Kino, neue Filme & Schauspieler

Kategorie "Cinemathek"

Anleitung zur Coolness

Autor: Fin
3 Dez
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“Die Nacht war schwarz wie eine Wagenladung Arschlöcher.”

Dieser Satz - er wurde in einem Aufsatz über Hard-boiled-Geschichten als besonders bizarre Stilblüte zitiert - fasst das Genre brillant zusammen: Schwarz, bitter, lakonisch. (Bitter & lakonisch ist auch meine Quellenangabe - ich hab’ vergessen, woher er stammt.)

The Maltese Falcon” war schon die dritte Verfilmung des 1930 erschienen Romans von Dashiell Hammett. Die Geschichte kommt mit einer Handvoll undurchsichtiger Figuren aus; im Zentrum steht der Privatdetektiv Sam Spade (Humphrey Bogart). Spade betreibt mit seinem Partner Archer ein kleines Detektivbüro. Eines Tages kreuzt die hübsche Miss Wonderly auf. Für 200$ beauftragt sie die Detektive, den Liebhaber ihrer Schwester zu beschatten. Archer übernimmt die Aufgabe - und ist in derselben Nacht tot. Spade gönnt sich daraufhin erstmal einen Drink; sodann macht er sich auf, den Tod seines Partners aufzuklären. Vorher beendet er noch schnell die Beziehung zu dessen Frau - die könnte der Polizei doch sehr verdächtig erscheinen - und lässt den Schriftzug auf der Bürotür von “Spade & Archer” in “Sam Spade” ändern.

Früher hätte man die Auflösung ruhig verraten können, weil jeder den “Malteser Falken” gelesen hatte; heute lässt man’s besser sein - sowohl Hammett, als auch die Filme des kongenialen John Huston, harren ihrer Wiederentdeckung. “The Maltese Falcon” brachte für Humphrey Bogart, der bis dahin auf Bösewichte abonniert war, den Durchbruch. Seine Darstellung Spades ist bis heute unübertroffen. Ein Jahr später, mit “Casablanca”, sollte Bogart den Typus des zynischen, aber moralisch integren Helden perfektionieren. Neben Bogarts lässigem Spiel zeichnet sich die Neuverfilmung des Stoffes durch eine Werktreue aus, die vorige Adaptionen nicht gerade aufwiesen: Huston übernimmt praktisch alle Dialoge wortwörtlich aus dem Buch. Die Wortwechsel sind schnell und pointiert; in manchen Szenen werfen sich die Darsteller die Bälle nur so zu. Dass dies möglich war, ist der knappen, spröden Sprache Hammetts (den manch Einer für den besseren Hemingway hielt) zu verdanken. Seinen größten Erfolg feierte der Schriftsteller übrigens nicht mit dem “Malteser Falken”, sondern mit dem “Dünnen Mann“, der ebenfalls sehr erfolgreich verfilmt wurde.

Ich habe den Film gerade, nach rund zehn Jahren, wieder gesehen; keine Ahnung, wie das passieren konnte. Jetzt wird er gekauft. Cooleres Kino gibt’s nicht.

PS. - Wer wissen möchte, wie Trailer anno 1941 aussahen, erfährt das hier.

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Ledergesicht, ein amerikanischer Mythos

Autor: Fin
1 Dez
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Hui, “The Texas Chainsaw Massacre”: Das Internet ist mit Berichten über diesen Film übersättigt.

Auffällig ist, das die meisten dieser Artikel (mit Ausnahme einiger weniger) verzweifelt darum bemüht sind, das “Kettensägenmassaker” von seinem miserablen Ruf zu befreien. Tatsächlich enthält der Horrorstreifen, der jahrelang auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stand, nur sehr wenige konkrete Gewaltszenen - das meiste wird angedeutet. Dass der Ruf des Films sich selbst produziert hat, etwa so, wie bei der “Stillen Post” eine Botschaft immer weiter und weiter bis zur völligen Unkenntlichkeit verändert wird - darauf will ich hier nicht eingehen.

