Richard Attenboroughs “Chaplin” nimmt die Technik der gegenwärtig beliebten “Biopics” vorweg: Im Guten wie im Schlechten.

Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine 138-minütige Tour de Force durch das Leben der Stummfilm-Ikone. Dazu bedienten die Autoren sich aus zwei Büchern über Chaplin. Dass – in solcher Straffung – einiges auf der Strecke bleiben musste, versteht sich von selbst.

Man merkt dem Film die große Hingabe aller Beteiligten an – allen voran Robert Downey Jr. in der Titelrolle, der für den Oscar nominiert wurde. Er beweist großes Talent als Komiker, und die kleinen, gelegentlich eingestreuten Slapstick-Szenen sind die eigentlichen Höhepunkte des Films. Der übrige Cast kann ebenfalls überzeugen: Paul Rhys (Sidney Chaplin) und Kevin Kline (Douglas Fairbanks) tragen stilechte Zwanzigerjahre-Oberlippenbärtchen, und in einer kleinen Nebenrolle ist die junge Milla Jovovich als Chaplins erste Frau zu sehen. Auch die Ausstattung wird dem epischen Anspruch gerecht; Kostüme und Kulissen erwecken die ersten zwanzig Jahre des vergangenen Jahrhunderts glaubwürdig zum Leben. Hin und wieder bedient der Regisseur sich augenzwinkernd der Techniken des Stummfilms, aber gerade in dem Maße, dass diese Szenen wie kleine Bonbons wirken und die Handlung auflockern. Trotzdem will der Funke nicht so recht überspringen.

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Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen entschied Attenborough (“Gandhi”) sich dafür, Chaplins Lebensgeschichte als Erinnerungsmosaik eines Gesprächs des 73-jährigen Schauspielers mit seinem (fiktiven) Verleger (Anthony Hopkins) auszubreiten. Ein Schuss, der nach hinten losging: Die zwischengeschalteten Dialoge der beiden wirken so unecht und überhöht, dass sie – jedesmal aufs Neue – zuverlässig das Tempo, das der Film gerade wieder aufgenommen hatte, ausbremsen. Dieses Leben hätte noch viel mehr Stoff geboten – und vor diesem Hintergrund wirken einige der erzählten Episoden willkürlich: Wieso Chaplins ersten drei Frauen soviel Platz einräumen? Ganz Kind der Neunziger, versteift der Film sich gelegentlich allzu sehr auf das Thema Sex. Dafür bekommt man von Chaplins elf Kindern bloß zwei zu sehen. Wenn der junge, aber beispiellos erfolgreiche Filmemacher in sein Studio fährt, erwarten ihn applaudierend seine Mitarbeiter; was nicht sehr glaubwürdig wirkt: Chaplin war nicht nur Perfektionist, sondern auch recht ungnädig gegenüber seinen Angestellten.

Alles in Allem ist “Chaplin” sicher sehenswert, taugt aber aufgrund seiner inhaltlichen Schwerpunkte, die das Leben Chaplins bestenfalls fragmentarisch wiedergeben, nur als Unterhaltungsfilm. An cineastische Biographien wie Scorseses “Aviator” reicht er nicht heran.