Nicolas Vanier ist Abenteurer, Schriftsteller, Umweltaktivist. Sein Film “Der letzte Trapper” ist ein unglückseliger Zwitter.

Berühmt wurde der 1962 im Senegal geborene Franzose für seine Reisen durch arktisches Gebiet und Sibirien. Seine Bücher, die in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre erscheinen, reißen mit ebenso schöner Regelmäßigkeit Millionen Leser mit und sensibilisieren sie für die Probleme der nordischen Weltregionen. Mehrere von Vaniers Expeditionen wurden mit der Kamera dokumentiert; dabei sind einige sehenswerte Dokumentarfilme entstanden.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, ehe Vanier selbst das Filmemachen als adäquates Ausdrucksmittel seiner Passionen entdecken würde – immerhin war er von gewöhnlicher Reiseliteratur schon zum Roman und zum Dokumentarfilm (mit einem Abstecher ins Kinderbuch) gelangt.

“Der letzte Trapper” ist das Ergebnis dieser ersten eigenständigen Filmarbeit Vaniers – und stellt sich als merkwüriger Hybrid dar: Vanier hat sich Norman Winther, einen Trapper aus dem Yukon-Gebiet unterhalb der Rocky Mountains, zum Thema gewählt. Aber statt einen Dokumentarfilm über Winthers Leben zu machen, lässt Vanier den Trapper, seine Lebensgefährtin und alle möglichen anderen – realen – Personen mehr oder weniger fiktive Szenen nachspielen. Wohlgemerkt: Er dreht nicht (wie, beispielsweise, der grandiose “City of God”) einen Spielfilm mit Laiendarstellern. Denn keine der auftretenden Personen spielt etwas anderes als sich selbst. Auch gelingt ihm kein eigenständiger Spielfilm, dessen Epizentrum die Natur selbst wäre – wie beispielsweise Sean Penns “Into the Wild”, der in den letzten Tagen in den deutschen Feuilletons frenetisch gefeiert wurde.

Diese Konstellation erzeugt beim Zuschauen ein leichtes Unwohlsein. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, welche Szenen sich wohl tatsächlich so abgespielt haben könnten, und welche Szenen vollständig dem Drehbuch Vaniers entstammen. Zum Großteil zeigt der Film alltägliche, unspektakuläre Dinge – den Bau einer Holzhütte, das Fallenlegen, die Jagd. Man könnte die pseudo-dokumentarische Herangehensweise hier verschmerzen; ein Dokumentarfilm wird ja auch dramaturgisch zurechtgeschnitten, und auf viel mehr würde es ja nicht herauslaufen. Vorausgesetzt, es bliebe bei den alltäglichen Szenen. Aber zwei Episoden haben so offensichtlich fiktiven Charakter, dass sie die Toleranz des Zuschauers arg in die Bredouille bringen: Einmal wird der Lieblingshund des Trappers überfahren, und die Szene ist so phantastisch zusammengeschnitten, dass es einfach überhaupt nicht mehr “echt” wirkt (und man sich unwillkürlich fragt: Starb denn ein Hund, oder nicht? Ist das wirklich der Hund des Trappers Norman Winther, oder ist es ein dressierter Hund? Ist diese Episode wahr, stellt sie eine wahre Episode nach, oder ist sie nur um der Dramturgie Willen eingefügt?) Ein andermal bricht der Trapper mit seinem Hundeschlitten auf einem zugefrorenen See ein und wird von den Hunden gerettet, wobei die Kamera ihm auch ins Eiswasser folgt.

Natürlich wusste Vanier, was er tat. Und natürlich wusste er um die Vor- und Nachteile des Dokumentar- wie des Spielfilms. Vermutlich würde er sagen, dass sein geskripteter Film mit den aufwändigen Kamerafahrten und der relativ einfachen Erzählweise die Zuschauer unmittelbarer anspricht, als ein Dokumentarfilm – gleichen Inhalts – das täte. Ich weiß es nicht.

“Der letzte Trapper” ist deshalb trotzdem sehenswert; wer weiß, vielleicht hat er ja als Genrehybrid sogar filmgeschichtlichen Wert. Verzeihen Sie mir also, wenn ich ihn zwei Rubriken zuordne: Dokumentation, und, naja, Abenteuer eben.