Tobe Hoopers zweite Regiearbeit erzählt langsam, eigentlich träge. Zeitweise wirkt der Film wie ein Roadmovie; nur die (hervorragende) Kamerarbeit von Daniel Pearl verrät, wohin es geht: Ständig trostlos wirkende, öde Totalen, bizarre Perspektiven, und - immer wieder: Die Sonne, die Hitze, das Flimmern. Die Bildsprache ist beeindruckend, beklemmend, und kreiert eine bizarre Atmosphäre, zu der auch die (verhaltene) Musik beiträgt. Wenn der Film sein Monster dann auf die Jugendlichen (und auf den Zuschauer) loslässt, überrascht gerade dessen Unbeholfenheit: Leatherface ist bloß ein Mensch, wenn auch ein geistesgestörter. Er wird nicht in Szene gesetzt wie der Teufel in “Rosemarie’s Baby” (1967) oder die Blutsauger in “Blut für Dracula” (1966) - der Horror ist absolut real, fast schon linkisch. Leatherface ist nicht gerade ein Feinmotoriker, und hin und wieder mag der Zuschauer sich dabei ertappen, so etwas wie Mitleid mit dem Monster zu haben. Zumal seine Familie das pervertierte Ideal einer amerikanischen Arbeiterfamilie darstellt; alle haben sie früher in den Schlachthöfen gearbeitet, ehe das Töten maschinisiert wurde. Im Grunde genommen machen sie das, was sie immer getan haben: Töten, mit dem Hammer, der Säge; sie hängen ihre Opfer auf den Fleischerhaken oder legen sie in die Tiefkühltruhe. Bloß sind es jetzt keine Rinder mehr, sondern Menschen. In dieser Hinsicht stellt der Film also, man mag es kaum glauben, eine regelrecht gesellschaftskritische Frage: Was geschieht mit denen, die von der Moderne überrannt werden?

Daneben hat der Film, mit ein paar anderen (”Beim Sterben ist jeder der Erste”, 1972; “Southern Comfort“, 1981) ein kleines Subgenre begründet, das sich in den letzten Jahren wieder wachsender Beliebtheit erfreut: Der “Redneck-Horror”. Meint: Menschen aus der Stadt etc. kommen ins Hinterland, legen sich mit den dort hausenden Kerls an und werden von ihnen totgehauen. Wes Cravens “The Hills have Eyes” (1977) oder “Wolf Creek” (2005) bedienen sich dieses simplen Schemas. Ein wirkungsvoller, oft missverstandener Horrorfilm, der das Genre nachhaltig geprägt hat. Inzwischen ein halbwegs rehabilitierter Klassiker. Sehenswert.

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Der Weihnachtsmann treibt es im Pool

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“Bad Santa” (2003): Billy Bob Thornton, die Zweite.

Der Weihnachtsmann ist so besoffen, dass er es nicht mal bis zu seinem Stuhl schafft. Irgendwie hievt er sich dann doch hoch, sitzt zusammengesunken auf der Bühne, unrasiert, nur halb bei Bewusstsein, und hört sich die Wünsche der Kinder an. Willie T. Stoke (Billy Bob Thornton) ist, soviel wird rasch klar, kein Kaufhaus-Weihnachtsmann aus Leidenschaft. Der notorische Trinker und Frauenheld schlüpft in das rote Kostüm, weil es ihm Zugang verschafft zu den Tresoren der Kaufhäuser. Statt Geschenke zu bringen, raubt der Weihnachtsmann uns aus - ein “Bad Santa”, fürwahr!

“Bad Santa” ist eine tolle - und längst überfällige - Satire auf die Weihnachtsindustriefreude. Thornton ist sein Vergnügen am saufenden, kinderhassenden, sexsüchtigen Weihnachtsräuber jederzeit anzusehen. Ein boshafter, gemeiner Weihnachtsfilm. Regisseur Terry Zwighoff rächt sich im Namen aller genervten Erwachsenen dieser Welt am Diktat des rotweißen Kitschs. Mein persönlicher Pflicht-Adventsfilm.

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War da was?

