In den 60er Jahren war „Dark Shadows” eine der abstrusesten Daily Soaps Amerikas, die mit Horror- und Mysteryelementen und mehr als einem Unfall am Set begeisterte. Tim Burton will der Kultserie nun mit einem Kinofilm eine Ode widmen. Ob das gelingt?

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Im Original sollte „Dark Shadows” niemals übernatürliche Elemente beinhalten, doch irgendwann nach einigen Episoden wurden Geister eingeführt und als Vampir Barnabas Collins in der zweiten Staffel das unheimliche Gebäude zum ersten Mal betrat, war damit eine Kultshow geboren, die sich auch heute noch von anderen abhebt.

Vampire, Geister, Monster und Zeitreisen – nichts war zu abstrus für die Show, die ohne Schnitt aufgenommen wurde, so dass die zahlreichen Sprachfehler, vergessene Dialoge und Set-Unfälle in all ihrer Schönheit mit aufs Tape kamen.

1971 lief die letzte Episode der Gruselsoap und rund 41 Jahre später will Tim Burton den Klassiker nun erneut (bereits 1970 und 1971 gab es Kinofilme) auf die Kinoleinwand bringen. Im Cast – wie überraschend: Johnny Depp und Mrs. Burton aka Helena Bonham Carter.

Die Story von “Dark Shadows”

Im 18. Jahrhundert verscherzt es sich der wohlhabende Playboy Barnabas Collins bei einer Hexe, die ihn aus Trotz in einen Vampir verwandelt und ihn zu allem Überdruss auch noch lebendig begräbt.

1972 (ausgerechnet) wird Barnabas wieder befreit und macht sich auf zu seinem Anwesen, das von seinen Nachfahren okkupiert wird, die allesamt dunkle Geheimnisse beherbergen.

Die Crew um Burton ist altbekannt, selbst Danny Elfman gibt den Soundtrack, wobei er sich sehr ins Zeug legen muss, war das Original doch dafür bekannt, überzogen dramatisch zu sein, so dass selbst ein zugezogener Vorhang wie das Ende der Welt erschien.

Geht man vom Trailer aus, muss man sich als Fan des Originals schon Sorgen machen, denn viel von der – zugegeben abstrusen – Story ist wohl nicht übrig geblieben, dass man aus dem Film auch noch eine 70er Jahre Komödie machen musste, die sicher mit vielen Zeitreise-Gags aufwartet, die man schon anderweitig gehört hat, beruhigt den kritischen Filmfan dabei nicht.

Das Original überzeugte durch professionelle Patzer

Der Charme des Originals lag vor allem an dem sehr ernsthaften Professionalismus, der bei den Laienschauspielern genau dann für Lacher sorgte, wenn sie trotz Pannen ihre Rollen durchzogen, alleine, weil die Kamera keine Pause für Aussetzer machte.
Leider scheint Burton das nicht direkt zu übertragen, denn „Dark Shadows” scheint überzogen, viel zu bunt und Burton-esque und albern zu sein, allerdings auf einer selbstironischen Ebene, die schnell langweilig werden könnte.
Anstatt mit der Ernsthaftigkeit eines „Ed Wood” an das Projekt heran zu gehen, sind alle Schauspieler dermaßen überzogen, dass der eigentliche Reiz des Originals verloren zu gehen scheint, auch hätte Burton sich und uns überraschen können, indem er – ähnlich wie die Serie – unbekannte Schauspieler castet, aber auch das wäre wohl zuviel verlangt.

Am Ende wird es sicher ein großer Kinohit, der viel Geld einnimmt und auch gediegene, aber sicher nicht schlechte Kritiken einfährt, denn wenn „Hangover” einen identischen Film als „Hangover 2″ zum Sommerhit des Jahres machen kann, dann kann auch Burton bis in alle Ewigkeit ein und denselben „quirky” Film drehen.
Der Rest besorgt sich einfach das Original für ein absolut umwerfendes Camp-Fest.

Ab dem 10.5.2012 im Kino

Regie: Tim Burton
Drehbuch: Seth Grahame-Smith
Darsteller: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Helena Bonham Carter, Jackie Earle Haley, Chloe Moretz
Musik: Danny Elfman

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