Kino, neue Filme & Schauspieler

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Der Baader-Meinhof-Komplex. Rezension

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“Der Baader-Meinhof-Komplex” ist ein rasanter Actionkrimi; spannend inszeniert, hervorragend produziert, mit fabelhaften Schauspielern besetzt.

Als deutlich Nachgeborenen lässt mich der Film allerdings, trotz seiner diversen Stärken, ziemlich ratlos zurück: Uli Edel beschränkt sich größtenteils auf die Ereignisse, d.h. die Bombenattentate, Brandstiftungen, Entführungen, Morde et cetera
der RAF, führt den Zuschauer aber zu wenig in die Tatsachen, also die sozialhistorischen Hintergründe des Terrorismus, ein.

Wir erfahren sehr wenig über die Ereignisse von 1968 - und das wenige, was wir erfahren, kommt in Form von schnell geschnittenen Nachrichten-Collagen daher; wir sehen also eigentlich nur dieselben Fetzen und Bruchstücke, die wir bereits aus dem Fernsehen kennen, erneut, ohne Erklärung, ohne Interpretation, kurzum: ausgesprochen karg. Daher eignet sich der Film weder als Dokument der Aufarbeitung noch als Einführung in die Geschichte der Baader-Meinhof-Gruppe.

Er ist, zynisch ausgedrückt, historisch inspiriertes Popcornkino.

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Wüste Langeweile

Autor: Christophe Braun 0 Kommentare

Dass Matthias Schweighöfer in der Auswahl seiner Projekte kein sicheres Händchen beweist, daran besteht wohl kein Zweifel mehr. Aber “Fata Morgana” ist in dem Zusammenhang schon eine ganz eigene Klasse.

Der Film ist öde bis zum Einschlafen. Der einzige, der seinen Job noch halbwegs verlässlich meistert, ist der Kameramann - der Wüstenbilder wegen verdient es der Film, im Archiv eines Geographie-Clubs (am Besten im letzten staubigen Karton, der mit “Exotisches” beschriftet ist) verwahrt zu werden; bis in alle Ewigkeit.

Jedenfalls, wenn ich den Inhalt hier wiedergebe, dann erfordert schon die deutsche Grammatik, dass ich etwas hinzufüge - nämlich ein Verb: Das wäre unkorrekt, darum erspare ich mir die Inhaltsangabe. Kurz gefasst: Es passiert - nix. Zwei Studenten rödeln in ihrem hässlichen Jeep einem schrägen Franzosen durch die Wüste hinterher und erkunden die gruseligen Untiefen ihrer Psyche etc.

Wer weiß, hätte Michael Haneke den Film gemacht, vermutlich wäre was draus geworden. Naja, mit anderen Darstellern, versteht sich. Denn die, die Simon Groß in seinem Regiedebüt auf das, äh, spartanische Drehbuch loslässt, sind einfach … uninteressant. Mit Knetpuppen wäre der Film spannender gewesen.

Womit wir bei Peter Jackson wären. Dessen “Meet the Feebles” ist geschmacklos, strotz aber vor Handlung - ok, die ist bescheuert - aber man schläft nicht ein.

Was bei Filmen insgesamt ein nicht zu verachtender Faktor ist.

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Russischer Rupfkuchen

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Viggo Mortensen und David Cronenberg sind eines der besten Paare, die sich vor (bzw., vor und hinter) der Leinwand zusammengefunden haben. Demenstprechend fantastisch ist ihr - nach “A History of Violence” zweites - gemeinsames Werk “Eastern Promises”, zu deutsch “Tödliche Versprechen”.

Der Film, im Prinzip ein konventioneller Thriller, spielt im Milieu der russischen Mafia in London. Als das Kind einer minderjährigen Zwangsprostituierten geboren wird, stellt die Hebamme (Naomi Watts) Nachforschungen an - und landet bei einem undurchsichtigen Restaurantbesitzer (Armin Mueller-Stahl), dessen Sohn (Vincent Kassel) und dem Fahrer (Viggo Mortensen). Aber die Herren sind (versteht sich) durchaus nicht das, wofür sie sich ausgeben…

Während “A History of Violence” noch in einer relativ episodenhaften Erzählweise verhaftet war, gelingt Cronenberg mit “Eastern Promises” ein epischer, gelassener, zynischer Gangsterfilm, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hat.

