Der Roman “Abbitte” wurde bei seinem Erscheinen vor fünf Jahren von Kritik und Lesern euphorisch gefeiert.

Klar, dass eine Verfilmung nahelag. Nun läuft sie im Kino, mit Keira Knightley und James McAvoy in den Hauptrollen. Regie führte Joe Wright, der vor zwei Jahren mit “Stolz und Vorurteil” – ebenfalls mit Knightley – bewies, dass er sich auf Literaturverfilmungen versteht. Seine Hauptdarstellerin wurde damals für den Oscar nominiert.

Aber die Zäsur, die dem Roman eine merkwürdige Spannung verlieh, schadet dem Film beträchtlich. Das liegt letztlich an McEwans Geschichte, die sich in ihrer Komplexität – ständig wechseln die Perspektiven und Schauplätze; er schildert die britische Klassengesellschaft der Vorkriegsjahre, danach den Krieg selbst, und reflektiert nicht zuletzt über das Schreiben – gegen eine Leinwandadaption sträubt. Deshalb ist “Abbitte” kein schlechter Film, bloß, an das Buch reicht er nicht heran. Gewiss, werden Sie sagen, das ist ein alter Gemeinplatz: “Die Filme sind nie so gut wie das Buch!”, aber den teile ich nicht. Lesen Sie mal “Das Schweigen der Lämmer” oder “Dracula”. Es gibt sie, und gar nicht so selten, die Filme, die ihre Vorlangen übertreffen. Im vorliegenden Fall war das nur schwer möglich. Dennoch beeindrucken Schauspieler, Musik, Kamera, Ausstattung. In vielerlei Hinsicht ist “Abbitte” sehr gelungen; und der erste Teil fängt die schwüle, dekadente Landhausatmosphäre des Buches hervorragend ein. Er entfaltet sich langsam, zäh, und schnappt umso gemeiner zu – ein boshaftes Kammerspiel mit schlechtem Ausgang. Die Tragödie ist absehbar, und doch nicht vermeidbar – Erotik und Zerstörung liegen bei McEwan dicht beieinander (“Der Trost von Fremden”, “Der Zementgarten”); und auch der Film hat hier seine Stärke. Danach werden die Charaktere durch den Krieg getrennt, und gezwungenermaßen beschreibt Wright den Krieg in Frankreich und die Evakuierung von Dünkirchen, zugleich das Schicksal der Krankenschwestern, die im umkämpften London Verwundete pflegen müssen. Manches wirkt obligatorisch; etwa die massakrierten Nonnen. Anderes ist ehrlich, unmittelbar, und schön. Aber insgesamt kann dieser Film, leider, dem Buch nicht das Wasser reichen. Darf ja auch mal sein, oder?