Wahrscheinlich war es Glück, dass der Roman von Kazuo Ishiguro von den Briten verfilmt wurde, denn in amerikanischen Händen hätte schnell ein überzogener Schmachtfetzen daraus werden können.

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Kathy (Mulligan), Tommy (Garfield) und Ruth (Knightley) wachsen in einem britischen Internat auf, dessen Leiter immer wieder betonen, dass sie etwas ganz Besonderes sind. Als eine neue Lehrerin an die Schule kommt, sollen die Kinder endlich erfahren, warum sie abgeschieden von der Gesellschaft aufwachsen.

Ohne zu viel vom Plot erzählen zu wollen, der sich eindrucksvoll subtil nach und nach entfaltet, kann man Alles, was wir geben mussten als Dystopie der Gegenwart beschreiben, in der die moralischen Fragen der Gentechnik und vor allem ihrer Folgen auf die Menschlichkeit aufgeworfen werden. Der Film kommt ohne große Spezialeffekte aus, die Zeit ist betont auf die 70er-90er gelegt worden und auch die Umgebung ist nicht verzerrt dargestellt, so dass es nicht schwer fällt, sich das Konzept auch in unserer Gesellschaft vor zu stellen, hierbei entsteht nicht die Idee einer weit entfernten Realität, sondern einer naheliegenden und erschreckenden Möglichkeit.

Hauptdarstellerin Carey Mulligan in der Rolle von Kathy spielt beeindruckend und warm, ihre Rolle bekam sie vor allem durch ihre Leistung in “An Education”. Besonders sollte man jedoch auch Isobel Meikle-Small im Auge behalten, die die junge Kathy verkörpert und dabei in der ersten Hälfte des Filmes eine so starke Empathie im Zuschauer weckt, dass es unmöglich ist, sich im weiteren Verlauf nicht stark mit den Charakteren zu identifizieren.

Alles, was wir geben mussten ist wunderbar gedreht, simplistisch und ehrlich gespielt, keine ausufernd dramatischen Szenen, kein Soundtrack, der einem vorgibt, was man zu fühlen hat. Fühlen wird man dennoch die Schmerzen, denn auch wenn der Film bei weitem nicht so kompakt und poetisch wie das Buch ist (aber welche Verfilmung ist das schon?), überzeugt er als unabhängiges Werk mit einer feinfühligen Hand bei einem derartig sensiblen Thema.

Ab dem 14.4.2011 in den Kinos.

Regie: Mark Romanek
Drehbuch: Alex Garland
Darsteller: Carey Mulligan, Keira Knightly, Andrew Garfield, Isobel Meikle-Small
Musik: Rachel Portman