Der Film scheut sich nicht vor drastischen Bildern, aber insgesamt dominiert ein ruhiger, selbstbewusster Duktus; eine Moll-Tonart, die den Darstellern viel Freiraum für eigene Improvisationen lässt. Einer der reifsten, selbstsichersten Cronenberg-Filme insgesamt. Mortensen hätte den Oscar ruhig mit heimnehmen dürfen …

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Feelgood für Realisten

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Das große Verdienst Mike Leighs ist es, in seinen Filmen behutsam, aber eindringlich daran zu erinnern, dass die soziale Frage noch längst nicht beantwortet worden ist

Happy-Go-Lucky” ist das “Amélie”-ähnlichste, wozu Leigh imstande ist: Ein im Prinzip realistischer Film,  aber grellbunt und unverschämt gut gelaunt. Der Film berauscht sich an seiner Protagonistin, die es mit ihrer fabelhaften Weltentrücktheit schafft, ihre Umgebung zu verzaubern - obwohl dazu meistens durchaus kein Anlass besteht. Man geht ins Kino und erwartet das Portrait einer Irren - und kommt heraus mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Vielleicht hat Poppy gar nicht mal Unrecht …

Poppy ist einfach ständig gut drauf. Und: Sie lässt sich ihre famose Laune auch durchaus von niemandem vermiesen. Als ihr das Fahrrad gestohlen wird, bedauert sie nur, dass sie sich nicht richtig verabschieden konnte. Ihr Optimismus ist freilich eine Art, das Leben erträglicher zu machen: Poppy ist Grundschullehrerin in einem Londoner Arbeiterviertel, und - im Gegensatz zu Jean-Pierre Jeunets Pariser Kellnerin - sieht sie alles andere als bloß die Zuckerseite des Lebens. Aber irgendwie schafft sie es, jeder Situation das Beste abzugewinnen. Im Gegensatz etwa zu ihrem cholerischen Fahrlehrer, der sich längst aufgegeben hat.

Poppy-Darstellerin Sally Hawkins erhielt für ihr grandioses Spiel zu Recht den Silbernen Bären. “Happy-Go-Lucky”, den die Kinoprospekte ein Feel-Good-Movie nennen, ist genau das - für Realisten. Alle andern schauen Amélie.

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Hollywoods letzter Held

Autor: Christophe Braun 2 Kommentare

In den letzten Jahren erlebt der Superheldenfilm eine Renaissance, mit der lange Zeit niemand gerechnet hätte. Zu verdanken ist das allen voran dem “Evil Dead“-Macher Sam Raimi, dessen “Spiderman”-Filme (angeblich) das Beste sind, was bis dato im Genre geschaffen wurde. Naja. Als der erste Teil herauskam, habe ich irgendwo gelesen, dass die Szene, in der Peter Parker sich im Spinnennetz-Schießen übt, auch allegorisch verstanden werden kann als das sexuelle Erwachen eines jungen Mannes.

Wow. Danke, Sam Raimi.

Jedenfalls, man kann es diesen Zeilen vielleicht entnehmen, stehe ich dem Superheldenfilm grundsätzlich etwas skeptisch gegenüber. Was aber gewiss nichts an dessen überragendem Erfolg ändern kann - wer hört denn auf mich? Nicht mal mein Meerschweinchen.

Es war höchste Zeit, dass der letzte verbliebene Kassenmagnet Hollywoods (der Titel seines letzten Blockbusters, “I am legend”, deutete das ja schon an) sich mal in dem Genre versucht. Das Ergebnis heißt “Hancock“, und der Kerl schaut einen momentan von jeder zweiten Litfaßsäule aus missmutig an.

Will Smith ist eigentlich ein Clown, obwohl er in verblüffend wenig reinen Komödien mitgemacht hat. Dementsprechend ist das Konzept von “Hancock” ein komödiantisches: Der Superheld, der auf seinen vermeintlichen Auftrag pfeift und sich lieber volllaufen lässt, und zwar auf der erstbesten Parkbank. Kein Strahlemann wie Superman, kein düsterer Rächer wie Batman, sondern schlichtweg einer, dem all das gründlich am Arsch vorbeigeht. Für einen solchen wird er folgerichtig auch von den meisten Menschen gehalten - was im Übrigen mit den nicht geringen Kollateralschäden zusammenhängen mag, die seine gelegentlichen Einsätze verursachen.

