Die Rezension von Coppolas “Apocalypse Now (1979) bedarf eines Größenwahns, über den ich nicht verfüge. “Apocalypse Now”, soviel sei gesagt, ist einer der wenigen Filme, die ich wieder und wieder anschauen kann. Coppola hat das Kino im Alleingang neu erfunden. Gestern Abend veranstaltete die Englische Philologie der Freien Universität eine kleine Vorführung, da die Erstsemester gerade Conrads “Heart of Darkness” lesen. Ich bin freilich kein Student; meine Freundin nahm mich mit. Im Folgenden ein paar Anmerkungen zu dem Film, zu Marlon Brando, Gekicher und Englisch-Dozenten.

1. “Saigon” ist das erste gesprochene Wort in “Apocalypse Now”, kurz darauf: “Shit”. Bisher hatte ich den Film nur auf Deutsch gesehen. Ehrlich gesagt, die deutsche Synchronstimme von Martin Sheen macht, finde ich, einen besseren Job als das Original. Sie ist heiser & erschöpft & resigniert, während – wenigstens für meine, nicht-englischen, Ohren – Sheen selbst seine Stimme relativ neutral temperiert. Klar, kann auch an mir liegen.

2. Irgendwo, ziemlich am Anfang von “Heart of Darkness”, wird der Schädel des Elfenbeinhändlers Kurtz verglichen mit einer blankpolierten Billardkugel. Die ersten Einstellungen, in denen Brando gezeigt wird, zitieren diese Stelle so deutlich, dass die Glatze von Col. Kurtz und die Idee der Billardkugel eins zu werden scheinen: Lässig.

3. Die Studenten, das heißt, mehrheitlich waren es Studentinnen, haben sich vermutlich für das Fach entschieden, weil ihnen in der zehnten Klasse “About a Boy”, “Gilmore Girls” oder die Alben von Green Day besonders gut gefallen haben. Jetzt haben sie ein Buch gelesen, für die Uni und so, und als Brando zum “The Horror, the horror” ansetzte, ging ein verschwörerisches Kichern durch die Reihen wie ein Schulterklopfen. Man fühlt sich fast ein bisschen als Verräter, wenn man dann eingestehen muss, das Buch zuhause, in der Badewanne, weniger der Bildung, als der Unterhaltung wegen gelesen zu haben.

4. Schön war ein Zitat des Drehbuchautors, das der Dozent vorlas: “Apocalypse Now” sei kein Antikriegsfilm, weil es dergleichen nicht geben kann – genausowenig könne man eine Film gegen den Regen machen.

Insgesamt ein interessanter Abend, der ein paar neue Erkentnisse brachte; und die Gewissheit, dass man diesen Film lieber nicht rezensieren sollte. Ich kann den nächsten Filmabend, zu dem auch Nicht-Studierende eingeladen werden, kaum erwarten. 😉