Autor: Fin 0 Kommentare

Alle sind Sünder, ausnahmslos: Billy Bob Thornton, die Erste.

Gerechtigkeit gibt’s nicht. Und wenn der apathische, kettenrauchende Friseur (Billy Bob Thornton) die erstbeste Gelegenheit ergreift, um seinem trostlosen Dasein zu entfliehen, dann steht am Ende unweigerlich der Tod. Die Coen-Brüder haben schon mit ihrem Debüt “Blood Simple” (1984) bewiesen, dass sie brillante Krimis in Noir-Tradition inszenieren können. “The Man who wasn’t there” ist klassisches amerikanisches Erzählkino der 40er-Jahre, manche Stellen könnten von John Ford sein, andere von Huston oder Hitchcock. In brillantem Schwarz-Weiß, das zunehmend düsterer wird, verfolgt der Film seine tragischen Charakter, und wäre da nicht Thorntons lakonischer Kommentar aus dem Off, die Inszenierung würde zuweilen an eine Versuchsanordnung erinnern: Man nehme einen Haufen kaputter Charaktere, zu gleichen Teilen Geld und Sex, und ein paar Stücke von Beethoven. Was dabei rauskommt? Einer der besten Filme der letzten Jahre. Wer sich für die Romane von Jim Thompson oder Dashiell Hammett begeistern kann, wird “The Man who wasn’t there” lieben.

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Ein warmes Plätzchen

Autor: Fin 0 Kommentare

“Man is the warmest place to hide”

Als John Carpenter sein Remake des 50er-Horrorfilmchens “Das Ding aus einer anderen Welt” (USA, 1951) in die Kinos brachte, war er auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt: “Halloween - Die Nacht des Grauens” (1978) hatte ein Genre begründet; “The Fog” (1979) war ein handwerklich perfekter Gruselfilm; “Die Klapperschlange” (1980) wies dem angestaubten Actionkino neue Impulse. “The Thing” war Carpenters erster Film für ein großes Studio (Universal) - und floppte. Es gibt zwei denkbare Begründungen für den kommerziellen Misserfolg des Films. Zunächst ist “The Thing” ein relativ brutaler Streifen, die Splattereffekte sind für eine Mainstream-Produktion ungewöhnlich explizit. Und dann war da “E.T.” - Spielbergs Parabel vom freundlichen Außerirdischen kam zwei Wochen vor Carpenters boshaftem Horror in die Kinos. Vielleicht hatte man einfach keine Lust auf menschenfressende Aliens?

An der Qualität kann es jedenfalls nicht gelegen haben. “The Thing” ist einer der perfektesten Horrorfilme, die ich gesehen habe. Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird auf einer antarktischen Forschungsstation von einem außerirdischen Organismus angegriffen, der beliebig von einem Körper in den nächsten wandern kann. Die Geschichte bezieht ihre Spannung aus der Frage, wer “infiziert” ist und wer nicht. Das Original war ein Schaf im Wolfspelz: Die Science-Fiction-Story “Who goes there?” von John W. Campbell lieferte bloß einen Vorwand für eine antikommunistische Parabel und fügte sich politisch korrekt in die McCarthy-Ära. Carpenter steigert die Grundelemente der Geschichte - Klaustrophobie und Paranoia - bis an die Grenzen des Erträglichen. Die panische Atmosphäre sucht ihresgleichen. Von Anfang an ist klar, dass alle Wissenschaftler dem Tod geweiht sind. Hoffnung gewährt “The Thing”, im Gegensatz zu Kubricks “Shining” (1980), nicht. Die berüchtigten Splatterffekte von Rob Bottin ergänzen die Handlung gut; sie geraten nicht zum Selbstzweck, und Ennio Morricones reduzierte Synthesizerklänge tragen maßgeblich zur Spannung bei.