Das Drehbuch will’s, dass dieser Hancock, den eigentlich keiner so richtig leiden mag, an einen PR-Berater gerät, und dieser macht es sich zur Aufgabe, das Image des Arschlochs aufzupolieren.

Soweit, so gut: Daraus könnte man doch eine fabelhafte Komödie machen. Leider dachte der Autor des Films, er müsste noch ein bisschen tragische Tiefe etc. einbauen, und so kommts, dass etwa ab der Mitte ein zweiter, ziemlich absurder Handlungsstrang beginnt, der die Dramaturgie gründlich verdirbt. Letzten Endes können weder die schlappen Dialoge noch die - offensichtlich entsetzlich teuren - Spezialeffekte den Film tragen: Aber die Schauspieler, und allen voran eben Mr. Smith.

Der Mann ist auf der Leinwand dermaßen präsent, dass er auch eine hanebüchene Geschichte mal eben über zwei Stunden Spielfilmlänge tragen kann. Und so scheint die Prognose, dass sich der alte Will-Smith-Fluch, der da heißt, dass ein Film, in dem der ehemalige Prinz von Bel Air mitspielt, unweigerlich zum Kassenerfolg werden wird, auch bei “Hancock” durchaus angebracht. Obwohl der Film, offengestanden, nicht mehr als durchschnittlich ist.

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Willkommen in der Vorstadthölle

Autor: Christophe Braun
9 Jul
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Stellen Sie sich vor, die Autoren von “American Beauty” und “Donnie Darko” würden gemeinsam einen draufmachen, und dann, irgendwann gegen vier Uhr morgens, auf fleckigen Papierservietten ein gemeinsames Drehbuch entwerfen. Der resultierende Geniestreich dürfte Arie Posins Erstling “Chumscrubber” ähneln: Ein rabenschwarzer, boshafter Film über das Aufwachsen ganz normaler (?!) Jugendlicher in der ganz gewöhnlichen amerikanischen Vorstadthölle.

Denn darum geht’s in “Chumscrubber”: Dean (Jamie Bell in einer tanzlosen Rolle) findet seinen besten Freund Troy erhängt auf. Auf den ersten Blick scheinen alle Beteiligten den Selbstmord gut verarbeiten zu können: Troys Mutter (Glenn Close) etwa ruft systematisch alle Nachbarn an und versichert ihnen, dass sie sie nicht für den Selbstmord ihres Sohnes verantwortlich macht. Deans Vater, erfolgreicher Autor populärpsychologischer Ratgeber, wittert in Troys Tod gar ein interessantes Thema. Troys Mitschülern dagegen - Dean inklusive - scheint der Unglücksfall regelrecht egal zu sein. Jedenfalls für ein paar Stunden: Denn dann treten allmählich die ersten Entzugserscheinungen auf: Troy versorgte nahezu alle Kinder der beschaulichen kleinen Vorstadt mit “Wohlfühlpillen” - und die fehlen jetzt …

Was den Auftakt bietet für eine Geschichte, in deren Verlauf die adrette Fassade der amerikanischen Vorstadt gründlich demontiert wird. Wer sich für die eingangs erwähnten Filme begeistern konnte - oder für den aktuell im Kino laufenden “Charlie Bartlett” -, der wird auch an “Chumscrubber” seine helle Freude haben.

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Persepolis: Die Geschichte einer iranischen Jugend

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Marijane ist wahrscheinlich nicht mal fünf, als die Revolution den Iran “befreit”, und naturgemäß versteht sie wenig von den Vorgängen im Land. Eines Tages müssen eben alle Frauen verschleiert herumlaufen - dem Mädchen macht das wenig aus.

