“Der Goldene Kompass”, die Verfilmung des ersten Teils von Philip Pullmans Trilogie “His Dark Materials” kommt dieser Tage ins Kino.

Ehrlich gesagt, habe ich die Bücher nicht gelesen. Eine Freundin drückte sie mir irgendwann in die Hand, so um die Abi-Zeit, und dann verstaubten sie ein paar Monate auf meinem Fensterbrett; ich fürchte, ich habe sie nicht mal angefangen. Was mir entgangen ist, habe ich erst in den letzten Wochen erfahren, als – wenigstens in den USA – heftige Kontroversen um die Verfilmung der Fantasy-Trilogie ausbrachen. Ich bin ganz schön zerknirscht.

Worum geht’s? In “Der goldene Kompass” entwirft Pullman ein Parallelluniversum, das dem unseren in weiten Teilen ähnelt. Wissenschaften und Technologie werden betrieben, gleichzeitig herrscht eine (christliche) Theokratie. Jeder Mensch hat einen “Daemon”, ein Tierwesen, das ihn begleitet, ein Teil von ihm ist. In dieser Welt wird die dreizehnjährige Lyra in mysteriöse Geheimnisse verstrickt, als ein Freund verschwindet. Bald befindet sie sich auf einer abenteuerlichen Reise rund um die Welt und bekämpft das Magisterium – eine Organisation, der Pullman bewusst römisch-katholische Züge gegeben hat -, das in abscheulichen Experimenten Kinder von ihren Daemonen zu trennen versucht …

“Meine Bücher handeln davon, Gott zu töten.”

Der bekennende Agnostiker Pullman räumte von Anfang an ein, seine düstere Trilogie bewusst als Gegenentwurf zu C.S. Lewis’ “Narnia”-Büchern verfasst zu haben. Während Letzterer plakativ die Christusgeschichte als Fantasy-Märchen nacherzählt, ist Pullmans Ansatz ein religionskritischer. Zuletzt kamen die Harry-Potter-Bücher von Joanne Rowling in die Schlagzeilen, weil sie in einigen christlichen Schulen aus den Bibliotheken verbannt wurden – Kirchliche Gruppen kritisierten das im wahrsten Sinne des Wortes gottlose Hogwarts-Universum. “His Dark Materials”-Autor Pullman geht noch einen Schritt weiter: “Meine Bücher handeln davon, Gott zu töten.” Die amerikanische Catholic League läuft Sturm. Seinen Titel fand Pullman übrigens in Miltons “Paradise Lost”. Er bezieht sich aber auf ein Zitat von William Blake, wonach Milton sein christliches Epos nur schrieb, weil er unbewusst den Teufel bewunderte… Ich muss dringend in die Bibliothek.

Die ersten Kritiken lassen allerdings kaum ein gutes Haar am Film; zumal Weitz schon vor Monaten verkündete, die kontroversen Aspekte deutlich abschwächen zu wollen – er braucht ja ein Publikum! – und im gutchristlichen Amerika scheint selbst seine “weiche” Version nicht besonders anzukommen. Der “Spiegel” zerreißt den Film in seiner aktuellen Ausgabe (49/2007) in gewohnt polemischer Manier. Dabei hatte der “Herr der Ringe” doch bewiesen, das Werktreue und Erfolg an den Kinokassen keinen Widerspruch bilden müssen. Nun war Tolkien aber Christ, und die Orks erinnern selbst in ihren schönsten Kostümen nicht an katholische Priester…

Wie würde das auch aussehen, ein offen atheistischer Film zu Weihnachten.

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