Cronenberg, Meister des internen Turmoils in äußerer Mutation hat sich dieses Mal an ein dystopisch-kritisches Werk von Autor Don DeLillo gemacht. Harte Kritiker aufgepasst: Die Twilight Fans sind unerbittlich.

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Für einen Haarschnitt begibt sich Milliardär Eric Packer (Robert Pattinson) in seiner großräumigen Limousine durch die Stadt, entgegen der Warnung seines Bodyguards, da ein Protest in der Stadt, ein Präsidentschaftsbesuch und ein Verrückter mit Vendetta gegen Eric den Weg erschweren. Auf der Fahrt begegnet er diversen Einflüssen in seinem Leben und unternimmt eine folgenschwere Investition.

Glitzernd und in merkwürdig altmodischen Kameraeinstellungen hat sich Cronenberg des polarisierenden Buches angenommen und einen ähnlich polarisierenden Kinofilm kreiert. Während sich Pattinson zur Pressekonferenz in Cannes um Kopf und Kragen redete, bleibt sein Charakter Erick Packer distanziert, kühl, und beobachtet die Geschehnisse, die sich vor seinen Füßen in der luxuriösen Limousine ausrollen.

Dialogschwer ist „Cosmopolis” eigentlich nichts für den typischen Cronenberg Fan, der bis dato die gute Mischung aus Handlung und Dialog inmitten der menschlichen Abgründe bewundern durfte, die lackierte Dystopie lehnt sich jedoch sehr schwer auf lange Monologe und fühlt sich einiger Kritiker nach dadurch reichlich polemisch und selbstgefällig an. Andere haben allerdings sowohl Pattinson (der für Colin Farrell einsprang) als auch Cronenberg für ihre Arbeit gelobt, am Ende ist es wohl einer dieser Filme, von denen man sich selbst ein Bild machen muss.
Ein eigenes Cronenberg Werk würden wir uns dennoch mal wieder wünschen, immerhin ist es schon mehr als 13 Jahre her, dass wir mit „eXistenZ” eine typische, Cronenberg’sche Innenschau zu verdauen hatten.

Ab dem 2.7.2012 im Kino

Regie und Drehbuch: David Cronenberg
Darsteller: Robert Pattinson, Paul Giamatti, Samantha Morton, Juliette Binoche, Mathieu Amalric
Musik: Howard Shore