Marijane Satrapis Comicroman “Persepolis” dokumentiert die jüngere Geschichte Irans aus einem ungewohnten Blickwinkel: Dem eines Kindes, bzw. dem einer Heranwachsenden. Wichtiger als alle politischen und religiösen Debatten ist da die Frage, wo man westliche Popmusik herbekommt und, natürlich, die Jungs. Und Zigaretten. Und so weiter -

Im Making-of des Films, der im vergangenen Jahr in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde, erklärt eine erfrischend natürliche Marijane Satrapi, dass ihre Geschichte ja eigentlich nicht besonders sei: Die Themen blieben sich gleich; ob man nun im Iran, in Japan oder den Vereinigten Staaten aufwächst.

Entsprechend fällt der Schwerpunkt des Films eher auf die Entwicklung seiner Protagonistin als auf pointierte politische Kommentare. Aber das ist nicht schlecht - im Gegenteil. “Persepolis” lebt gerade von der Unbefangenheit, mit der Marijane ihre Geschichte vor dem Zuschauer ausbreitet. Ein traurige Geschichte vielleicht, aber dann doch - eine Geschichte unter vielen.

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Jet Li contra Jason Statham: Action - Heroes fighten gemeinsam in War

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Jet Li und Jason Statham in einem Film: Für Actionfans eine der besten Kombinationen seit, äh, Gibson & Glover.

Tatsächlich hätten die beiden Action-Heroen vermutlich das Zeug zum perfekten Paar, etwa so wie Cola & Rum, Strand & FlipFlops, Couch & Bier. Schade nur, dass die Zahl ihrer gemeinsamen Szenen in “War” (2007) nicht gerade groß ist - und wenn sie mal zusammen vor die Kamera treten, dann kann man nicht wirklich von Schauspielerei sprechen, sondern nur von brillanter Choreografie.

Aber was soll’s: Man schaut sich einen Actionfilm ja nicht (wirklich…) der Schauspieler wegen an, oder? Und was die Action, das Kawumm-zzzzrggghh- splaash! - tactactactac … pffffttt - betrifft, ist “War” ein fabelhafter Film, so wie Fast Food: Schlicht, aber irgendwie wahnsinnig befriedigend.

Worum geht’s? Statham ist ein Cop, dessen Spezialgebiet die chinesischen Triaden und die japanischen Yakuza sind. Als sein Partner von einem vermeintlich unsichtbaren Profikiller (Jet Li) hingerichtet wird, schwört er Rache… et cetera. Nicht auf die Story kommt’s an, sondern aufs Drumherum: Und das ist wirklich gelungen. “War” hat grandiose Actionszenen, Atmosphäre, gelegentlich sogar den ein oder anderen, typisch mürrischen Statham-Gag und ein oder zwei hübsche Überraschungen.

Mehr braucht’s nicht für einen Abend mit ein paar Jungs und ein paar Bier… ;-)

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Actrices - Bruni-Tedeschi als Stadtneurotikerin?

Autor: Christophe Braun 0 Kommentare

Valéria Bruni-Tedeschis zweite Regiearbeit ist eine charmante Tragikomödie irgendwo zwischen Woody Allen und Almodovar.

Marcelline (Bruni-Tedeschi) ist eine überaus erfolgreiche Bühnenschauspielerin, doch ihr Privatleben ist eine mittlere Katastrophe: Während ihre Mutter (die echte Mutter von Bruni-Tedeschi!) sie am Liebsten mit einem wohlhabenden Fürsten verlobt sähe, taumelt die vierzigjährige Marcelline von einer Beziehung in die nächste - oder fast -, und wird dabei erstickt von ihrem Kinderwunsch …

“Actrices” wurde nicht zu Unrecht mit Lob überschüttet. Bruni-Tedeschi spielt unglaublich eindringlich; ihre Leinwandpräsenz lässt sie mit Marcelline schlichtweg verschmelzen. Angesichts dieser schauspielerischen Tour de force verblassen die Nebenfiguren freilich ein wenig - dennoch sind auch sie glänzend besetzt, mit Mathieu Amalric etwa oder Noémie Lvovsky. Amalric wird im Übrigen im neuen James-Bond-Streifen den Bösewicht geben.

