Kein zweiter Horrorschocker hat in den 70er Jahren dermaßen viele Leute ins Kino gelockt und viele davon vor dem eigentlichen Abspann schweißnass und mit zittrigen Händen aus selbem entlassen. Die Rede ist natürlich von Der Exorzist, William Friedkins dämonischem Schocker, der nun endlich in schönstem High Definition-Bild und -Ton erstrahlt.

©flickr/Vintage Movie Posters

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Über den Film selbst muss man kaum noch Worte verlieren: die kleine Regan ist von einem Dämonen besessen. Schauspieler-Mutti Chris MacNeil ist dem Wahnsinn nahe. Der junge und seelisch schwer geplagte Pfarrer Karras muss also exorzieren, mit Unterstützung des ebenfalls sehr dämonisch daher kommenden und Ingmar Bergman-erprobten Schweden Max von Sydow, der mit seiner beeindruckenden Schauspielleistung und Dank Regisseur William Friedkin (French Connection, Leben und Sterben in L.A.) hiermit den Grundstein für seine Hollywoodkarriere legte.

Aber ganz ohne Ironie und sonstigen Flachs: es ist beeindruckend, wie wenig Der Exorzist in den fast vier Jahrzehnten seit seinem Erscheinen an Kraft eingebußt hat, uns Albträume zu bereiten. Viel mehr noch als die weltberühmten Schockszenen um die kleine Regan (gespielt von der damals 13-jährigen Linda Blair) sind es die ruhigen Momente, deren düstere Stimmung mich immer noch schaudern lässt: Pater Karras’ Besuch bei seiner Mutter im Sanatorium. Die pseudo-authentischen medizinischen Test, denen sich die kleine Regan und die hilflose Mutter im Krankenhaus stellen müssen. Und ja, selbst die herbstlichen Blätter, die der Wind um die dunklen Ecken des MacNeil-Anwesens in Georgetown weht, lassen mich immer noch schaudern.

Und die Blu-Ray? Sie enthält alles, was sich das Herz eines Fans nur so erträumt. Mark Kermodes wunderbare Dokumentation The Fear of God (knapp 80 Minuten lang!), Interviews und Audiokommentare mit den Filmemachern, und dazu brandneues HD-Bonusmaterial in Form von Dokus zu den Dreharbeiten (Raising Hell: Filming the Exorcist), dem Drehort und den Unterschieden zwischen der Kinofassung von 1973 und Friedkins Extended Director’s Cut von 2000 (inklusive aufgemotztem Soundtrack und der berühmt-berüchtigten Spiderwalk-Szene).

Last but definitely no least: hat Warner Home Video dem Wunsch der Fans Rechnung getragen und Der Exorzist ansprechend in HD konserviert? Zu meiner Freunde ist die Antwort darauf ein lautes JA! Unter Aufsicht von William Friedkin und Kameramann Owen Roizmann wurde das Originalnegativ neu abgetastet. Schärfe und Kontrast sind hervorragend, die Helligkeit wurde etwas erhöht gegenüber der DVD-Veröffentlichung. Dies tut aber der Stimmung des Films keinen Abbruch. Lediglich ein, zwei leicht veraltete Make Up-Spezialeffekte sind jetzt durch die brillante Klarheit des Bildes besser als solche zu erkennen. Die Filmkörnung wurde bewahrt und nicht -wie es leider immer häufiger vorkommt bei HD-Neuveröffentlichungen von Klassikern- durch einen digitalen Rauschfilter ins Nichts reduziert. Bravo! Und nicht zuletzt auch ein dickes Dankeschön für den atmosphärisch dichten Soundtrack, der im englischen Original als 6.1 DTS-HD Sound ertönt. Ein akustischer wie visueller Leckerbissen. Viel Spaß beim Gruseln!