Carpenter hat mit “The Thing” bewiesen, dass er ein Meister der kleinen Plots ist: Die Handlung seiner besten Filme kann man auf einem Kaugummipapier zusammenfassen. Die Spannung, die “The Thing” aufbaut, sucht ihresgleichen. Ein weiterer Pluspunkt sind die - handgearbeiteten - Effekte. Im Gegensatz zu digitalen Effekten sieht man ihnen ihr Alter nicht an; sie wirken heute noch genauso intensiv wie 1982. Der Film wurde erst auf VHS (und später auf DVD) ein Erfolg und ist heute einer der beliebtesten Filme Carpenters. Inzwischen gibt’s sogar ein Lego-Remake.

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Der Dünne Mann

Autor: Fin 0 Kommentare

Seit zwei Jahren gibt es eine der besten Krimi-Serien überhaupt auf DVD, und zu meiner Schande muss ich gestehen, ich hab’s nicht gemerkt. Aber was sind zwei läppische Jahre gegen 73, seit der erste Teil erschien? Na bitte.

Worum geht’s?

Der - von Dashiell Hammett erdachte - Privatdetektiv Nick Charles (William Powell) hat vor ein paar Jahren die steinreiche Nora (Myrna Loy) geehelicht. Seitdem hält er nicht mehr viel davon, seinen Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, und verbringt die Tage mit Frau, Mr. Asta (seinem Hund) und jeder Menge Cocktails. Trotzdem wird er immer wieder in Mordfälle verstrickt, deren Aufklärung ihm aber nicht mehr Schwierigkeiten bereitet als das Mixen eines anständigen Wodka Martini.

Welche Filme gibt’s?

  • Mordsache dünner Mann (1934)
  • Nach dem dünnen Mann (1936)
  • Noch ein dünner Mann (1939)
  • Der Schatten des dünnen Mannes (1941)
  • Der dünne Mann kehrt heim (1945)
  • Das Lied vom dünnen Mann (1947)

Warum sollte man sich die Dünner-Mann-Filme ansehen?

Der “Dünne Mann” ist klassisches, vergnügliches Hollywood-Kino der Dreißigerjahre; die Dialoge zwischen Nick und Nora sind köstlich; und - ich geb’s zu - auch das Mörderraten macht hier noch richtig Spaß. Meiner Meinung nach eine der lustigsten Filmserien überhaupt.

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In Venedig stirbt sich’s schöner

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Mary (Miranda Richardson) und Collin (Rupert Everett), ein nicht mehr ganz junges, unverheiratetes Paar aus England, verbringt seinen Urlaub in Venedig. Am touristischen Einheitsprogramm sind sie kaum interessiert; sie irren ein wenig ziellos durch die Gassen und Kanäle der Lagunenstadt, gehen essen, besuchen ein paar alte Kirchen, sitzen in Cafés. Irgendetwas steht zwischen ihnen; ihre Beziehung wirkt erkaltet, erschöpft. Der Zuschauer erfährt nicht, woher sie kommen, wer sie sind. Zwei Fremde in einer Stadt der Fremden.

Umso dankbarer sind sie, als sie eines Abends von dem eleganten Robert (Christopher Walken) aufgegriffen werden: Er will ihnen ein Restaurant zeigen, das noch geöffnet hat. Wenig später lädt Robert das Urlauberpaar in sein Stadthaus ein; dort treffen sie Caroline (Helen Mirren), seine gehbehinderte, scheue Frau. Der Macho und seine unterwürfige Frau faszinieren Mary und Collin. Obwohl sie von ihnen abgestoßen sind, entwickelt sich allmählich eine bizarre, erotische Beziehung zu dem fremden Paar.

Der Trost von Fremden” basiert auf der gleichnamigen Novelle von Ian McEwan (”Abbitte”). Das Drehbuch stammt von Harold Pinter (Nobelpreis für Literatur 2005). Unter der Regie von Paul Schrader (”Katzenmenschen”) gibt Christopher Walken als Robert einen gentlemanhaften Sadisten. Rupert Everett als Collin passt gut ins Decors (Kostüme: Versace), und die Oscar-Preisträgerin Helen Mirren ist einfach furchterregend. Einzig Miranda Richardson bleibt blass. Die Geschichte läuft langsam an; Schrader widmet dem morbiden Charakter Venedigs viel Zeit. Der barocken Musik Angelo Badalamentis gelingt es, den makabren Kern der Novelle von Anfang an mitschwingen zu lassen. Wenn die Erzählung ihr Tempo dann steigert, trifft die Pointe den Zuschauer nicht unvorbereitet. Dennoch wirkt das Ende schockierend.

