Mary (Miranda Richardson) und Collin (Rupert Everett), ein nicht mehr ganz junges, unverheiratetes Paar aus England, verbringt seinen Urlaub in Venedig. Am touristischen Einheitsprogramm sind sie kaum interessiert; sie irren ein wenig ziellos durch die Gassen und Kanäle der Lagunenstadt, gehen essen, besuchen ein paar alte Kirchen, sitzen in Cafés. Irgendetwas steht zwischen ihnen; ihre Beziehung wirkt erkaltet, erschöpft. Der Zuschauer erfährt nicht, woher sie kommen, wer sie sind. Zwei Fremde in einer Stadt der Fremden.

Umso dankbarer sind sie, als sie eines Abends von dem eleganten Robert (Christopher Walken) aufgegriffen werden: Er will ihnen ein Restaurant zeigen, das noch geöffnet hat. Wenig später lädt Robert das Urlauberpaar in sein Stadthaus ein; dort treffen sie Caroline (Helen Mirren), seine gehbehinderte, scheue Frau. Der Macho und seine unterwürfige Frau faszinieren Mary und Collin. Obwohl sie von ihnen abgestoßen sind, entwickelt sich allmählich eine bizarre, erotische Beziehung zu dem fremden Paar.

“Der Trost von Fremden” basiert auf der gleichnamigen Novelle von Ian McEwan (“Abbitte”). Das Drehbuch stammt von Harold Pinter (Nobelpreis für Literatur 2005). Unter der Regie von Paul Schrader (“Katzenmenschen”) gibt Christopher Walken als Robert einen gentlemanhaften Sadisten. Rupert Everett als Collin passt gut ins Decors (Kostüme: Versace), und die Oscar-Preisträgerin Helen Mirren ist einfach furchterregend. Einzig Miranda Richardson bleibt blass. Die Geschichte läuft langsam an; Schrader widmet dem morbiden Charakter Venedigs viel Zeit. Der barocken Musik Angelo Badalamentis gelingt es, den makabren Kern der Novelle von Anfang an mitschwingen zu lassen. Wenn die Erzählung ihr Tempo dann steigert, trifft die Pointe den Zuschauer nicht unvorbereitet. Dennoch wirkt das Ende schockierend.

Gelegentlich erinnert der Film an “Wenn die Gondeln Trauer tragen” (1973), an einer Stelle spielt er direkt auf den “Tod in Venedig” (1971) an. Damit sind die Grenzen abgesteckt. Ich denke, “Der Trost von Fremden” wird seinen großen Vorbildern gerecht.