeln an einer Schuld nachgegangen werden muss. Objektivität siegt über Subjektivität. Besonders dann, wenn 12 unterschiedliche Charaktere an der Wahrheitsfindung beteiligt sind. Charaktere, die alles abdecken. Vom sportlichen Rugby-Trainer, über einen knallharten Geschäftsmann, bis hin zu einem rassistischen Hitzkopf. Teilweise gravierendes Desinteresse an der Situation und unglaubliche Voreingenommenheit, prägen das Bild dieser Menschen. Hierbei wird das amerikanische Rechtssystem kritisch in den Fokus gerückt. Wie können Laien über Tod und Leben entscheiden? Ist das Gott spielen für Anfänger oder der Versuch das Volk an der Rechtsprechung zu beteiligen?

Die Handlung packt Regisseur Sidney Lumet in eine sehr fokussierte Szenerie. Die Geschworenen werden mit Mimik und Gestik gezeigt, die Kulisse beschränkt sich auf wenige Räume. Durch den Einsatz unterschiedlicher Linsen, schafft Lumet den Eindruck, als würde der Raum sich immer mehr verengen. Bedrückend ohne Ende. Der Regisseur plädiert mit “Die 12 Geschworenen” für Verantwortung und der fachgerechten Aufarbeitung von Fällen in der Justiz. Der Film von 1957 ist ein bedeutender Teil der Filmgeschichte. Im Originaltitel “12 Angry Man”, gelang der Produktion ein weltweiter Erfolg. Vier Oscar- Nominierungen sprechen für sich. Auf jeden Fall sehenswert.

12 Angry Man
Genre: Drama
USA 1957
Regie: Sidney Lumet
Besetzung: u.a. Henry Fonda, John Fiedler, Jack Klugman, Ed Begley, Robert Webber

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