Zurück zu den Schauspielerinnen: Der Film ist häufig mit Woody Allen verglichen worden; ein Vergleich, der nur eingeschränkt gültig ist: Zwar handelt es sich um die tragikomische Geschichte einer Stadtneurotikerin, aber “Actrices” lebt in einigen Szenen vom Moment einer leichten, ziellosen Improvisation, die man bei Allen - obwohl bei ihm auch viel improvisiert wird - nicht finden könnte.

Der Film zeigt Marcellines Welt und die Bühne, das Theater; die Wirklichkeiten der gefeierten Schauspielerin scheinen miteinander verflochten, unentwirrbar, und doch - …

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Neu im Kino: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Autor: Christophe Braun 1 Kommentar

Viel ist im Voraus geschrieben worden über das neue Abenteuer des Mannes mit dem Hut - und groß scheint die Enttäuschung im Nachhinein. Aber ganz so schlecht, wie es die Feuilletons glauben machen wollen, ist “Indiana Jones 4” auch wieder nicht.

Angesichts der gewaltigen medialen Resonanz, die dem Film zuteil wurde, scheint es gerechtfertigt, ihn in einer anderen Kategorie anzusiedeln als die Sequels des vergangenen Jahres - “Die Hard 4.0″, “Rocky V” und “John Rambo”: Die waren zwar insgesamt ganz erfolgreich, zogen aber weit weniger Aufmerksamkeit auf sich als das neueste Abenteuer des peitscheschwingenden Archäologen.

Warum? Ganz einfach: Dr. Henry Jones jr. alias Indiana ist mit seinem ersten Leinwandauftritt - “Jäger des verlorenenen Schatzes“, 1981 - unmittelbar zum Zentrum eines popkulturellen Mikrokosmos geworden. Um die - im Übrigen von George Lucas und Steven Spielberg auf einem gemeinsamen Hawaiurlaub ersonnene - Figur des tollpatschigen Abenteurers entstand ein ganzes Universum aus Filmen (neben den drei Harrison-Ford-Streifen auch die erfolgreiche “Young Indiana Jones”-Serie mit River Phoenix), Computerspielen, Comics und Romanen, deren Beliebtheit auch knapp dreißig Jahre nach Entstehung der Figur nicht abzureißen scheint.

Kein Wunder also, dass das mediale Interesse am Popkultur-Phänomen Indiana Jones höher ist als an dem verkrachten Vietnam-Veteranen mit der gruseligen Frisur. Kein Wunder ebenfalls, dass die Herren Lucas und Spielberg es nochmal wissen wollten und, 19 Jahre nach Indies letztem Leinwandauftritt, mit “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” versuchen, die Deutungshoheit über ihre cocktailgeborene Jugendfantasie wiederzugewinnen.

“George Lucas, hör auf uns wehzutun!”, soll ein Kritiker gestöhnt haben, als er die Vorführung in Cannes in der vergangenen Woche verfrüht verließ. Tatsächlich leistet sich der Film ein paar unverzeihliche Fehler - etwa Indies vermeintlichen Sohn, der als Identifikationsfigur “für die ganze Familie” (arrrgghh!) eingebaut wurde und sich mal eben als fleischgewordene Tarzan-Imitation lianenweise durch den Dschungel zu schwingen versteht - da wünscht man sich den diabolischen Khali-Hohepriester aus dem “Tempel des Todes”, auf dass er mit dieser familientauglichen Unterhaltung ein für allemal Schluss mache. Herr Spielberg wird auf seine alten Tage immer lauer. Auch nicht überzeugender ist der Dialogwitz - es gibt keinen. Oder, praktisch keinen: Keren Ann als Marian sorgt immerhin für einen komödiantischen Lichtblick; aber ihre Szenen sind viel zu kurz.

Das waren die Kritikpunkte. Als eingefleischter Indiana-Jones-Fan kann ich mich aber nicht überwinden, den Film jetzt einfach für schlecht zu erklären. Schlecht ist er nämlich nicht; er ist nur ein bisschen … unbeholfen. Das Computerspiel wird besser!

Und, so grausam und blasphemisch das klingen mag: Es hätte womöglich gutgetan, wenn Spielberg und Lucas sich zurückgehalten hätten; denn nicht alles, was sie anfassen, wird (Kassen-)gold.

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