Gelegentlich erinnert der Film an “Wenn die Gondeln Trauer tragen” (1973), an einer Stelle spielt er direkt auf den “Tod in Venedig” (1971) an. Damit sind die Grenzen abgesteckt. Ich denke, “Der Trost von Fremden” wird seinen großen Vorbildern gerecht.

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Anleitung zum Unschuldigsein

Autor: Fin 0 Kommentare

Der kleine Ensemblefilm “Stealing Beauty” (dt.: “Gefühl und Verführung”) ist eines der weniger bekannten Werke Bernardo Bertoluccis (”Der letzte Tango in Paris”, “Die Träumer”). Erzählt wird die Geschichte der 19jährigen Amerikanerin Lucy, die den Sommer in einer Künstlerkolonie in der Toskana verbringt. Sie möchte eine Jugendliebe wiedertreffen. Und den Mann finden, der ihr Vater ist …

Bertolucci lässt sich viel Zeit für die Geschichte; immer wieder verweilt die Kamera auf der idyllischen Landschaft. Aber “Stealing Beauty” ist zu keinem Zeitpunkt langweilig. Bertolucci konnte eine Vielzahl internationaler Schauspieler für sein Projekt begeistern: Neben anderen Jeremy Irons, Rachel Weisz, Jean Marais und Ralph Fiennes. Die Entdeckung des Films aber war die 19jährige Liv Tyler, der damit der internationale Durchbruch gelang.

Dem einstigen Skandalregisseur ist ein kleiner, eleganter Coming-of-Age-Film gelungen, dem man höchstens vorwerfen kann, dass er ein bisschen zu idyllisch wirkt. Erwähenswert ist auch der hervorragende Soundtrack, der neben klassischen Stücken (Mozart) auch ein paar 90er-Bands wie Mazzy Star und Portishead enthält.

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Berlin, von unten

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Mit “Sommer vorm Balkon” hat Andreas Dresen (”Willenbrock”) eine wunderbar leichte Komödie geschaffen, die im zeitgenössischen deutschen Film ihresgleichen sucht. Der ungewöhnliche Film lebt vom großartigen Spiel seiner Hauptdarstellerinnen Inka Friedrich und Nadja Uhl.

Worum geht’s? Die Freundinnen Katrin (Friedrich) und Nike (Uhl) wohnen in demselben Altbau irgendwo in Berlin; Katrin ist arbeitslos, geschieden und Mutter eine zwölfjährigen Jungen, Nike schlägt sich als mobile Altenpflegerin durch. Ihre Abende verbringen sie gemeinsam auf Nikes Balkon. Bis der Fernfahrer Ronald (Andreas Schmidt) in ihr Leben tritt, indem er Katrin fast überfährt. Nike fängt was mit ihm an; aber will sie ihn wirklich? Die Beziehung der beiden Frauen wird durch den Auftritt des markanten Proleten empfindlich gestört. Katrin fängt an zu trinken und beschert sich damit einen Haufen Probleme…

Der Posterspruch bringt es auf den Punkt: “So ist das Leben. Aber wirklich!” Irgendwo zwischen Komödie und Tragödie entwickelt “Sommer vorm Balkon” seine reichlich unspektakuläre Geschichte. Nichts wirkt übertrieben oder konstruiert. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass es genau so gewesen sein muss: Die kleine Berliner Straßenkneipe, die Rollenspiele beim Arbeitsamt mit anschließender Fragerunde, der Alte, der den Kaffee versteckt und die erste, unglückliche Liebe von Katrins Sohn.

Dresen erzählt seine Geschichte konsequent aus Sicht der beiden Freundinnen, die sich mit wunderbarer Chuzpe durchschlagen, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Ein Film, den man schwerlich nicht mögen kann.

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